05.05.2016, 19:25 Uhr

Eröffnung am 8. Mai Ausstellung in Oldenburg: Chagalls „Exodus“

Biblisch: 24 Lithografien aus Chagalls Exodus-Zyklus sind bis zum 19. Juni in Oldenburg zu sehen. Foto: Landesmuseum/VG Bild-Kunst, Bonn 2016.Biblisch: 24 Lithografien aus Chagalls Exodus-Zyklus sind bis zum 19. Juni in Oldenburg zu sehen. Foto: Landesmuseum/VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Der „Exodus“-Zyklus des gebürtigen russischen Künstlers thematisiert das Thema Flucht – und ist damit aktuell wie nie.

Oldenburg. Wie ist es möglich, nach Flucht und Vertreibung an einem anderen Ort heimisch zu werden, und was bedeutet Heimat überhaupt? Das sind Fragen, die der Zyklus „Exodus“ von Marc Chagall aufwirft. Er ist von diesem Sonntag, 8. Mai, bis zum 19. Juni im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg zu sehen. Die Sonderausstellung im Schloss ist in Kooperation mit der Evangelischen Akademie möglich geworden und wird anlässlich der gemeinsam initiierten Veranstaltungsreihe „Aufbruch und Ankunft. Auf dem Weg in eine neue Heimat“ gezeigt.

Olaf Grobleben, Beauftragter für Ethik und Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, hatte die Möglichkeit, die Originallithografien nach Oldenburg zu holen, die angesichts unserer heutigen Flüchtlingssituation hochaktuell sind. „Zufällig habe ich Christa Kraemer getroffen, die zu meiner Jugendzeit Kantorin in meiner Kirche in Geestland war. Sie ist im Besitz dieses Zyklus’ und war bereit, ihn dem Landesmuseum zur Verfügung zu stellen“, sagt Grobleben. „Der Zyklus zählt zu den eindringlichsten Bibelillustrationen des 20. Jahrhunderts“, klärt Rainer Stamm, Direktor des Landesmuseums, auf. „Hier mischen sich die jüdische Erzähltradition und der Stil der Moderne.“

In den 24 Farb-Lithografien schildert Marc Chagall (1887-1985) den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten, die Versklavung und Flucht, die Wüstenwanderung, den Tanz um das Goldene Kalb, den Bundesschluss am Sinai und die stetige Begleitung Gottes, wobei er sich in der Umsetzung des Themas eng an die Schilderungen im Buch „Exodus“ des Alten Testaments anlehnt.

Der gebürtige Russe Marc Chagall (1887-1985), der aus einer einfachen jüdischen Familie stammt, gilt als einer der bedeutendsten Maler und wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts. 1930 wird Chagall von dem Pariser Verleger Ambroise Vollard beauftragt, die Bibel zu illustrieren, und reist dafür nach Ägypten, Palästina und Syrien. 1941 flieht er vor den Nationalsozialisten in die USA, vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zieht er endgültig nach Südfrankreich. Mehr und mehr wendet Chagall sich monumentalen Aufgaben zu, entwirft Reliefs, Keramiken und Glasfenster, unter anderem für die Kathedrale von Metz und das Frauenmünster in Zürich sowie eine Mosaikwand für das israelische Parlamentsgebäude in Jerusalem.

Der Titel des 1966 in Paris entstandenen Zyklus‘ ist längst zu einem Schlüsselbegriff geworden für die Rettung versklavter und rechtloser Menschen aus Unrecht und Gewalt. So erinnert Olaf Grobleben an Martin Luther King, den Friedensnobelpreisträger von 1964, der Gewalt und Diskriminierung gegen Schwarze „als spätes Kapitel des Exodus“ bezeichnet habe. Motive wie Befreiung, Aufbruch und Ankommen, von Chagall in beeindruckenden Bildern umgesetzt, ermöglichen die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen wie Flucht, Migration und der Suche nach Heimat in einer globalisierten Welt.

Dazu kommen 22 grafische Blätter aus dem 19. und 20. Jahrhundert zu alttestamentlichen Themen, die aus der Grafischen Sammlung des Landesmuseums stammen. Darunter befinden sich Radierungen, Holzschnitte und Aquarelle von Künstlern wie Lovis Corinth, Ernst Wilhelm Nay, Heinrich Vogeler, Ludwig Fischbeck, Wilhelm Tegtmeier und James Ensor.

Ausstellungsbegleitend gibt es ein Veranstaltungsprogramm. Dabei wird die 87-jährige Sammlerin Kraemer am 12. Juni um 11 Uhr selbst im Landesmuseum anwesend sein, wenn es heißt: „Auf ein Wort“. Der Kunstvermittler Dirk Meyer wird sich in der öffentlichen Veranstaltung mit Christa Kraemer überden Zyklus und ihre Sammlerleidenschaft unterhalten.


0 Kommentare