07.05.2015, 13:12 Uhr

Schulze Wessel zum 8. Mai 1945 Historiker: Viele Fragen zum Zweiten Weltkrieg noch offen


Osnabrück. Der Deutsche Historikerverband hat zum Jahrestag der Kapitulation der Wehrmacht den weiterhin bestehenden Forschungsbedarf zu Zweitem Weltkrieg und Nazi-Zeit betont. Zugleich sieht der Vorsitzende den Blick auf das Militär in Deutschland im Wandel.

In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte der Verbandsvorsitzende Martin Schulze Wessel, auch 70 Jahre nach Kriegsende seien noch zahlreiche Fragen offen. „Insbesondere die europäische Dimension der Besatzungsherrschaft ist nicht hinreichend untersucht“, rief der Professor der Ludwig-Maximilians-Universität in München dazu auf, den Blick auf das Geschehen außerhalb des Deutschen Reiches in den Jahren 1939 bis 1945 zu lenken. Die inhaltlich wesentlichen Felder seien die Fragen von Holocaust und Vertreibung. Auch mit Blick auf die Rolle der Wehrmacht gebe es fortlaufend neue Erkenntnisse.

Schulze Wessel betonte, dass sich das Image des Militärs innerhalb der vergangenen Jahre gewandelt habe. „Unter dem Eindruck der Auslandseinsätze der Bundeswehr sieht man das Thema wieder stärker zusammen mit der Gesellschaft“, sagte der Wissenschaftler. Hier sei ein erheblicher Unterschied zur Zeit der Wiederbewaffnung oder Friedensbewegung in den Jahrzehnten unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg eingetreten.

Bestseller aus dem Ausland

Dem Eindruck, dass vor allem englischsprachige Autoren wie Christopher Clarke, Daniel Goldhagen oder Antony Beevor mit Werken über Deutschland und die Weltkriege Bucherfolge feiern, widersprach der Vorsitzende des Historikerverbandes. Die deutsche Forschung stehe den hoch anerkannten Leistungen keineswegs nach. Ausländischen Autoren werde aber womöglich ein neutralerer „Blick von außen“ unterstellt. Zudem seien angloamerikanische Forscher oftmals erzählerisch geschulter als deutsche Wissenschaftler.


Der Historiker Martin Schulze Wessel istProfessor für die Geschichte Ost- und Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München , Sprecher der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, Vorsitzender des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) und Mitglied der Deutsch-Ukrainischen Historikerkommission.

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