19.04.2016, 17:00 Uhr

Schüler verbreiten Clip per WhatsApp Sex-Video mit 13-Jähriger kursiert im Kreis Gütersloh

Seit einigen Wochen kursiert im Kreis Gütersloh ein Video, das ein 13-jähriges Mädchen bei sexuellen Handlungen zeigt. Es wurde eine Strafanzeige erstattet, die bei der Polizei in Gütersloh bearbeitet wird. Foto: dpa/Ritchie B. TongoSeit einigen Wochen kursiert im Kreis Gütersloh ein Video, das ein 13-jähriges Mädchen bei sexuellen Handlungen zeigt. Es wurde eine Strafanzeige erstattet, die bei der Polizei in Gütersloh bearbeitet wird. Foto: dpa/Ritchie B. Tongo

Gütersloh. Seit einigen Wochen kursiert im Kreis Gütersloh ein Video, das ein 13-jähriges Mädchen bei sexuellen Handlungen zeigt. Es wurde eine Strafanzeige erstattet, die bei der Polizei in Gütersloh bearbeitet wird.

Offenbar wurde das Video unter Schülern per WhatsApp vielfach verbreitet, so die polizeilichen Ermittlungen. Der Kriminalhauptkommissar im Kommissariat für Kriminalprävention und Opferschutz, Lothar Rösler, ist oft zu Gast an Schulen, um Schüler im Umgang mit dem Internet zu schulen. Er erklärt, welche Konsequenzen es für die Jugendlichen und in diesem speziellen Fall für das 13-jährige Mädchen hat, wenn sie pornografische Inhalte verbreiten?

Was erlaubt ist - und was nicht

Denn „Sexting“ ist immer wieder ein Thema unter Jugendlichen. Heißt: Das Versenden von eigenen Nacktfotos, meist mit dem Smartphone über Messenger-Dienste wie WhatsApp und Snapchat. „Oft sind diese Fotos ein Liebesbeweis“, sagt Rösler. Ein Liebesbeweis, der keine Straftat ist. Doch wenn der Empfänger des Fotos dieses an andere Personen weitergibt, ist das ein Rechtsverstoß, wie Rösler erklärt. „Ein Verstoß vor allem gegen die Persönlichkeitsrechte, aber auch gegen die Urheberrechte.“ Was also als harmloser Liebesbeweis gedacht ist, kann schnell Konsequenzen haben. (Übrigens: Bei uns gibt es täglich die Top-News per Whatsapp – ganz ohne Schmuddelkram)

Schwierig wird es, wenn die Fotos und Videos, die man verschickt, sexuelle Handlungen an sich selbst zeigen. Dann wird das als Verbreitung jugendpornografischer Schriften (§184c StGB) angesehen – und ist verboten. Hinzu kommt: Egal, wie alt der Absender ist – schickt er die Inhalte an Kinder oder Jugendliche, macht er sich strafbar. Genau wie die Person, die das Material auf ihrem Handy oder Computer speichert.

Rösler warnt vor dem Messengerdienst Snapchat, der besonders bei den Jugendlichen momentan sehr angesagt ist. Der Dienst ermöglicht es, Fotos an Freunde zu versenden, die nur eine bestimmte Anzahl von Sekunden sichtbar sind und sich dann selbst „zerstören“. Doch Snapchat liefere eine „falsche Sicherheit“, so Rösler. Die Jugendlichen sollten sich bewusst sein, dass vor dem „Zerstören“ der Fotos durchaus Screenshots gemacht werden können.

Die rechtlichen Konsequenzen

Werden derartige Inhalte erst einmal um ein Vielfaches verbreitet, lässt sich nur noch schwer feststellen, wer dafür eigentlich verantwortlich ist. Im Fall des 13-jährigen Mädchen heißt das: „Es wird wissen, an wen es das Video verschickt hat“, sagt Rösler. Diese Person, die das Material zu Unrecht weiterverbreitet hat, könne also dafür belangt werden. Aber danach wird es schon schwieriger. „Es läuft völlig aus dem Ruder“, so Rösler.

Das 13-jährige Mädchen hat sich strafbar gemacht, ist aber nicht strafmündig. Und auch der Empfänger kann je nach Alter möglicherweise für seinen strafrechtlichen Verstoß nicht belangt werden. Außer zivilrechtlich. „Das sollte jedem klar sein“, so Rösler. „Für den Schaden, der dem Mädchen entstanden ist, kann zivilrechtlich ein Schadensersatz in Form eines Schmerzensgeldes gefordert werden.“ Ein Kind hat in der Regel kein Geld, um den Schaden zu begleichen. Wichtig zu wissen: Damit ist die Angelegenheit nicht aus der Welt. 30 Jahre lang kann das Kind für diesen Schaden herangezogen werden, frühestens, wenn es ein eigenes Einkommen hat.

Drei Tipps für Kinder und Jugendliche - und ihre Eltern:

1. Das Netz vergisst nicht. Kinder und Jugendliche sollten sich bewusst sein, dass sie nie sicher sein können, dass nicht doch ihre Inhalte, die sie ins Netz gestellt haben, irgendwann von irgendwem gefunden werden. Rösler hat das schon selbst getestet. Vor einem Klassenbesuch hat er anhand der Namensliste das Taufdatum aus dem Jahr 2002 inklusive Wohnort eines Schülers herausgefunden. Und das ist 14 Jahre her.

2. Kinder und Jugendliche sollten darauf verzichten, sexuelle Inhalte zu erstellen und zu verbreiten. Und wenn es doch das legale Nacktfoto an den Liebsten sein soll, dann doch bitte so, dass man unkenntlich ist. Das heißt, dass der Kopf auf dem Bild oder Video nicht zu sehen ist. Ein Tipp von Medienpädagogen, bei dem Rösler selbst allerdings schlucken muss.

3. Eltern sollten einen entsprechenden Umgang mit dem Internet vorleben und Vorbilder sein. „Es ist unglaublich, was auch Erwachsene von sich preisgeben“, sagt Rösler: Geodaten, wo sie gerade Urlaub machen („Eine Einladung für jeden Einbrecher“), Selfies, die als erotische Werbung gelten könnten, Bilder der eigenen Kinder. Die Liste ist lang.

Ein Artikel der Neuen Westfälischen


0 Kommentare