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Kind war nicht erwünscht Mutter gesteht: Neugeborenes aus Fenster geworfen

Vom 21.11.2011, 19:25 Uhr, zuletzt aktualisiert 21.11.2011, 19:30 Uhr
In diesem Hinterhof am Spandauer Damm in Berlin wurde das Baby gefunden. Foto: Florian SchuhIn diesem Hinterhof am Spandauer Damm in Berlin wurde das Baby gefunden. Foto: Florian Schuh

Eine 40-jährige Berlinerin hat zugegeben, ihr eigenes Kind bald nach der Geburt aus dem Fenster geworfen zu haben. Gegen die Frau wurde am Montag ein Haftbefehl ausgestellt. Ihr werde Totschlag vorgeworfen, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, mit.

Der kleine Junge wurde nur ein paar Stunden alt. Er starb an seinen «multiplen Verletzungen» durch den Sturz aus einer Wohnung im 5. Stock im Berliner Stadtteil Charlottenburg. Die dringend Tatverdächtige gab die schockierende Tat in Vernehmungen zu. Sie sitzt jetzt in Untersuchungshaft. Das Kind soll laut Staatsanwaltschaft einfach nicht erwünscht gewesen sein.

Am Sonntagmorgen hatte ein Anwohner den toten Säugling im Hinterhof des Wohnhauses entdeckt. Der Rentner berichtete in der «RBB-Abendschau», ihm sei ein blauer Müllsack aufgefallen, aus dem kleine Füße und Hände ragten.

Laut Polizei wurde das Kind in der Nacht zum Sonntag in der Wohnung geboren. Nach dem grausigen Fund des toten Babys führten blutige Spuren schnell zu der Wohnung. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei stürmte sie. Die Mutter, ihre 15 alte Tochter sowie der 44-jährige Lebensgefährte ließen sich widerstandslos abführen.

Der Mann ist seit Sonntagabend wieder auf freiem Fuß. Der Tatverdacht richte sich nicht mehr gegen den 44-Jährigen, hieß es bei der Polizei. Auch die Tochter wurde aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Sie kam bei Verwandten unter.

Die Mutter mache keinen verwirrten Eindruck - «eher einen kühlen», sagte ein Polizeisprecher. Sie habe ausgesagt, weder der Mann noch die Tochter hätten etwas mit dem Tod des Kindes zu tun. Die Frau sei nach der Geburt am Sonntag nur ambulant medizinisch behandelt worden. Die Frau soll bereits mehrere Kinder zur Welt gebracht und dann in fremde Obhut gegeben haben, war in Ermittlerkreisen zu hören.

Nach einem Bericht der «Bild»-Zeitung (Dienstag) ist die Frau seit 2007 dem Jugendamt bekannt. «Der letzte Hausbesuch bei der Familie war im September», sagte die Jugendstadträtin von Charlottenburg-Wilmersdorf, Elfi Jantzen (Grüne), dem Blatt. Von der Schwangerschaft der 40-Jährigen habe das Jugendamt aber nichts gewusst. Die 40-Jährige soll nach Informationen der Zeitung mindestens vier Kinder haben, zwei davon wurden zur Adoption freigegeben.

Es ist nicht das erste Mal, dass in Berlin ein Baby aus dem Fenster geworfen wurde. An Weihnachten 2010 hatte ein ähnlicher Fall die Öffentlichkeit erschüttert. Eine 20-Jährige aus Rumänien hatte ihr Neugeborenes in den verschneiten Hof ihrer Berliner Wohnung geworfen. Der Kleine starb an Unterkühlung. Die Frau wurde im Juni wegen Totschlags zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Das Landgericht ging von einer extremen Ausnahmesituation der Frau aus.