20.01.2016, 16:34 Uhr

Bayerische Polizei klärt auf Facebook-Gerücht: Mädchen von Flüchtlingen vergewaltigt

Genau hinschauen: Auf Facebook ging das Gerücht einer Vergewaltigung durch Flüchtlinge rum. Wie sich herausstellte: eine Falschmeldung. Foto: Jens Büttner/dpaGenau hinschauen: Auf Facebook ging das Gerücht einer Vergewaltigung durch Flüchtlinge rum. Wie sich herausstellte: eine Falschmeldung. Foto: Jens Büttner/dpa

Osnabrück. Am 11. Januar sollen Flüchtlinge ein junges Mädchen brutal vergewaltigt haben. Dieses Gerücht machte bei Facebook die Runde. Doch der Post war eine Falschmeldung. Nun appelliert die Polizei an Nutzer sozialer Netzwerke.

Ein Mann aus Traunstein verbreitet bei Facebook die Nachricht, ein Mädchen sei im Ort vergewaltigt worden – und zwar von Flüchtlingen. Die Polizei ermittelt. Das Ergebnis: Die Geschichte ist frei erfunden. Nun warnt die Polizei vor Gerüchten und politisch motivierten Falschmeldungen.

…mir san ja ned im Dschungelcamp!Immer wieder werden wir mit Falschmeldungen und Gerüchten konfrontiert.Irgendjemand...

Posted by Polizei Oberbayern Süd on Freitag, 15. Januar 2016

„-TEILEN-TEILEN-TEILEN- Am 11.01.2016 wurde in einer Traunsteiner Unterführung ein Mädchen vergewaltigt!!! Und zwar von Asylanten/Flüchtlingen!!! Diese Information stammt aus einer sicheren Quelle!!!“, konnten Nutzer öffentlich sichtbar am vergangenen Donnerstag auf der Facebook-Seite eines jungen Mannes aus dem Landkreis Traunstein (Bayern) lesen. Dabei stimmt die Geschichte nicht. In einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Oberbayen Süd stellen die Beamten einen Bezug zum „Stille Post“-Spiel her. „Wir sind alle damit aufgewachsen, jeder kennt es, jeder hat es schon gespielt und dabei viel gelacht.“

Falschmeldung

In diesem Fall hätten die Polizisten aber keinen Grund zum Lachen gehabt. Es handelte sich schlicht um eine Falschmeldung. Über Halbwahrheiten seien unhaltbare Gerüche entstanden. Medien hätten schließlich diesen Hinweis aufgenommen und hinterfragten im Polizeipräsidium Oberbayern Süd den angeblichen Vorfall.

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„Intern“, heißt es in der Mitteilung weiter, „konnte sowohl bei der Kriminalpolizeiinspektion, als auch bei der Polizeiinspektion, schnell festgestellt werden, dass es in Traunstein seit Jahresbeginn zu keinerlei Anzeigen wegen Sexualdelikten gekommen ist.“ Da natürlich die Möglichkeit nicht auszuschließen war, dass ein noch nicht bei der Polizei bekannt gewordenes Verbrechen vorlag, blieb Beamten der Polizeiinspektion Traunstein nichts anderes übrig, als den jungen Mann, der auf Facebook so empört über diese schwere Tat berichtet hatte, aufzusuchen und nach seiner „sicheren Quelle“ zu befragen. So nahm die Rückverfolgung der „Stillen-Post-Kette“ seinen Lauf.

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Ermittlungen dauern zwei Tage

Zwei Tage dauerte es, bis sich die Beamten von einer angeblichen „sicheren Quelle“ zur nächsten durchermittelt und Gewissheit erlangt hatten. Und wie beim Kinderspiel „Stille Post“ waren bei jeder Weitergabe des tatsächlichen Sachverhalts Informationen verloren gegangen und neue Details hinzugekommen.

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Einige Befragungen mussten die Beamten vornehmen, bis sie schließlich insgesamt acht Personen ermittelt hatten, die an der Info-Weitergabe beteiligt waren. Ursprünglich war zunächst von einem tatsächlich angezeigten Sexualdelikt in Traunreut die Rede gewesen. Bei dieser sexuellen Nötigung in der Silvesternacht hatte ein bereits am 13. Januar festgenommener Mann eine 17-Jährige sexuell belästigt.

„Das angebliche Sexualdelikt in einer Traunsteiner Unterführung, begangen durch mehrere Asylbewerber an einem jungen Mädchen gibt es tatsächlich nicht!“

Polizei warnt vor „Stille Post“

Dieser Fall zeigt, dass „Stille Post“ unter Umständen wirklich „gefährlich“ sein kann, besonders wenn man das Ergebnis am Ende der Informationskette auf Facebook öffentlich macht und als Tatsache darstellt. „Aus einem Sexualdelikt können so schnell zwei, drei oder noch mehr werden, begangen an unterschiedlichen Örtlichkeiten zu verschiedenen Zeitpunkten“, sagt Polizei-Pressesprecher Andreas Guske der Abendzeitung München. Verunsicherung sei eine der Folgen, unnötige Ermittlungsarbeit für die Polizei eine weitere.

Werben um Vertrauen

Die Polizei appelliert an die Bürger, ihren Ermittlungsarbeiten zu trauen. Diese informiere die Öffentlichkeit „unabhängig von Staatsangehörigkeit, Volkszugehörigkeit, möglichen Migrationshintergründen oder Ethnien“.


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