27.05.2016, 10:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Fünf Verdächtige festgenommen Mann aus Leer 40 Stunden in der Gewalt von Entführern


Leer. Im Zusammenhang mit der Entführung eines Geschäftsmannes aus dem Landkreis Leer am 19. April hat die Polizeiinspektion Leer/Emden inzwischen fünf Tatverdächtige im Ruhrgebiet festgenommen. Nach einem sechsten fahndet sie derzeit noch und bittet nun um Hinweise.

Die festgenommenen mutmaßlichen Täter sind zwischen 38 und 90 Jahren alt, teilte Katja Paulke, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Aurich bei der Pressekonferenz in Leer mit – vier Männer und eine Frau. Der Haftbefehl gegen eine 90 Jahre alte Frau ist wegen ihres Alters derzeit gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt, so Paulke weiter. Die 90-Jährige und ihr 66 Jahre alter Sohn sind im Ruhrgebiet festgesetzt worden, kurz nachdem die Polizei das Opfer und sein Auto auf einem Parkplatz an der Autobahn 31 in der Nähe des Emstunnels in der Nacht zum Samstag, 21. April, in Leer gefunden hatte. Das berichtete Polizeidirektor Johannes Lind. Bis dahin sei das 68 Jahre alte Opfer 40 Stunden in der Gewalt der Entführer gewesen und habe die Zeit „als Martyrium“ erlebt, so Lind, sei aber „weitestgehend unversehrt“ gewesen. Als Motiv der Entführung nannte Lind „Differenzen finanzieller Art zwischen zwei Geschäftspartnern“.

Weitere Festnahmen zehn Tage nach der Entführung

Nach weiteren Erkenntnissen der daraufhin eingerichteten Ermittlungsgruppe, bestehend aus 15 Beamten, ist am 29. April – zehn Tage nach der Entführung – ein 38-Jähriger aus Dortmund bei einem Schnellrestaurant in der Nähe der Stadt Münster festgenommen worden, erklärte Stephan Bohlken, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes. Zwei Wochen später sind zwei weitere 40 und 41 Jahre alten Männer im Bereich Dortmund bei Wohnungsdurchsuchungen, bei denen Beweismittel gefunden worden seien, verhaftet worden. Keiner der Verdächtigen komme demnach aus der Region des Landkreises Leer.

Nach Täter Nummer sechs wird gefahndet

Derzeit fahndet die Polizei nach einem sechsten Tatbeteiligten, der ebenfalls im Bereich Dortmund wohnhaft sein könnte, so Staatsanwalt Helge Ommen. Mit einem Phantombild suchen die Beamten nach einem circa 45 Jahre alten Mann, 1,80 Meter groß, normal bis kräftig gebaut, der auffällig gekleidet gewesen sei. Der Mann solle eine orangefarbene Hose und rosafarbene Schuhe getragen haben – „oder umgekehrt“, so Ommen. „Die Ermittlungen sind noch nicht am Ende und auch noch nicht kurz vor dem Abschluss“, sagte Paulke und bat um weitere Hinweise aus der Bevölkerung.

Ermittler bitten um Hinweise aus der Bevölkerung

Die Ermittler benötigen nach eigenen Angaben weitere Informationen über „verdächtige Beobachtungen“ im Zeitraum 15. bis 21. April, wie Ommen sagte, aus dem Bereich Hatzum in der Gemeinde Jemgum, wo der Entführte in einer Ferienwohnung festgehalten worden ist. Weitere Hinweise erhoffen sich die Behörden aus dem Bereich Detern, wo die mutmaßlichen Täter ihr Opfer „eventuell über mehrere Wochen ausgekundschaftet“ haben könnten, so Ommen. Besonderes Augenmerk liege dabei auf zwei Autos – einem silberfarbenen Skoda Oktavia Kombi neueren Baujahrs mit polnischem Kennzeichen und einem schwarzen Audi A 4, circa Baujahr 2006, mit Dortmunder Kennzeichen. Hinweise können der Polizei Leer unter der Telefonnummer 0491/97 690 124 „rund um die Uhr“ mitgeteilt werden.

Ablauf des Verbrechens wurde nicht mitgeteilt

Ob letztlich die von den Entführern geforderte Lösegeldsumme von einer Million Euro gezahlt worden ist, wollten die Ermittlungsbehörden am Freitag nicht bestätigen und auch nicht, dass eine mögliche Übergabe des Geldes zur Freilassung des Mannes aus Detern durch die Täter geführt habe. Auch wie das Verbrechen vonstattenging und weitere Details zum Hintergrund wollten Polizei und Staatsanwaltschaft „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nicht bekannt geben. Feststeht, dass gegen die bisherigen Verdächtigen wegen erpresserischen Menschenraubs ermittelt werde. Es handelt sich Paulke zufolge um ein schwerwiegendes Verbrechen, für das eine Mindeststrafe von fünf bis maximal 15 Jahren Haft vorgesehen ist.


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