31.01.2016, 12:37 Uhr

„Heckler und Koch“ liefert Polizei: Niedersachsen kauft neue Waffen für 7,5 Millionen Euro


Osnabrück. Die Polizei in Niedersachsen erhält neue Dienstpistolen. Das Land hat einen entsprechenden Vertrag mit dem Hersteller „Heckler & Koch“ über 7,5 Millionen Euro abgeschlossen. Die alten Handfeuerwaffen sollen nach und nach ausgemustert und dann verschrottet werden, wie das Innenministerium unserer Redaktion bestätigt.

Demnach befänden sich derzeit rund 22.000 Pistolen im Bestand der Polizei. Im vergangenen Jahrzehnt war das Modell P2000 angeschafft worden – ebenfalls aus dem Hause „Heckler & Koch“. Das Rüstungsunternehmen habe die Serienproduktion allerdings eingestellt, Nachbestellungen seien nur noch mit hohem Aufpreis erhältlich, heißt es aus Hannover.

Nur ein Angebot

Die Landesregierung schrieb die Ausstattung mit einer neuen Standardpistole europaweit aus. Wie der Bekanntmachung über die Vergabe des Auftrags zu entnehmen ist, ging lediglich eine Bewerbung ein – von „Heckler & Koch“. Laut Ministerium wird die Waffenschmiede jetzt das Modell SFP9 liefern, das bei Tests einen guten Eindruck hinterlassen habe.

„Es erfolgt ein Eins-zu-Eins-Austausch“, sagt eine Sprecherin. Zunächst würden die Studierenden an der Polizeiakademie die neuen Modelle erhalten. Alle übrigen Beamten bekämen dann eine neue Pistole, wenn ihre Handfeuerwaffe defekt sei oder die Verschleißgrenze erreicht habe, sprich: nach 10.000 Schuss oder 20 Jahren im Einsatz.

Schwarz-Gelb verkaufte Waffen noch

Die ausgemusterten Waffen werden laut Innenministerium verschrottet. Damit vollzieht Niedersachsen eine Kehrtwende. Bei der letzten Austauschaktion hatte die damalige schwarz-gelbe Landesregierung die Pistolen nach einer Ausschreibung noch verkauft. Käufer von 13.000 Polizeiwaffen war 2007 und 2008 Hersteller „Heckler & Koch“ , Rückkaufpreis: 2,8 Millionen Euro. Die Waffen wurden an eine Tochterfirma in die USA exportiert. Eine Anfrage unserer Redaktion beim Unternehmen zum weiteren Verbleib der Waffen blieb zunächst unbeantwortet. Weitere Exemplare gingen laut Ministerium für durchschnittlich 219 Euro an Polizisten oder Polizeien anderer Länder. (Weiterlesen: Waffenverkauf sorgt für Ärger in Niedersachsen)

Die neue rot-grüne Landesregierung fährt eine andere Linie: Ein Verkauf an andere Sicherheitsbehörden sei zwar wieder möglich. Nicht aber sollen die Pistolen an Externe veräußert, sondern dann eingeschmolzen werden, erklärte eine Ministeriumssprecherin. Ähnlich verfahren Bremen und Hamburg. Auch Brandenburg entsorgt die Pistolen. Das Bundesland schafft fast zeitgleich mit Niedersachsen neue Handfeuerwaffen an. Den Kaufpreis beziffert die „Märkische Allgemeine“ mit 4,8 Millionen Euro. Lieferant ist auch hier „Heckler & Koch“.

Mehrheitseigner der Waffenschmiede aus Oberndorf ist mit Andreas Heeschen übrigens ein Niedersachse. Heeschen stammt gebürtig aus Nordhorn. „Heckler & Koch“ geriet zuletzt vor allem wegen des vermeintlich fehlerhaften Bundeswehr Standardgewehrs G36 in die Schlagzeilen. Ab Sommer soll vor dem Landgericht Koblenz geklärt werden, ob die Waffe in Sachen Präzision tatsächlich mangelhaft ist. (Weiterlesen: Das heikle Investment des Andreas Heeschen aus Nordhorn)


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