05.02.2016, 05:13 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Hells Angels, Gremium MC & Co. Übersicht: Das sind die Rockerclubs in Niedersachsen

Mitglieder der United Tribuns Osnabrück und ihr weltweiter Sprecher Fritz L. (2.v.r., der vollständige Name ist unserer Redaktion bekannt). Foto: Gert WestdörpMitglieder der United Tribuns Osnabrück und ihr weltweiter Sprecher Fritz L. (2.v.r., der vollständige Name ist unserer Redaktion bekannt). Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Rund 820 Mitglieder, mehr als 70 Clubs: Die Rockerszene in Niedersachsen hat in den vergangenen Jahren stark an Zuwachs gewonnen. Eine Übersicht.

Gremium MC: Der Gremium MC ist der Club mit den meisten Chaptern in Niedersachsen. Elf sind es an der Zahl. Das sind im Einzelnen: GMC Osnabrück (gegründet Januar 2012), GMC Aurich (8/2015), GMC Diepholz (8/2015), GMC Cloppenburg (Sommer 2015), GMC „Black Port“ Wilhelmshaven (4/2006), GCM „North District“ Brake (9/2006), GMC Cuxhaven (8/2001), bis Juni 2015 GMC Stade (aufgelöst), GMC Jever (10/2010), GMC Oldenburg (10/2011) und GMC Nomads „North-West“ Schüttorf (4/2001). Der Gremium MC hat einige Unterstützergruppen, etwa der Bad Seven MC, die Explosion 7 Support Crew, die Black Hardness Crew, das Schwarze Rudel und die Section Seven. Etwa 180 Mitglieder soll der Club haben.

Hells Angels MC: Die mit am weitesten verbreitete Rockergruppe sind die Hells Angels. Sie haben neun Charter (Ortsgruppen) in Niedersachsen: Wolfsburg (1/2013), Charter „South Heath“ im Bereich Celle (1/2013), Charter „North Region“ im Bereich Walsrode (3/2013), „Jade Bay“ in Wilhelmshaven (12/2012), „West Side“ im Bereich Delmenhorst (1/2013), „North County im Bereich Stuhr/Bassum (7/2013), „West County“ in Nordhorn (8/2011), Oldenburg (10/2014) sowie der Charter „North Line“ im Bereich Oldenburg/Bremen (07/2013). Das Innenministerium verbot den im Oktober 2012 gegründeten Charter Göttingen mit seinen 14 Mitgliedern im Oktober 2014. Es war das erste Verbot eines Rockerclubs in Niedersachsen. Die Charter „Badland“ in Pattensen und „North Gate“ bei Hildesheim lösten sich im selben Monat auf.

Die Hells Angels haben einige Supporter (Unterstützer) wie die Red Devils und der Kartell MC. Allein ihnen werden landesweit 290 Personen zugerechnet. Mit den 150 Hells Angels kommen Mitglieder und Supporter auf etwa 440 Personen (Stand: Juni 2015).

In Hamburg sind die Angels übrigens bereits seit 1986 verboten, aber weiterhin als Charter „Habour City“ aktiv. In Bremen sind sie seit Juni 2013 verboten. Der Hannoveraner Chef Frank Hanebuth erlangte mit seiner Verhaftung auf Mallorca bundesweit Ruhm. Das Charter Hannover löste sich im Juli 2013 offiziell auf, kein andere Club soll der Landesregierung zufolge in dessen Fußstapfen getreten sein. Hanebuths Bordelle hätten eine „ihm nahestehende Person“ übernommen.

Bandidos MC: Die Bandidos haben drei Chapter im Land: in Aurich (6/2011), Osnabrück (10/2001) und Oldenburg (11/2007). In Osnabrück endete eine Rockerfehde 2004 bereits tödlich: Zwei Bandidos erschossen damals ein Mitglied der rivalisierenden Outlaws. Auch die letzte Instanz, der Bundesgerichtshof, urteilte auf Notwehr.

Auch die Bandidos haben Supporter. Dazu zählen Contras MC, Chicanos MC sowie X-Team. Die Bandidos haben etwa 50 Mitglieder und 40 Unterstützer.

Mongols MC: Die Mongols sollen der Landesregierung zufolge seit der Auflösung ihres Chapters in Stade Ende März 2015 nicht mehr in Niedersachsen vertreten sein. Der Chapter „Dark District“ in Celle habe sich im Juni 2014 aufgelöst, der Chapter „North Coast“ in Cuxhaven im Dezember 2014.

Outlaws MC: Die Outlaws sollen landesweit weiterhin mit nur einem Chapter in Moringen nahe Göttingen vertreten sein. Die Landesregierung hat keine Kenntnis von Unterstützergruppen. 20 Mitglieder soll der Club haben.

No Surrender MC: Diese Rocker sind drei Mal in Niedersachsen vertreten: Zwei davon sind in Ostfriesland im Bereich Emden/Leer/Wittmund. Ein weiterer Club befindet sich in Cloppenburg. Sie sollen keine Supporter haben und kaum mehr als zehn Mitglieder haben.

Satudarah MC: Im Februar vergangenen Jahres verbot der Bundesinnenminister den niederländischen Rockerclub in Deutschland. Daraufhin stürmte die Polizei 46 Vereinsheime und Wohnungen, um das Verbot durchzusetzen. Der Club soll insbesondere im Bereich Drogen- und Waffenschmuggel aktiv gewesen sein. Schwerpunkt hierzulande war Nordrhein-Westfalen. In Niedersachsen spielte der Club keine große Rolle, war aber mit dem im Oktober 2013 gegründeten Chapter „Northside“ in Cuxhaven vertreten. Die im Dezember 2013 gegründete Ortsgruppe „Westend“ im Bereich Leer/Emden löste sich schon im Januar 2014 wieder auf.

Rockerähnliche Gruppierungen

Darüber hinaus gebe es bundesweit und auch in Niedersachsen diverse rockerähnliche Gruppierungen. In Niedersachsen spielen aktuell die Brigade 81, die Street Crew, die Fight Crew, der Chicanos MC und der Contras MC eine Rolle als Unterstützer der Rockerclubs. Die Brigade 81 und die Fight Crew als Supporter der Hells Angels lösten sich aber auf.

United Tribuns: Die Polizei listet die United Tribuns als „rockerähnlich“. Rockerähnlich bedeutet: Sie verstehen sich als Bruderschaft, auch unabhängig von Motorrädern. Sie gibt es seit Herbst 2014 in Osnabrück, sind ansonsten eher im Süden der Republik aktiv. 2014 erregten die Tribuns mit einer Mahnwache für ein ins Koma geprügeltes Mitglied vor dem Marienhospital Aufsehen. Zwei Osnabrücker Mitglieder sind wegen schwerer räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung und erpresserischem Menschenraub angeklagt.

Osmanen Germania: Auch dieser türkischstämmige Club gilt als rockerähnlich, präsentiert sich aber als Boxclub. Sie wachsen insbesondere in Nordrhein-Westfalen rasant – dort gibt es acht der bundesweit 20 Chapter –, stehen dem LKA zufolge aber auch im Fokus der Polizeidirektion Osnabrück. Ermittlungsbehörden vermuten, die Osmanen wollen sich Marktanteile an den illegalen Geschäften der Hells Angels sichern.


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