28.11.2016, 12:33 Uhr

Ministerium gegen Becherflut Kommt in Niedersachsen bald der Pfand-Kaffeebecher?

Pappbecher sind zu einem Umweltproblem geworden. Niedersachsens Umweltministerium möchte das ändern. Foto: dpaPappbecher sind zu einem Umweltproblem geworden. Niedersachsens Umweltministerium möchte das ändern. Foto: dpa 

Hannover. Kommt bald der Pfand-Kaffeebecher in Niedersachsen? Das Niedersächsische Umweltministerium prüft, inwieweit Mehrwegbecher und ein Mehrwegsystem die Becherflut begrenzen könnten.

Das teilte das Ministerium am Montag mit. Demnach arbeite es mit Nachdruck an einer Verringerung der Einwegbecher. Das Umweltministerium stehe bereits mit anderen beteiligten Institutionen, dem Handel und der Gastronomie in Kontakt, um unterschiedliche praxistaugliche und umweltgerechte Möglichkeiten zur Begrenzung der Becherflut auszuloten. Unter anderem gehe es dabei um die Einhaltung der Hygiene.

2,8 Milliarden Becher pro Jahr

Der Deutschen Umwelthilfe zufolge landen bundesweit jede Stunde 320.000 Einwegbecher im Müll – in der Summe mehr als 2,8 Milliarden pro Jahr. Das sorgt nicht nur für jede Menge Müll; die meisten Becher werden nicht aus recyceltem Papier hergestellt, zudem benötigt die Herstellung Rohöl, verbraucht Energie und Wasser.

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Noch unklar ist, welche Möglichkeit zur Eindämmung der Becherflut umgesetzt werden könnte. Das könnten dem Ministerium zufolge ein großflächiges Mehrwegsystem oder das simple Befüllen der Kundenbecher sein.

Einen Zeitplan zur Umsetzung eines möglichen Systems hat das Ministerium noch nicht, sagte Sprecher Rudi Zimmeck auf Nachfrage unserer Redaktion. „Aber wir hoffen, dazu bald etwas Konkreteres sagen zu können.“

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„Papplos“ in Osnabrück

In Osnabrück ist es bereits seit einiger Zeit möglich, sich den Kaffee bei einigen Anbietern im eigenen Becher ausschenken zu lassen. Der Unishop startete hierzu die Initiative „Papplos – Osnabrück geht Mehrweg“. Das Prinzip: Bei den Teilnehmern bekommen die Kunden einen Rabatt, wenn sie ihren eigenen Becher mitbringen. Inzwischen fasste „Papplos“ auch außerhalb Osnabrücks Fuß, da sich Hotfilter an der Initiative mit seinen Filialen beteiligt.

Hier gibt es eine Übersichtskarte zu den Teilnehmern in Osnabrück.

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Pfandsystem in Freiburg

Freiburg führte bereits ein Mehrwegsystem ein. In 16 Cafés und Bäckereien gibt es den Mehrwegbecher aus Plastik, der bis zu 400 Mal genutzt werden kann. Einen Euro Pfand zahlen die Kunden. Ähnliche Versuche gibt es in Tübingen, Berlin und Rosenheim. Auch Tchibo und McDonald’s schenken inzwischen Kaffee im mitgebrachten Becher aus.


Umweltauswirkungen

Einwegbecher bestehen überwiegend aus Papierfasern, für deren Herstellung in aller Regel Neumaterial eingesetzt wird. Es werden praktisch keine Recyclingpapierfasern genutzt, sodass für die Herstellung der Pappbecher neue Bäume gefällt werden müssen. Weil die Einwegbecher nicht nur aus Pappe, sondern anteilig auch aus Kunststoff bestehen, wird auch Rohöl zur Becherproduktion benötigt. Ein durchschnittlicher Einwegbecher besteht in der Regel zu fünf Prozent aus dem Kunststoff Polyethylen – dazu kommt noch der Plastikdeckel und gelegentlich Rührstäbchen, Papiermanschetten oder Tragehilfen aus Pappe.

Für Herstellung der Polyethylen-Beschichtungen der Becherinnenseiten und Polystyrol-Deckel werden jährlich ca. 22.000 Tonnen Rohöl verbraucht. Für die Herstellung der jährlich in Deutschland verbrauchten Coffee to go–Becher entstehen CO2-Emissionen von rund 83.000 Tonnen. Die Herstellung der Polystyrol-Deckel verursacht zusätzlich rund 28.000 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe

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