20.03.2017, 20:08 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Ersatz viel teurer als gedacht Finanzierung zum Neubau der Friesenbrücke geplatzt

Der Bund und das Land Niedersachsen ringen weiter um einen Neubau der von einem Frachtschiff zerstörten Friesenbrücke in Weener. Foto: dpaDer Bund und das Land Niedersachsen ringen weiter um einen Neubau der von einem Frachtschiff zerstörten Friesenbrücke in Weener. Foto: dpa

Hannover/Weener. Die Zukunft der Ende 2015 zerstörten Friesenbrücke über die Ems bei Weener bleibt vorerst unklar. Ein Spitzengespräch blieb ergebnislos. Denn ein Neubau wäre viel teurer als zunächst gedacht.

Die Hängepartie um einen möglichen Neubau der Friesenbrücke bei Weener dauert an. Bei einem Spitzengespräch am Montagabend im Verkehrsministerium in Hannover einigten sich Bund und Land darauf, einen möglichen Neubau durch die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes auf Wirtschaftlichkeit durchrechnen zu lassen.

Hoffen auf Ostern

„Wir werden die Einschätzung in der Woche vor Ostern liefern können“, sagte Enak Ferlemann (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Rechnet sich das Bauwerk angesichts des zu erwartenden Mehrwert für die Schifffahrt auf der Ems, könnte der Bund den Neubau bezahlen. Doch das „wird sehr schwierig“, räumte Ferlemann ein.

Denn dieser Mehrwert müsste groß sein, damit sich das Projekt als wirtschaftlich darstellt: Ein Neubau würde nach neuen Berechnung nämlich 20 Millionen Euro „plus X“ mehr kosten als die reine Reparatur der Ende 2015 zerstörten Brücke. Möglicherweise aber noch weit mehr. Bislang waren die Planer von maximal 15 Millionen Euro ausgegangen.

Auch angesichts solcher Summen sind alternative Modelle geplatzt: Sowohl die benachbarten Niederlande als auch die Meyer Werft in Papenburg lehnten nach Angaben eines Sprechers des Landesverkehrsministeriums von Olaf Lies (SPD) einen eigenen Zuschuss für einen Neubau ab. Damit liegen neben der Zusage von 27Millionen Euro vom Bund für die Reparatur der alten Brücke lediglich 5 Millionen von Niedersachsen im Pott – viel zu wenig für einen Neubau für schätzungsweise 50 Millionen Euro.

Werft zahlt nicht

„Das Land hat es nicht zustande gebracht, die Finanzierung auf anderem Wege zusammenzubringen“, fasste Ferlemann zusammen. Die Niederlanden sind eigentlich an einer Ertüchtigung der Bahnstrecke von Groningen nach Bremen interessiert und wollen deshalb eine zweigleisige Brücke. Der Deutschen Bahn fehlt für einen solchen Ausbau aber die Nachfrage auf der schwach frequentierten Bahn. Die Meyer Werft hatte einen Neubau angeregt, da die bisherige Friesenbrücke für die Überführung Kreuzfahrtschiffen und die Lieferung von Bauteilen immer wieder gesperrt werden musste.

Damit läuft wohl alles derzeit auf eine Reparatur der durch einen Schiffsunfall zerstörten Ems-Brücke hinaus. Wie teuer die wird, ist allerdings auch noch unklar: So hat sich mittlerweile herausgestellt, dass der sogenannte „Pfeiler4“ wohl ebenfalls durch den Unfall in Mitleidenschaft gezogen wurde. Ob der Pfeiler ersetzt, repariert oder zusätzlich geschützt werden kann, ist noch offen. Auch hier stehen weitere Untersuchungen aus.


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