17.11.2015, 08:43 Uhr

Globaler Terrorismus-Index 2015 Mehr Menschen als je zuvor sterben weltweit durch Terror

Nach einem Anschlag von Boko Haram in Nigeria im November 2014 mit mehr als 35 Toten inspizieren Sicherheitskräfte den Unglücksort. Foto: ReutersNach einem Anschlag von Boko Haram in Nigeria im November 2014 mit mehr als 35 Toten inspizieren Sicherheitskräfte den Unglücksort. Foto: Reuters

Osnabrück. Die Zahl der Terror-Opfer hat 2014 ein neues Rekordhoch erreicht: Mehr als 32.500 Menschen starben im vergangenen Jahr bei Terroranschlägen – 80 Prozent mehr als 2013. Hauptsächlich zwei Gruppierungen sind dafür verantwortlich.

Gefühlt war 2014 das Jahr des Terrors, und nun untermauern auch die Zahlen diese Wahrnehmung: 32.658 Menschen sind im vergangenen Jahr bei Terroranschlägen ums Leben gekommen – mehr als jemals zuvor seit Beginn der Zählung. Das geht aus dem aktuellen Globalen Terrorismus-Index hervor, den das amerikanisch-australische Institut für Wirtschaft und Frieden (IEP) am Dienstag in London vorgestellt hat.

Schon für 2013 hatte das Institut so viele Terror-Opfer wie nie zuvor gezählt. Auf 18.111 kam die Organisation damals. Das waren bereits 61 Prozent mehr als in 2012. In 2014 stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 80 Prozent. Dies ist der größte Anstieg, der jemals gemessen wurde. (Weiterlesen: Amnesty-Report: Bewaffnete Gruppen immer mächtiger und brutaler )

Boko Haram und IS

Zwei Terrorgruppen sind hauptsächlich dafür verantwortlich: die islamistische Sekte Boko Haram in Nigeria und die Miliz Islamischer Staat (IS), die hauptsächlich im Irak und in Syrien agiert. Allein auf das Konto dieser beiden Akteure gehen weltweit 51 Prozent der Terroropfer des vergangenen Jahres. Laut IEP sind sie die „tödlichsten Terrorgruppen der Welt“.

Ebenfalls auffällig: 78 Prozent aller Todesfälle durch Terror und 57 Prozent aller Anschläge ereigneten sich in nur fünf Ländern – im Irak, in Afghanistan, Nigeria, Pakistan und Syrien. „Der Irak bleibt das Land, das am stärksten von Terrorismus betroffen ist“, schreiben die Autoren des Berichtes. 3370 Anschläge und 9929 Tote registrierten sie hier – die höchste Zahl, die je in einem einzelnen Land gemessen wurde. Nigeria wiederum verzeichnete den größten Anstieg der Terrortoten: um 300 Prozent auf 7512 Todesopfer.

Horrende Kosten durch Terror

Auch die wirtschaftlichen Kosten des globalen Terrorismus explodierten nach Angaben des Instituts. Im vergangenen Jahr erreichten sie 53 Milliarden Dollar. Die Kosten verzehnfachten sich somit im Vergleich zum Jahr 2000. (Weiterlesen: Frankreich fordert nach Anschlägen von Paris EU-Hilfen )

Laut IEP-Chef Steve Killelea sind die Ursachen für Terrorismus je nach Weltregion unterschiedlich. „In westlichen Ländern liegen die Gründe häufig in Jugendarbeitslosigkeit oder Drogenkriminalität“, sagte er. „In Nicht-OECD-Ländern gibt es eher Verbindungen zwischen Terror und andauernden Konflikten, Korruption und Gewalt.“ Killelea wies zudem darauf hin, dass zehn der elf am meisten von Terrorismus betroffenen Länder die höchsten Raten an Flüchtlingen und Vertriebenen hätten. „Das beleuchtet die starke Vernetzung zwischen der aktuellen Flüchtlingskrise, Terrorismus und Konflikten.“

Im Westen vor allem Einzeltäter

Im Westen sind den Recherchen des IEP zufolge vor allem sogenannte „lone wolf attackers“ – also allein agierende Einzeltäter – für Terroranschläge verantwortlich. Keineswegs seien sie vor allem islamistisch motiviert gewesen: „80 Prozent dieser Täter waren politische Extremisten oder ethnische oder religiöse Rassisten“, heißt es im Terrorismus-Index.


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