24.11.2016, 11:29 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Im Kampf gegen Geflügelpest Tierschützer kritisieren vorsorgliche Tötung von 92000 Tieren

Der Landkreis Cloppenburg hat um einen von Vogelgrippe betroffenen Puten-Maststall einen Sperrbezirk gezogen. Foto: dpaDer Landkreis Cloppenburg hat um einen von Vogelgrippe betroffenen Puten-Maststall einen Sperrbezirk gezogen. Foto: dpa

Osnabrück. 16.000 Puten sind nach dem Ausbruch eines hoch aggressiven Vogelgrippe-Erregers in einem Putenstall in Barßel getötet worden, weitere 92.000 Hühner aus Ställen in der Nachbarschaft sollen nun vorsorglich ebenfalls gekeult werden. Der Tierschutzbund kritisiert das.

Am Vortag hatte sich der Verdacht bestätigt, dass in der Puten-Mastanlage der für Menschen ungefährliche aber für Tiere tödliche H5N8-Erreger asusgebrochen war. Um die weitere Ausbreitung zu verhindern, war der Bestand an Puten-Hähnen getötet und „unschädlich beseitigt“ worden, wie der Landkreis erklärte. Am Donnerstag fiel dann die Entscheidung, dass auch 92.000 Tiere aus benachbarten Ställen getötet werden sollen. Dabei soll es sich überwiegend um Masthähnchen handeln, die nun der Vorsichtsmaßnahme zum Opfer fallen.

„Die vorbeugende Tötung nicht nachweislich infizierter Tiere ist aus Tierschutzsicht klar abzulehnen“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Bis sicher ist, ob eine Infektion tatsächlich erfolgte oder nicht, sollten zunächst nur Sicherheitsmaßnahmen angeordnet werden.“ Er verwies auf das Verbot für Tiertransporte, verschärfte Hygienemaßnahmen oder gegebenenfalls eine Impfung.

885.000 Tiere in Beobachtungszone

Als Reaktion auf den H5N8-Fund hat der Landkreis Cloppenburg in einem Umkreis von drei Kilometern einen Sperrbezirk um die betroffene Anlage errichtet. In diesem Gebiet leben demnach 270.000 Stück Geflügel. In einer zehn Kilometer umfassenden Beobachtungszone kommen weitere 885.000 Tiere in 134 Betrieben hinzu. In den Zonen werden Untersuchungen in den Ställen vorgenommen.

In beiden Gebieten gelten laut Landkreis besondere Auflagen für Tierhalter. Sie dürfen Vögel und Säugetiere nicht aus ihren Betrieben wegbringen oder neue Tiere hinzunehmen. Auch Fleisch von Geflügel und Federwild, Eier sowie tierische Nebenprodukte wie Mist und Gülle müssen im jeweiligen Unternehmen bleiben.

Bereits am Mittwoch hatte der Landkreis eine Verbringungsverordnung für das Gebiet der Gemeinde Barßel erlassen. Tiertransporte sind hier verboten. Des Weiteren galt im Cloppenburger Gebiet vorsorglich bereits seit Längerem eine Stallpflicht. Wie der Erreger in die geschlossene Putenanlage gelangen konnte, ist derzeit noch unklar.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sagte im Landtag, dass er weiterhin keine landesweite Stallpflicht anordnen wolle. „Das Friedrich-Loeffler-Institut hat sich gestern wieder öffentlich geäußert, dass vorher andere Maßnahmen wie Impfungen und so weiter zu diskutieren sind“, sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag im Landtag in Hannover. „Ich bin davon überzeugt, dass die Bekämpfung von Tierseuchen eine Sache von Fachleuten und Experten ist.“

Die Opposition kritisierte das Vorgehen des Ministeriums. „Sie weigern sich hier, die möglichen Sicherheitsmaßnahmen zu verbessern“, sagte der FDP-Abgeordnete Hermann Grupe. Weil die Landkreise selbst aber tätig werden können, gilt in weiten Landesteilen die Stallpflicht. 97 Prozent der Nutztiere bleiben im Stall.

Cloppenburg ist die Hochburg der deutschen Putenhaltung, insgesamt werden hier fast 10 Millionen Stück Geflügel gehalten. Im gesamten Gebiet Weser-Ems sind es gut 90 Millionen Tiere. Im Dezember 2014 war es zuletzt in dem Gebiet zu einem größeren Ausbruch der Vogelgrippe gekommen.

(Lesen Sie auch: Weitere Vogelgrippe-Fälle in Beständen kaum zu vermeiden)


2 Kommentare