18.01.2016, 14:24 Uhr

Flüchtlinge in den Medien WDR-Journalistin: Wir müssen pro Regierung berichten

Der WDR in Köln weist Vorwürfe zurück, er berichte in der Flüchtlingskrise regierungsfreundlich. Foto: dpaDer WDR in Köln weist Vorwürfe zurück, er berichte in der Flüchtlingskrise regierungsfreundlich. Foto: dpa

Osnabrück. Berichtet der Westdeutsche Rundfunk bewusst positiv über Flüchtlinge? Die WDR-Journalistin Claudia Zimmermann behauptet genau das im niederländischen Radio. Es gebe in den öffentlich-rechtlichen Medien eine Anweisung, sich an der Flüchtlingspolitik der Regierung zu orientieren. Der WDR zeigt sich entsetzt, später zog Zimmermann die Äußerung zurück.

Beim Westdeutschen Rundfunk wurden Journalisten angeblich dazu angehalten, positiv über Flüchtlinge und die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu berichten. „Wir sind natürlich angewiesen, pro Regierung zu berichten“, sagte die WDR-Journalistin Claudia Zimmermann vom WDR-Studio in Aachen in einer Diskussionsrunde des niederländischen Radioprogramms „De Stemming“ (Die Stimmung) auf dem Sender L1. Die freie Journalistin sagte, als öffentlich-rechtlicher Sender müsse der WDR eher eine „Regierungsstimme“ als eine „Oppositionsstimme“ haben.

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„Problem in einer mehr positiven Art angehen“

Das hatten zunächst der „Tagesspiegel“ und die „Huffington Post“ gemeldet. In dem Radio-Talk ging es um die Vorgänge in Köln an Silvester und die Stimmung in Deutschland. Auf eine Frage des Moderators, ob sie im WDR positiv über Flüchtlinge berichten müsse, sagte die langjährige freie Mitarbeiterin demnach: „Wir sind öffentlich-rechtlicher Rundfunk und darum angehalten, das Problem in einer mehr positiven Art anzugehen. Das beginnt mit der Willkommenskultur von Merkel bis zu dem Augenblick, als die Stimmung kippte und es mehr kritische Stimmen im Rundfunk und auch von der Politik gab.“

WDR: Berichterstattung erfolgt ausgewogen und unabhängig

Der Westdeutsche Rundfunk zeigte sich in einer Pressemitteilung entsetzt. „WDR distanziert sich von Falschaussage“, schrieb der Sender. Es gebe keine Vorgaben für die Berichterstattung. „Das entspricht in keinster Weise der Haltung des Unternehmens“, sagte darin die stellvertretende Pressesprecherin Ingrid Schmitz . Die Berichterstattung des WDR erfolge „nach höchsten journalistischen Standards – ausgewogen und unabhängig“. Das gelte für die gesamte Berichterstattung, auch für die über Flüchtlinge.

Zimmermann: „Ich habe Unsinn geredet“

Der WDR veröffentlichte eine Erklärung, die Zimmermann gegenüber dem Sender gemacht habe. Demnach habe sie dem WDR erklärt:„Ich habe an dieser Stelle Unsinn geredet. Unter dem Druck der Live-Situation in der Talkrunde habe ich totalen Quatsch verzapft. Mir ist das ungeheuer peinlich. Denn ich bin niemals als freie Journalistin aufgefordert worden, tendenziös zu berichten oder einen

Bericht in eine bestimmte Richtung zuzuspitzen.“ Lesen Sie hier mehr zum Thema Flüchtlinge


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