12.06.2016, 08:53 Uhr

Osnabrück, Münster oder Bielefeld Ganz ehrlich: Welche Stadt ist die schönste im Nordwesten?

Was überzeugt am meisten? Der Osnabrücker Schlossgarten (von links), der Prinzipalmarkt in Münster oder die Bielefelder Altstadt? Fotos: Michael Gründel, dpa, Bielefeld Marketing GmbH/Montage: Matthias Michel.Was überzeugt am meisten? Der Osnabrücker Schlossgarten (von links), der Prinzipalmarkt in Münster oder die Bielefelder Altstadt? Fotos: Michael Gründel, dpa, Bielefeld Marketing GmbH/Montage: Matthias Michel. 

Osnabrück. Osnabrück, Münster oder Bielefeld: Welche Stadt ist die schönste im Nordwesten Deutschlands? Unsere drei Autoren haben da sehr unterschiedliche Meinungen.

Von Nico Buchholz, Bastian Klenke und Stefanie Witte

Dass der Nordwesten der Republik zu den schönsten Regionen Deutschlands gehört, darin sind sich viele Menschen von hier einig. Doch in welcher Stadt lebt es sich am besten - in Osnabrück, Münster oder Bielefeld? Da gehen die Meinungen weit auseinander. Auch die der drei Autoren, die für ihre Lieblingsstadt eine Lanze brechen.




Bastian Klenke schreibt über Osnabrück:

„Ich komm zum Glück aus Osnabrück“ - an Bedeutung gewann der Spruch für mich in den Jahren, in denen ich nicht in der Hasestadt gewohnt habe. Als Jugendlicher galt: Raus und was anderes sehen! 

Sprungbrett in die "weite Welt"!

Ich habe in schönen und in hässlichen Städten gewohnt: Bonn, Mannheim, Bremen, Basel. Aber am Ende hat es mich wieder in die Heimat gezogen. Denn Osnabrück hat Charme: Nicht zu groß, nicht zu klein, genau in der Mitte  zwischen Amsterdam und Berlin. Und die Stadt hat einen der wenigen Turmbahnhöfe der Republik - das beste Sprungbrett in die „weite Welt“.

Bastian Klenke Foto: Christian Lang 

Im Gegensatz zum Prinzipalmarkt in Münster besteht die Osnabrücker Altstadt nicht nur aus Fassade mit nichts dahinter. Von Bielefeld ganz zu schweigen: Während der Osnabrücker die Bausünde Iduna-Hochhaus milde belächelt, ist der Anblick für den zubetonierten Ostwestfalen reine Erholung. Wahrscheinlich fallen deshalb am Trampeltag die Westfalen-Horden in Osnabrück ein. Die Gründerväter der Republik haben das schon richtig gesehen: Hier ist es schön, das ist Niedersachsen - der Rest ist Westfalen. Da ziehen wir mal besser eine Grenze.

Durch Vergangenheit und Gegenwart

Osnabrück hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Die Arkaden an der Große Straße sind verschwunden und im Fledder gibt es kein Autokino mehr. Aber einiges ist geblieben: Der Weg vom Heger Tor durch die Altstadt ist ein Gang durch Vergangenheit und Gegenwart gleichermaßen.

Osnabrück ist ein wenig wie sein sportliches Aushängeschild, der VfL: ein ewiger Underdog, der seinen Platz im Konzert der Großen wohl nie dauerhaft finden wird. Dennoch: Zwischen Wiehengebirge und Teutoburger Wald liegt das Glück einzig und allein in Osnabrück! 



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Bei schönem Wetter lädt der Osnabrücker Schlossgarten zum
Picknick ein. Foto: Michael Gründel
 

Der Nachtflohmarkt gehört zu den Höhepunkten in der
Osnabrücker Innenstadt. Foto: David Ebener
 

Im Moskaubad finden die Osnabrücker bei heißem Wetter
Abkühlung. Foto: Michael Gründel
 

 
 

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Stefanie Witte schreibt über Münster: 

„Na, wo findest du es denn schöner? Osnabrück oder Münster?“ Seit meinem ersten Tag in der Hasestadt konfrontieren mich die Osnabrücker mit dieser Frage. Ein Vorwurf schwingt mit. Die Osnabrücker glauben, dass die Münsteraner auf sie herabsähen. Dabei vergleichen die Westfalen gar nicht. Für sie ist Osnabrück nur ein Name in den Staunachrichten – auf dem Weg zur Nordsee.

