21.03.2017, 05:42 Uhr

Verband intensiviert Maßnahmen Vogelgrippe hält sich im Landkreis Cloppenburg hartnäckig

Als Reaktion auf die anhaltenden Neuausbrüche der Vogelgrippe im Kreis Cloppenburg will der Niedersächsische Geflügelwirtschaftsverband die Maßnahmen zur Biosicherheit bei Enten- und Putenbetrieben verschärfen. Foto: Katharina RitzerAls Reaktion auf die anhaltenden Neuausbrüche der Vogelgrippe im Kreis Cloppenburg will der Niedersächsische Geflügelwirtschaftsverband die Maßnahmen zur Biosicherheit bei Enten- und Putenbetrieben verschärfen. Foto: Katharina Ritzer

Cloppenburg. Als Reaktion auf die anhaltenden Neuausbrüche der Vogelgrippe im Kreis Cloppenburg will der Niedersächsische Geflügelwirtschaftsverband die Maßnahmen zur Biosicherheit bei Enten- und Putenbetrieben verschärfen.

Der Übertragungsdruck des H5N8-Virus sei ungebrochen hoch. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen sei die Zukunft der gesamten Putenwirtschaft gefährdet. „Die Situation ist besorgniserregend“, sagte der Vorsitzende des Niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverbandes und Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft, Friedrich-Otto Ripke.

Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen

Unter anderem soll das zur Einstreu vorgesehen Stroh im Stall belassen werden, damit die Ställe vier Wochen lang nicht geöffnet werden müssen. In der Nähe von Ausbruchsbetrieben soll die windzugewandte Seite der Ställe abgedichtet werden. Schlachtreife gesunde Tiere aus Ställen in der Nähe von Ausbruchsbetrieben sollen vorsorglich entnommen und sofort zur Schlachtung kommen. Entsprechende Informationsblätter und Checklisten sollen möglichst schnell an die Betriebe verteilt werden.

Engpässe bei Bio-Eiern

Wegen der Geflügelpest müssen Kunden mit Engpässen bei Bio-Eiern rechnen. „Bio-Eier haben bei der Erzeugung einen Anteil von zwölf Prozent“, sagte Ripke. Da es wegen der Stallpflicht derzeit deutlich weniger Freilandeier im Handel gebe, griffen viele Kunden zu Bio-Ware. Es gebe aber unterm Strich genügend Eier aus Bodenhaltung.


Vogelgrippe hält sich hartnäckig im Kreis Cloppenburg

Warum ist ausgerechnet der Landkreis Cloppenburg so stark betroffen?

Eine klare Antwort haben die Experten nicht. Fest steht: Die Tierdichte ist extrem hoch. 13,2 Millionen Stück Geflügel werden in dem Landkreis gehalten, sagt Kreissprecherin Sabine Uchtmann. „Es trifft uns wohl auch deshalb so stark, weil hier die Zahl der Ställe so hoch ist.“

Bislang wurden in dem Landkreis 400 000 Tiere getötet. Vor allem Putenställe waren betroffen. Puten werden in relativ offenen Ställen gehalten, damit die Luft gut zirkulieren kann. Auch das Stroh wird regelmäßig getauscht; dabei werden die Ställe geöffnet, sagt Silke Klotzhuber vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves). Auch sind die betroffenen Ställe dicht benachbart.

Wird das Virus von Stall zu Stall übertragen?

Darauf gibt es zwar Hinweise, es ist aber noch nicht bewiesen, heißt es dazu aus dem Landwirtschaftsministerium in Hannover. Experten, unter anderem vom Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems, untersuchen aber diese Frage. Auch Futter-Ströme und andere mögliche Kontakte zwischen den Ställen werden unter die Lupe genommen. „Wir untersuchen das und nehmen es sehr ernst“, sagt ein Sprecher des Ministeriums.

Wie wurde bislang in dem Landkreis reagiert?

Der Landkreis hat zwölf Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete eingerichtet. Darin befinden sich 786 Geflügel haltende Betriebe mit 5,3 Millionen Tieren. Der Kreis hat die Wiedereinstallung von Geflügel in den betroffenen Gebieten für vier Wochen verboten - das Ziel: Die Zahl der Tiere zu verringern, und damit auch das Risiko einer Infektion.

Sind weitere Maßnahmen geplant?

Der Geflügelwirtschaftsverband will die schon sehr hohen Auflagen zur Biosicherheit verschärfen. Der Infektionsdruck sei so hoch, dass man sich mit den bisherigen Maßnahmen nicht gegen die Krankheit wehren könne, sagt Ripke. Allgemein hoffen die Experten und Landwirte auf wärmeres, sonnigeres Frühlingswetter: Der Virus gilt als anfällig für UV-Strahlung.

Sind Verbraucher betroffen?

Für Menschen gilt das hochansteckende Virus H5N8 bislang als ungefährlich. Allerdings gibt es wegen der Stallpflicht Engpässe bei Freilandeiern - Eier aus Freilandställen dürfen nicht mehr als Freilandware deklariert werden, wenn die Tiere länger als zwölf Wochen im Stall sind. Die Eier müssen als Bodenhaltungseier vermarktet werden. Der Einzelhandel weißt auf die umdeklarierten Eier hin. Bio-Eier werden knapp, weil viele Kunden von Freilandware auf Bio-Produkte umschwenken. Da der Anteil von Bio-Eiern bei der Erzeugung nur bei zwölf Prozent liege, könne diese Menge nicht komplett den Verlust der Freiland-Eier wettmachen, sagt Ripke.

Gibt es im Moment keine Freiland-Eier mehr?

Doch, denn die Vorschriften für die Aufstallung werden von Bundesland zu Bundesland, und in Niedersachsen und Brandenburg sogar lokal geregelt, sagt Alexandra Antonatus aus der Pressestelle von Edeka Minden-Hannover. „Dementsprechend kann es sein, dass Kunden Eier aus Freilandhaltung kaufen können.“

Wie teuer sind die umdeklarierten Freiland-Eier?

Die Eier der Hühner aus Freilandhaltung, die zurzeit in Bodenhaltung gehalten werden müssen, werden etwa bei Edeka zu Preisen der Freilandeier verkauft. „Diese Hühner haben einen zusätzlichen geschützten Auslauf - ähnlich einem Wintergarten“, sagt Antonatus. Die Verpackung ist deklariert mit „aus Bodenhaltung (mit Wintergartenauslauf)“.

Wie hoch ist der Schaden für die Geflügelwirtschaft?

Ripke schätzt den Schaden auf derzeit 40 Millionen Euro. „Wir können davon ausgehen, dass die Ausfälle von der Tierseuchenkasse ausgeglichen werden. Viele werden auch eine private Ertragsschadensversicherung haben“, sagt Ripke.

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