16.02.2016, 05:11 Uhr

Bildungsmesse Didacta beginnt GEW-Chefin: Flüchtlinge und Fachfremde als Erzieher einsetzen

Durch die hohe Zahl an Flüchtlingen werden in Deutschlands Kitas mehr Erzieher benötigt. Foto: dpaDurch die hohe Zahl an Flüchtlingen werden in Deutschlands Kitas mehr Erzieher benötigt. Foto: dpa

Osnabrück. Die wachsende Zahl an Flüchtlingen stellt auch Kindertagesstätten vor große Herausforderungen. Um die Betreuung der Kinder sicherzustellen, schlägt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft vor, auch Flüchtlinge und fachfremdes Personal in den Kitas einzusetzen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) spricht sich dafür aus, dass neben Erziehern auch fachfremde Personen in Kindertagesstätten eingesetzt werden, um die Betreuung der wachsenden Zahl von Flüchtlingskindern zu ermöglichen. In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte Marlis Tepe, die Vorsitzende der GEW: „Man kann Nicht-Erzieher einstellen. Diese brauchen dann eine berufsbegleitende Ausbildung.“ Gewisse Voraussetzungen müssten die Nicht-Erzieher aber mitbringen. Dazu zählen laut Tepe die Mittlere Reife, eine dreijährige Ausbildung und mindestens drei Jahre Berufserfahrung.

Kindheitspädagogen könnten eingesetzt werden

Zu den möglichen Berufsgruppen, die für sie in Frage kommen, gehören unter anderen Kindheitspädagogen. „Wenn überhaupt kein anderes Personal vorhanden ist, ist das denkbar“, sagte Tepe.

Die Integration von Flüchtlingen ins Bildungssystem steht auch im Fokus der Messe Didacta, die von Dienstag bis Samstag in Köln stattfindet. Mehr als 100000 Besucher und 800 Aussteller werden zur Messe erwartet. In den Vorträgen und Workshops sollen dabei auch die neuen Herausforderungen für Kitas und deren Personal thematisiert werden.

Forderung nach mehr Ausbildungsplätzen

Durch die große Zahl an Flüchtlingen müssten Tausende neue Stellen in der Kinderbetreuung geschaffen werden, hatte die Gewerkschaft Verdi unlängst betont. Tepe sieht dies ähnlich: „Bundesweit ist die Erzieher-Kind-Relation ungünstig.“ Idealerweise sollte das Verhältnis eins zu sieben betragen, doch vor allem in Ostdeutschland sei die Zahl der Kinder, die ein Erzieher betreuen muss, deutlich höher. Um das Problem zu lösen, sei es nötig, den Beruf attraktiver zu machen. „Man muss die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Erzieher länger in dem Beruf arbeiten als bisher“, so Tepe.

Um den wachsenden Bedarf an Erziehern zu decken, sei es eine denkbare Option, auch Flüchtlinge in Kitas einzusetzen. „Man sollte gucken, ob es unter den Asylbewerbern Menschen gibt, die in ihrem Herkunftsland eine pädagogische Ausbildung hatten. Die muss man finden“, so Tepe.

Keine reinen Flüchtlingsgruppen

Darüber hinaus lehnt es die GEW-Vorsitzende ab, Kita-Gruppen rein aus Flüchtlingskindern zu bilden. Eine Integration in frühen Jahren werde vor allem durch den Kontakt mit deutschen Kindern ermöglicht. „Es ist gut, wenn die Flüchtlingskinder auf verschiedene Gruppen verteilt werden. Von wem sollen sie sonst Deutsch lernen? Kindern lernen vor allem durch das Vorbild der anderen“, sagte Tepe. Das hieße aber nicht, dass sie ihre eigenen Wurzeln vergessen sollen. „Es wäre falsch, zu fordern, dass sie nur Deutsch sprechen sollen. Sie müssen auch ihre eigene Kultur leben dürfen.“

Wie viele Flüchtlingskinder pro Gruppe?

Auf eine konkrete Zahl, aus wie vielen Flüchtlingen eine Kita-Gruppe idealerweise bestehen solle, möchte sie sich nicht festlegen. Dennoch betonte sie, dass eins bis zwei Kinder pro Gruppe „gut lösbar sind. Bei deutlich größeren Gruppen wird es schwierig.“


1 Kommentar