17.02.2016, 21:40 Uhr

Bundesamt gibt Entwarnung Untersuchungen: Doch kein Glyphosat in Muttermilch


Osnabrück. Glyphosat in Muttermilch – mit dieser Meldung sorgten die Grünen im Bundestag vergangenen Sommer für Aufregung, gilt das Pflanzenvernichtungsmittel doch als potenziell krebserregend. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) hat jetzt mit neuen Verfahren nachmessen lassen und kommt zu dem Ergebnis: Glyphosat ist in Muttermilch nicht nachweisbar.

Das zumindest hat eine Studie im Auftrag des BfR ergeben, für die eigens zwei neue Messverfahren entwickelt worden sein sollen. Wie das Bundesamt mitteilt, sind damit 114 Muttermilchproben aus Niedersachsen und Bayern untersucht worden. Das Ergebnis: „Wie vom BfR erwartet, wurden in keiner der untersuchten Muttermilchproben Rückstände des Pflanzenschutzmittels Glyphosat oberhalb der Nachweisgrenze gemessen.“ (Weiterlesen: Unkrautvernichter Glyphosat: Die wichtigsten Fakten)

„Muttermilch beste Nahrung für Säugline“

Es fände kein relevanter Übergang in die Muttermilch statt, so das Fazit des Bundesamtes . BfR und die Nationale Stillkommission weisen gemeinsam darauf hin, „dass Muttermilch nach wie vor die natürliche und damit beste Nahrung für Säuglinge ist. Mütter sollten sich nicht verunsichern lassen und wie bisher stillen.“

Dabei teilt die Behörde in ihrer Mitteilung auch in Richtung Grüne und die von der Partei beauftragten Labors aus: Das Ergebnis der BfR-Untersuchung zeige, „wie wichtig seriös durchgeführte Studien sind, um in der emotional geführten Debatte“ Verbraucher nicht unnötig zu versichern.

Tatsächlich war das Medienecho auf die Ergebnisse der Grünen groß. Die Partei macht sich für ein Verbot des Pflanzengifts stark, das in der Landwirtschaft aber auch von Privatpersonen eingesetzt wird, um Unkraut zu vernichten. Baumarkt-Ketten erklärten zuletzt, Mittel mit dem Wirkstoff Glyphosat aus dem Sortiment zu nehmen. (Weiterlesen: Toom nimmt Pflanzenschutz mittel aus dem Sortiment)

Entscheidung im Sommer

Im Zuge der Debatte wurde auch das Bundesamt massiv kritisiert. Der Behörde wurde Nachlässigkeit bei der Bewertung der Risiken vorgeworfen. Zunächst hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO den Wirkstoff als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Im November kam dann die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) – unter Berücksichtigung der Bewertung durch das deutsche BfR - zu dem Schluss: wahrscheinlich nicht krebserregend.

Gegenwärtig wird die Zulassung von Glyphosat auf EU-Ebene überprüft. Bis Ende Juni 2016 hat die jetzige Zulassung Bestand, dann muss die EU-Kommission neu entscheiden. Mit dem Urteil der Efsa gilt ein Votum pro Glyphosat als wahrscheinlich.


Glyphosat ist einer der weltweit am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln. In der Landwirtschaft und im Gartenbau wird es vor der Aussaat zur Unkrautbekämpfung verwendet. Getreide darf in Deutschland unter bestimmten Umständen auch vor der Ernte damit behandelt werden. Bundesweit wurden laut Umweltbundesamt im Jahr 2012 knapp 6000 Tonnen reine Wirkstoffmenge aufgebracht. Dabei werden Glyphosat oft noch Beistoffe beigemischt. Sie sollen das Eindringen in die Pflanze erleichtern. Diese Stoffe sind nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikoforschung zum Teil giftiger als das Glyphosat selbst.

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