09.11.2016, 15:13 Uhr

Kritik an Landesjubiläum Kann Niedersachsen alles – außer feiern?

Landesminister und andere Gäste während des Landesjubiläums im Schloss Herrenhausen. Foto: dpaLandesminister und andere Gäste während des Landesjubiläums im Schloss Herrenhausen. Foto: dpa

Hannover. Nach dem drögen Kolloquium zum 70. Landesgeburtstag gibt es heute in Oldenburg den nächsten Versuch, ein Jubiläum standesgemäß zu begehen. Kann Niedersachsen alles – außer feiern?

Die Feier zum 100-jährigen Bestehen des Alten Oldenburger Landtags am Donnerstag, 10. November, soll „vergnüglich“ werden, verspricht Landtagssprecher Kai Sommer. Die Klarstellung ist nötig. Denn seit dem 1. November weiß man, dass ein offizielles Jubiläum in Niedersachsen nicht zwingend Spaß bedeutet: Da beging das Land im Hannoverschen Schloss Herrenhausen den 70. Geburtstag des Landes mit einem staubtrockenen Zuwanderungskolloquium mit dem Charme eines Uni-Basisseminars für Statistik: Die ermatteten Gäste mussten zu abendlicher Stunde in Hörsaalatmosphäre nacheinander Niedersachsenreferate von aus Bremen, Leipzig und Berlin angereisten Professoren sowie Podiumsdiskussionen lauschen, bevor sie nach dreieinhalb Stunden mit der mysteriösen These, das Zuwandererland Niedersachsen sei „das neue Rom“ und heimischen Häppchen erlöst wurden.

„Schlechteste Party des Jahres“

Die Reaktionen waren verheerend: Das Niedersachsen-Politjournal „Rundblick“ nannte es die „schlechtesten Party des Jahres“ – und erntete keinen Widerspruch. „Selten ist ein runder Landesgeburtstag so karg, schmuck- und emotionslos begangen worden“, lästerte CDU-Fraktionschef Björn Thümler. Regierungssprecherin Anke Pörksen sprach von durchwachsenen Bewertungen innerhalb der Regierung und tröstete, dass die Veranstaltung den Steuerzahler dank der großzügigen Volkswagenstiftung wenig gekostet habe.

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) ergriff die Flucht nach vorne und versprach den Bürgern, dass Niedersachsen es 2021 zum 75. Geburtstag „richtig krachen lassen“ werde. Angeblich wird in der Staatskanzlei dabei sogar über Bier und Currywurst zur Feier nachgedacht. Dabei ist noch längst nicht ausgemacht, dass Weil bis dahin noch Ministerpräsident und damit Mitausrichter der Geburtstagssause ist.

„Neue Dimension der Bescheidenheit“

„Wir haben der Bescheidenheit eine neue Dimension verliehen“, bewertete Landtagspräsident Bernd Busemann bei einem Bundestreffen von Bundeslandgeschichtsforschern in Hannover die Nichtfeier. Immerhin hatten andere Bundesländer desselben Jahrgangs ihren Geburtstag üppiger und mit ihrer jeweiligen Bevölkerung begangen. Selbst in Oldenburg fährt das Land anders auf: Zum heutigen Festakt tagen Landeskabinett und Landtag in Oldenburg. Und das Programm im imposanten Ex-Landtag soll dank des Streichquartetts des Staatstheaters sogar regelrecht festlich werden. Und einige Grüne wollen in Suffragettenkleidung darauf verweisen, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau seit 1916 zwar näher gekommen, aber mitnichten erreicht ist.

Busemanns Bescheidenheits-Zitat muss man sich mit einem ironischen Unterton vorstellen. Und als Mahnung an sich selbst: Denn Busemann ist im kommenden Jahr für die nächsten offiziellen Landesfeiern zuständig: 2017 wird der niedersächsische Landtag 70 und kann voraussichtlich in seinen dann rundum sanierten Plenarsaal an der Leine zurückziehen. Das soll vergnüglich gefeiert werden.


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