19.10.2016, 05:00 Uhr

Polizisten niedergestochen IS-Sympathisantin Safia vor Gericht

Von Donnerstag an muss sich Safia S. vor dem Oberlandesgericht Celle verantworten. Foto: dpaVon Donnerstag an muss sich Safia S. vor dem Oberlandesgericht Celle verantworten. Foto: dpa

Hannover. Nach einer Messerattacke auf einen Polizisten in Hannover muss sich die jugendliche IS-Sympathisantin Safia S. von Donnerstag an vor dem Oberlandesgericht Celle verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft der inzwischen 16-jährigen Deutsch-Marokkanerin versuchten Mord sowie die Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor.

Die Tat soll eine Märtyreroperation für die Terrormiliz Islamischer Staat gewesen sein. Ermittler werten den Angriff als die erste Terrortat, die vom IS in Deutschland in Auftrag gegeben wurde. Der 34 Jahre alte Polizist erlitt bei dem Angriff Ende Februar eine lebensbedrohliche Stichwunde am Hals. Sein Kollege überwältigte Safia. Diese entschuldigte sich später in einem Brief bei dem Beamten und bat ihn um Vergebung.

Maximal drohen der Schülerin zehn Jahre Haft. Nach Angaben des Gerichtes ist es möglich, dass die Öffentlichkeit zum Schutz der Jugendlichen von dem Prozess ausgeschlossen wird. Die Hintergründe der Tat würden dann hinter verschlossener Tür erörtert.

Dass die plötzliche Gewalttat der Schülerin einen langen Vorlauf hatte, war schon Tage später deutlich. Auf Youtube ist Safia bereits 2008 mit dem Salafistenprediger Pierre Vogell beim Rezitieren des Korans zu sehen, als „Unsere kleine Schwester im Islam“ präsentierte der Extremist die damals Siebenjährige.

Vater: „Ich hätte ihr das nie zugetraut.“

Vollends auf den radikalen Weg geriet Safia spätestens am 22. Januar 2016, als sie einen Flug von Hannover nach Istanbul bestieg. Ihr Reiseziel: Der IS in Syrien, wohin kurz zuvor ihr älterer Bruder aufgebrochen war. Während der 18-Jährige in türkischer Haft landete, wurde Safia von ihrer Mutter aus Istanbul zurückgeholt, in Hannover erwartete sie die Polizei. Zwar kassierten die Fahnder Safias Handys ein, die auf Arabisch verfassten Anweisungen des IS zu der Messerattacke übersetzten sie aber erst Anfang März, als es schon zu spät war.

Der Vater beschrieb seine Tochter in einem Interview als „liebes Mädchen“ und als gute Schülerin. „Ich hätte ihr das nie zugetraut. Sie hat nie Gewalt gezeigt. Das muss irgendwo ein Aufruf aus dem Internet sein, da bin ich mir sicher. Sonst würde sie sowas nicht machen. Ich weiß nicht, was sie ihr versprochen haben.“ Die Mutter erzog ihre Kinder nach Darstellung des Vaters streng religiös, die Eltern trennten sich schon früh.

In Celle mitangeklagt ist der 20-jährige Deutsch-Syrer Mohamad Hasan K. , der von den Plänen des Mädchens gewusst haben soll. Gegen ihn ermittelt die Bundesanwaltschaft weiterhin, weil er mit den angeblichen Terrorplänen zu tun haben könnte, die zur Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover im November vergangenen Jahres führten.


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