Fahrrad-Highway ohne Hindernisse

Münster dagegen, das ist die Promenade rund um die Stadt. Ein Fahrrad-Highway, auf dem ich in Höchstgeschwindigkeit zur Arbeit radeln kann. Fast ohne Hindernis. Den Fahrtwind auf den Wangen fliege ich gleichsam durch einen Korridor aus Laubbäumen.

Stefanie Witte. Foto: NOZ 
Vorbei am herrschaftlichen Schloss, an Cafés, in denen stundenlange Gespräche geführt werden, die wichtiger sind als jede Vorlesung. Und am Aasee, wo Holzkohlegeruch aus Einmal-Grills aufsteigt. Bis spät in den Abend glimmen hier und da kleine Feuerstellen rund um die riesigen Betonkugeln des Künstlers Claes Oldenburg. Manchmal überlagert Musik das Stimmengewirr.

Heimatlose treffen sich an den Holztischen

Und auch Münsters gute Stube, der Prinzipalmarkt, verwandelt sich bei Nacht. Tagsüber ist der von malerischen Giebelhäusern gerahmte Platz voll mit flanierenden Touristen und Senioren, Busse bahnen sich ihren Weg durch die Menschengruppen.

Nachts dagegen ist der große Platz fast leer. Da und dort schlendern Studenten, auf ihre Räder gestützt, an der Lambertikirche vorbei. Ganz oben im Turm soll immer noch eine Türmerin sitzen, die die Glocken läuten wird, wenn ein großes Feuer ausbricht. Am Fuße der Kirche leuchtet das Pflaster golden unter den Laternen. Die Clubgänger ziehen zum letzten Bier in die Atelierbar. An groben, bierüberschwemmten Holztischen treffen die Heimatlosen aufeinander. Der Gedanke an andere Städte liegt hier weit in der Ferne.



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Der Prinzipalmarkt im Herzen Münsters bietet Cafés, Geschäfte und eine sehenswerte Architektur. Foto: dpa 
Die Münsteraner können am Aasee die Natur genießen. Foto: dpa 
Auf dem Marktplatz vor dem Dom bekommt man frische Lebensmittel. Foto: Buchholz 
 
 

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Nico Buchholz schreibt über Bielefeld: 

Die schönste Stadt im Nordwesten? Ganz klar Bielefeld! Allein die Einwohnerzahlen sprechen Bände: Münster hat 302.000 Einwohner, Osnabrück nur läppische 157.000. Bielefeld lässt beide mit 334.000 Einwohner hinter sich. Und was sagt uns das? Genau, echtes Großstadtflair gibt es im Nordwesten nur in der Leineweberstadt.

Nico Buchholz Foto: Carola Alge 
Dieses Flair ist nicht auf bloße Statistik beschränkt, sondern lässt sich an jeder Ecke Bielefelds spüren - ganz egal, ob man den Ausblick von der Sparrenburg genießt oder durch die Altstadt mit ihren tollen Gebäuden schlendert. Und wer auf Studentenleben steht, wird im Westen der Stadt fündig. Auf dem Siegfriedplatz, dem Siggi, kann man an Sommertag mit Hunderten Menschen ein Bier unter freiem Himmel genießen. Das fühlt sich nicht mehr noch Innenstadt an, sondern wie ein Wochenende auf einem Festival.

Arminia lässt den VfL und die Preußen hinter sich

Und wem das noch nicht als Beleg reicht, der sollte sich den Sport ansehen. Arminia Bielefeld spielt 2. Bundesliga. Das Zentrum Ostwestfalens lässt auch fußballerisch Münster mit seinen Preußen und Osnabrück mit dem VfL weit hinter sich. 

Das alles zeigt: Der lahme Witz „Bielefeld gibt es doch gar nicht“ kann eigentlich nur einen Ursprung haben: Die Stadt ist einfach zu schön, um wahr zu sein!



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Volksfeste, wie hier das zum NRW-Tag, ziehen immer wieder viele Menschen in Bielefelds Innenstadt. Foto: Bielefeld Marketing GmbH 
Der Leinewebermarkt zählt zu den beliebtesten Veranstaltungen in der Leineweberstadt. Foto: Bielefeld Marketing GmbH 
Fußball in der 2. Bundesliga gibt es nur in Bielefeld bei der Arminia. Foto: dpa 
 
 

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