26.11.2014, 23:01 Uhr

600 Personen werden untergebracht Klinik wird zum neuen Flüchtlingsheim in Osnabrück


Osnabrück. Das Land Niedersachsen wird eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Osnabrück schaffen. In der Klinik am Natruper Holz sollen ab Mitte 2015 bis zu 600 Menschen untergebracht werden. Das bestätigte Innenminister Boris Pistorius am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion.

Die Unterkünfte für die Erstaufnahme in Bramsche, Friedland und Braunschweig sind laut Innenminister bis zu 70 Prozent überbelegt. Die neue Einrichtung in Osnabrück bringe beste Voraussetzungen mit und werde sehr schnell für Entlastung sorgen. Schon Mitte Dezember sollen die ersten 150 Menschen einziehen. Im Frühjahr wird das ehemalige Bundeswehrkrankenhaus seinen Angaben zufolge für etwa 300 bis 350 Flüchtlinge zur Verfügung stehen, ab Mitte 2015 für etwa 600. Die Menschen bleiben wenige Wochen in der ehemaligen Klinik, bis sie Kommunen in Niedersachsen zugewiesen werden. (Weiterlesen: Hier geht‘s zum Liveticker von der Pressekonferenz mit Boris Pistorius. )

Pistorius: Flüchtlinge werden herzlich aufgenommen

„Osnabrück ist eine echte Friedensstadt, das ist keine Phrase und auch kein Marketinggag, sondern gesellschaftlich gelebte Realität“, sagte Pistorius. Deshalb sei er überzeugt, dass die Fremden nicht „distanziert betrachtet, sondern als Bereicherung herzlich aufgenommen werden“. Osnabrück werde eine deutliche Entlastung für die anderen Kommunen in Niedersachsen bringen, die wegen der überfüllten Erstaufnahmeeinrichtungen nur sehr wenig Vorlaufzeit hätten, bis sie weitere Flüchtlinge aufnehmen müssten.

Den ersten Anstoß hatte offenbar Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) gegeben. Wichtig sei, den Hilfe suchenden Menschen eine angemessene Erstunterbringung zu sichern. Das Klinikgebäude biete entsprechende Kapazitäten, sei sofort nutzbar und sehr gut an den Nahverkehr angebunden.

Viele positive Effekte

Die Entscheidung des Landes habe für die Stadt mehrere positive Effekte, sagte Griesert. Mit der wachsenden Zahl der Erstaufnahmen sinke die Zahl der Flüchtlinge, die vom Land für eine längerfristige Unterbringung zugewiesen würden. „Wir hätten sonst schon bald Container in Park und Grünflächen aufstellen müssen“, sagte Griesert.

Knapp 600 Flüchtlinge leben zurzeit in Wohnungen, die die Stadt angemietet hat. Die Miet- und Unterhaltskosten, die das Land nur zum Teil erstattet, entfallen in Zukunft. Auf der anderen Seite wird das städtische Klinikum Mieteinnahmen von rund 800000 Euro jährlich vom Land für die Liegenschaft am Natruper Holz einnehmen. Unterm Strich wird mit einer finanziellen Entlastung von drei bis vier Millionen Euro pro Jahr gerechnet. Der Vertrag mit der Stadt sei unterschriftsreif, so Pistorius. Das letzte Wort habe aber der Stadtrat am 9. Dezember. Sprecher aller Fraktionen reagierten am Dienstag positiv.

Unterdessen hat sich die schwarz-rote Koalition im Bund geeinigt, Kommunen und Länder in Sachen Flüchtlinge finanziell zu unterstützen. In welcher Höhe steht aber noch nicht fest. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte eine Milliarde Euro ins Spiel gebracht. Auf EU-Ebene gibt es Überlegungen, in Nordafrika „Ausreisezentren“ aufzubauen, um Flüchtlinge von der Überfahrt des Mittelmeeres abzuhalten. (Mit dpa)

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