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21.04.2017, 19:25 Uhr KOMMENTAR ZU HOMANN-SCHLIEßUNG

Rücksichtsloser Kahlschlag des Müller-Konzerns in Dissen

Kommentar von Michael Clasen

Mehr als 140 Jahre lang prägte Homann die Stadt Dissen und die Arbeitswelt am Teutoburger Wald. In drei Jahren soll der Stammsitz schließen. Foto: Achim KöppMehr als 140 Jahre lang prägte Homann die Stadt Dissen und die Arbeitswelt am Teutoburger Wald. In drei Jahren soll der Stammsitz schließen. Foto: Achim Köpp

Osnabrück. Sollte eine Homann-Neuansiedlung in Sachsen mit wettbewerbsverzerrenden Mitteln gefördert werden, muss die Landesregierung in Hannover intervenieren, fordert unser Kommentator.

Der Schock sitzt tief in der Region Osnabrück und im niedersächsischen Wirtschaftsministerium. Dass der Müller-Konzern seine Feinkost-Tochter Homann umstrukturieren will, war bekannt. Doch der jetzt verkündete Umbau stellt sich als rücksichtsloser Kahlschlag heraus.

Das schlägt auf den Magen wie verfaulter Kartoffelsalat

Der Homann-Stammsitz in Dissen wird trotz einer mehr als 100-jährigen Firmentradition dichtgemacht. Drei weitere Standorte sollen ebenso bis 2020 geschlossen werden. Die Müllermilch-Tochter verlagert stattdessen nach Sachsen. Für die Belegschaft eine Hiobsbotschaft.

Für den schillernden Milch-Baron Theo Müller scheint es keine Rolle zu spielen, was mit den mehr als 1000 Beschäftigten geschieht. Viele dieser Mitarbeiter haben über Jahre ihr Bestes für Deutschlands führenden Feinkost-Hersteller geleistet. Der Müller-Konzern dankt es ihnen, indem er sie quasi vor die Tür setzt, obwohl Homann zwar reformbedürftig ist, aber Zukunftsperspektiven hat. Solch ein Kapitalismus schlägt auf den Magen wie verfaulter Kartoffelsalat.

Fataler Subventionswettlauf

Nur: Was hat Sachsen, was Niedersachsen nicht hat? Der Verdacht liegt nahe, dass der Müller-Konzern von einem fatalen Subventionswettlauf profitiert. Sollte eine Homann-Neuansiedlung in Sachsen mit wettbewerbsverzerrenden Mitteln gefördert werden, muss die Landesregierung in Hannover intervenieren.


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