10.02.2016, 17:05 Uhr

Klage über vermehrte Risse Rinderhalter wollen in Niedersachsen „wolfsfreie Zonen“


Hannover . Nutztierhalter in Niedersachsen sehen durch die Ausbreitung des Wolfes zunehmend ihre Existenz bedroht und fordern wirksame Gegenmaßnahmen

Neben Schafzüchter haben am am Mittwoch in einer Anhörung des Landtages auch Rinderhalter beklagt, dass vermehrt Tiere aus ihren Herden von Wölfen gerissen werden. Ein Verbandssprecher bezifferte den Verlust im letzten Jahr auf 25 Rinder und äußerte die Befürchtung, dass 2016 mit rund 50 Tötungen durch Wölfe gerechnet werden müsse.

Martin Holm, Vorsitzendes des Verbandes der Kuhhalter in Niedersachsen, sprach angesichts der raschen Ausbreitung der Wölfe von einer existenzbedrohenden Entwicklung für die Weidehaltung von Rindern. Um einen halbwegs sicheren Schutz vor Angriffen der Raubtiere zu gewährleisten, müssten die Weiden mit Zäunen ausgerüstet werden, die Kosten von 156 Millionen Euro verursachten. Das sei absolut untragbar.

Holm plädierte für „wolfsfreie Zonen“ in Niedersachsen. Bei einer ungebremsten Ausbreitung werde man ansonsten in Kauf nehmen müssen, dass keine Weidehaltung mehr für die rund 60 000 Milchkühe in diesem Bundesland möglich sei.

Wie der Vertreter der Rinderhalter stuften auch Schafzüchter die Situation als bedrohlich ein. Im letzten Jahr seien in Niedersachsen Schafe in dreistelliger Zahl gerissen worden; Schutz sei kaum zu gewährleisten und überaus teuer. Es müsse endlich wirksam eingegriffen werden.

Die Landesjägerschaft Niedersachsen, die grundsätzlich die Wiederansiedlung des Wolfes positiv begleitet, sprach sich in diesem Zusammenhang offen für die Entnahme von Problemtieren wie etwa der „Goldenstedter Wölfin“ aus. Nur so könne die Gefahr gemildert werden, dass durch derart scheulose und sogar sogar unmittelbar an Wohnbereichen aktiven Wölfe die Akzeptanz in der Bevölkerung völlig schwinde.

Nach Angaben der Jäger nimmt die Zahl der Wölfe derzeit um 30 Prozent pro Jahr zu. Derzeit lebten in Niedersachsen rund 80 Tiere. Bei weiter rasant fortschreitender Ausbreitung werde schon in einigen Jahren die Aufnahme in das Jagdrecht geboten sein.

CDU und FDP forderten die Landesregierung auf, die Sorgen der Nutztierhalter „endlich ernst zu nehmen“.

Unterdessen wurde auf Bundesebene ein Wolfs-Beratungszentrum gestartet. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) wertete die Wiederansiedlung des Wolfs als großen Erfolg für den Naturschutz, doch handeles es sich um eine Herausforderung, das Nebeneinander von Wolf und Mensch wieder zu regeln. Bundesweit gebe es derzeit31 Wolfsrudel, die meistenin Ostdeutschland und Niedersachsen.(mit epd).


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