20.04.2017, 18:30 Uhr

Schutz bei Sprengungen und Schüssen Bundesliga-Clubs an Anti-Terror-Folie aus Münster interessiert

So sieht eine mit Sicherheitsfolie geschützte Autoscheibe nach einer Sprengung aus. Die Glassplitter bleiben an der Folie haften. Foto: HaverkampSo sieht eine mit Sicherheitsfolie geschützte Autoscheibe nach einer Sprengung aus. Die Glassplitter bleiben an der Folie haften. Foto: Haverkamp 

Osnabrück. Sie ist 0,5 Millimeter dünn und transparent – und soll bei Sprengstoffanschlägen vor schlimmen Verletzungen schützen: die Anti-Terror-Folie des Sicherheitsausrüsters Haverkamp aus Münster. Nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund haben bereits mehrere Bundesliga-Vereine ihr Interesse daran bekundet.

Vor dem Champions-League-Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem AS Monaco am Dienstag vergangener Woche verübten bislang unbekannte Täter einen Anschlag auf den Mannschaftsbus der Borussia. Wenige Meter von dem Bus entfernt detonierten drei mit Metallstiften versehene Sprengsätze. Das Sicherheitsglas des Busses splitterte, Abwehrspieler Marc Bartra wurde durch Glassplitter verletzt. Die Anti-Terror-Folie, die der Sicherheitsausrüster Haverkamp aus Münster entwickelte, soll so etwas verhindern. „Mit der Folie wäre der Spieler voraussichtlich nicht durch Glassplitter verletzt worden“, sagt Christina Haverkamp, Marketingmanagerin des Unternehmens.

Folie bindet Splitter

Die Autosicherheitsfolie trägt den etwas sperrigen Namen „Profilon P3A AM“, ist nach Angaben des Unternehmens aber die stärkste Sicherheitsfolie für Fahrzeuge weltweit. „Bei einer Explosion wird eine Druckwelle ausgelöst. Dadurch bricht das Glas der Scheiben und die Splitter werden in den Innenraum des Fahrzeugs transportiert. Die Folie hält das Glas am Rahmen und bindet die Splitter, sodass diese an der Folie kleben bleiben“, erklärt Haverkamp. Auf diese Weise biete die Folie Schutz vor Wurfgeschossen, Sprengungen und Brandsätzen. Das habe das Unternehmen auf dem eigenen Gelände getestet.

Anfragen von Bundesliga-Clubs

Seit die Folie vor drei Monaten offiziell zugelassen worden ist, sind nach Angaben des Unternehmens bereits Fahrzeuge von Managern diverser Großkonzerne sowie Personen des öffentlichen Lebens aus ganz Europa damit ausgestattet worden. Seit dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund hätten mehrere Bundesliga-Vereine angefragt. Wer genau die (möglichen) Kunden sind, verrät das Unternehmen nicht. „Auch im Privatbereich ist das Interesse gestiegen und das, obwohl viele gar nicht wissen, dass es solche Folien gibt“, sagt Haverkamp.

Wer sein Auto mit der Folie absichern möchte, muss mit Kosten in Höhe von etwa 2500 Euro rechnen. Bei einem Bus steigt der Preis auf etwa 10.000 Euro. Drei Tage dauert es, um die Scheiben eines Busses zu folieren. Das übernimmt eine laut Haverkamp europaweit einzigartige Maschine, die die Folie direkt auf das Glas aufträgt.

Entwicklung schwierig

Ob ein Fahrzeug mit Sicherheitsfolie ausgestatten worden ist, ist nicht erkennbar – aus gutem Grund. „Wenn offensive Sicherheitsmaßnahme zu erkennen sind, weiß man sofort, dass dort jemand Wichtiges drin sitzt.“

Eine Schutzfolie für Autos zu entwickeln, die in Deutschland zugelassen wird, sei nicht einfach gewesen. Die Folie müsse den Kochtest bestehen. Also habe man einen Kleber entwickeln müssen, der sich bei solch hohen Temperaturen nicht auflöst. Doch dem 1978 gegründeten Unternehmen ist das gelungen. Derzeit rüstet Haverkamp die Fahrzeuge der Berliner Polizei mit der Folie aus. „Ich gehe davon aus, dass die Nachfrage steigen wird“, sagt Haverkamp.

Sicherheitsfolie für Gebäude

Erfolge erzielte das Unternehmen bereits mit seiner Sicherheitsfolie für Häuser. So ließ unter anderem die norwegische Regierung vor einiger Zeit diese Folie an Fenster einiger Gebäude im Regierungsviertel in Oslo anbringen. Bei dem Anschlag im Juli 2011, als dort eine Autobombe explodierte, zerstörte die Druckwelle Gebäudefassaden im Umkreis von einem Kilometer. Acht Menschen starben, zehn weitere wurden schwer verletzt. Nach Angaben des Unternehmens wurden zwar einige Fensterrahmen durch die Wucht der Explosion vollständig aus der Laibung herausgedrückt. Doch demnach hielt die Folie die Glasflächen zusammen und verhinderte so den lebensgefährlichen Splitterflug. Über 70 Menschenleben wurden laut Haverkamp so gerettet.


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