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11.09.2013, 15:17 Uhr KOLUMNE

Merkels Wandfarbenkalender

Von Katja Heins

Ein Modell, 90 Farbabstufungen. Auf Facebook kursiert ein Wandfarbenkalender mit Angela Merkels Blazern in allen Farbvariationen. (Screenshot: Facebook-Seite Dennis und Jesko)Ein Modell, 90 Farbabstufungen. Auf Facebook kursiert ein Wandfarbenkalender mit Angela Merkels Blazern in allen Farbvariationen. (Screenshot: Facebook-Seite Dennis und Jesko)

Berlin/Osnabrück. Ein Modell, 90 Farbabstufungen: Im Netz kursiert ein Wandfarbenkatalog mit kleinen Merkel-Bildern. Die Kanzlerin - von Lindgrün bis Kohlrabenschwarz. Früher wurde noch an ihrem Haar herumgemäkelt, heute geht es um Töne. Die Kritik an Merkel im Wandel der Zeit.

Was wurde im vergangenen Jahrzehnt über Angela Merkel gemeckert. Ihre Frisur, die Kleidung, ja sogar die Position der Mundwinkel wurde in den Medien diskutiert. „Gehorchen den Gesetzen der Schwerkraft“ hieß es einst in der Welt .

Das Haar sei „viel zu platt“, als „Prinz Eisenherz“ wurde sie vom Focus tituliert. Und ihre Kostüme? „Stets schlecht sitzend“, da waren sich zahlreiche überregionale Tageszeitungen einig. 2003 mischte sich sogar Heiner Geißler, Bundesminister a. D. und zuletzt großer Streitschlichter in Sachen „Stuttgart 21“, in die Diskussion um Merkels Outfit ein: „Das geht nicht, also da muss sie sich auch einfach besser beraten lassen!“ , forderte der CDUler.

Über die Jahre wurde die Frisur stufiger - glaubt man der Boulevard-Presse ging Merkel zu dem Berliner Star-Coiffeur Udo Walz - doch auch der Dress nahm andere Formen an:

„Jahrelang war Merkel in Anzughosen herumgelaufen, die in Knöchelhöhe endeten und deren Karottenschnitt alles hervorhob, was die Abweichung von der Idealfigur betonte. Die kastenförmigen Blazer und die ewigen flachen, bequemen Pumps vervollständigten den Eindruck einer gestauchten Silhouette“, schrieb Marianne Wellershoff 2005 im „KulturSpiegel“. Doch dann kurz vor der Wahl zur Kanzlerin habe sie sich in „dunklen, fließenden Stoffen, die ihre Beine umspielten“, „moderner, lässiger“ präsentiert, fand Wellershoff.

Und tatsächlich, das Ende der Spötteleien war erreicht. Merkel hatte ihren „modischen Kampfanzug“ gefunden - bei der Hamburger Designerin Bettina Schoenbach: Schwarze Hose kombiniert mit Drei-oder Vierknopf-Blazer. Kurz, tailliert, auf Hüfthöhe leicht ausgestellt, hohes Revers, mal klassisch, mal mit Mao-Kragen. „Laut Stilberatern das perfekte Kleidungsstück für den ‚H-Typ‘ (beschreibt die Körperlinie zwischen Oberweite und Hüfte)“, schrieb der Stern.

Da Merkel pragmatisch ist, wie sie sich in zahlreichen Interviews beschrieb, orderte sie bei der Hamburgerin gleich die ganze Farbpalette. Das grün-schwarze Ensemble trug sie beim Klimagipfel, Mitternachtsblau beim Kanzlerduell, Royalblau bei der U-Boot-Besichtigung, Lila beim Wahlkampf im Saarland, Kornblumenblau in NRW, Lachs beim Obama-Besuch in Deutschland und Rot, wann immer es darum geht, Macht zu demonstrieren.

Der perfekte Schnitt scheint gefunden - dennoch wabern neue hämische Kommentare durch die Medienrepublik und die sozialen Netzwerke (die Reaktionen auf ihre „Schlandkette“ beim TV-Duell einmal außen vor gelassen) . „Hat sie den Malkasten bald durch?“, fragt eine Twitter-Userin in Bezug auf die Farbenvielfalt. Auf Facebook kursiert sogar ein so genannter „Dulux-Wandfarbenkatalog“ der sich aus 90 kleinen Merkel-Bildern zusammensetzt. Die Farbpalette startet mit der Kanzlerin in Lindgrün und endet mit der Kanzlerin im kohlrabenschwarzen Blazer.

Der große Farbenhersteller Dulux ist auf das neue Merkel-Modell der Tonauswahl längst aufmerksam geworden und legt Wert darauf, dass das Unternehmen mit der prominenten Palette nichts zu tun hat. Dagegen vorgehen will Dulux eigenen Angaben nach aber nicht. „Solange die Marke nicht geschädigt werde, bestehe dazu kein Anlass“, heißt es.

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