01.11.2015, 14:51 Uhr zuletzt aktualisiert vor

„Normale Kondensstreifen“ Chemtrails: Landesregierung Niedersachsen glaubt nicht dran

Was kommt hinten raus? Kondensstreifen hinter einem Flugzeug lassen Raum für Spekulationen. Foto: dpa/NASAWas kommt hinten raus? Kondensstreifen hinter einem Flugzeug lassen Raum für Spekulationen. Foto: dpa/NASA

Osnabrück. Die niedersächsische Landesregierung sieht keine Hinweise auf die Existenz sogenannter Chemtrails. Das geht aus der Antwort des Umweltministeriums auf die Anfrage des CDU-Abgeordneten Martin Bäumer hervor. Verschwörungstheoretiker dürfte das enttäuschen. Bäumer kündigt an, nicht locker lassen zu wollen. Das wiederum kritisieren die Grünen.

Die Anhänger der Chemtrail-Theorie hatten gehofft, die Anfrage könnte ans Tageslicht bringen, was der Bevölkerung aus ihrer Sicht verheimlicht wird: dass massenhaft Chemikalien über unseren Köpfen verteilt werden.

Dafür sieht das Umweltministerium aber keine Hinweise. „Für das am Himmel zu beobachtende Phänomen von zunehmenden Kondensstreifen und deren außergewöhnlichen Formen ist der rasant zunehmende Flugverkehr verantwortlich“, heißt es in dem Antwortschreiben, das unserer Redaktion vorliegt. Es folgt eine ausführliche Erklärung, warum sich die Streifen am Himmel bilden und manchmal auch mehrere Tage stehen bleiben. (Weiterlesen: Abgeordneter will’s wissen: Gibt es „Chemtrails“?)

Fruchtbarkeit beeinflussen?

Chemtrail-Anhänger glauben, Kondensstreifen seien sichtbare Rückstände von Chemikalien, die per Flugzeug in die Umwelt eingebracht werden. Mal heißt es, um den Klimawandel zu bremsen – sogenanntes Geoengineering. Mal, um beispielsweise die Fruchtbarkeit der Menschen einzuschränken.

Nichts davon stimmt nach Ansicht der niedersächsischen Landesregierung. Sie teilt mit: „Was als Beweis systematischer Chemtrails propagiert wird, ist also nichts anderes als die Summe all jener […] ganz normalen Kondensstreifen.“

Landesregierung Teil der Verschwörung?

Ob Chemtrail-Gläubige sich damit zufriedengeben? Wohl kaum. Schon bei Bekanntwerden der Anfrage hatten einige gemutmaßt, die Landesregierung sei womöglich selbst Teil der Verschwörung und werde diese wohl kaum aufdecken. Was feststeht: Das Umweltministerium wird keine weiteren Untersuchungen veranlassen, um die Verbreitung gewisser Chemikalien in Luft und Boden zu erheben.

Bäumer: Anfrage wurde nicht ernst genommen

Landtagsabgeordneter Martin Bäumer ist nicht zufrieden mit der Antwort. Er habe den Eindruck, seine Anfrage sei nicht ernst genommen worden, sagte der CDU-Politiker unserer Redaktion. Die Landesregierung habe wohl kein Interesse an einer ernsthaften Aufklärung.

 Besonders unzufrieden ist er damit, dass das Ministerium sich allem Anschein nach nicht auf weitere Untersuchungen zur Konzentration gewisser Chemikalien in der Umwelt einlassen will. „Wer nicht sucht, der findet auch nichts“, so Bäumer. Er kündigte an, noch einmal bei der Landesregierung nachhaken zu wollen.

Grüne sprechen von „Spinnertheorie“

Das wiederum sorgt für Kritik bei den Grünen im Landtag, die von einer „Spinnertheorie“ spreche. Abgeordneter Volker Bajus teilte mit, es gebe wichtigere Probleme wie den Klimawandel oder Nitrate und Pestizide im Grundwasser. „Chemtrails gibt es nicht. Das ist ausgewiesener Unsinn.“ Entsprechende Messungen durchzuführen, wie Bäumer es fordert, seien Steuergeldverschwendung, so Bajus. „Politiker haben eine Verantwortung bei der öffentlichen Meinungsbildung. Dieser wird Herr Bäumer nicht gerecht, wenn er abstrusen Verschwörungstheoretikern das Wort redet“, findet der Landtagsabgeordnete.

Die Anfrage zum Nachlesen steht auf der Internetseite des Landtages als PDF-Dokument zum Download bereit (hier geht‘s lang). Sobald die Antwort veröffentlicht worden ist, ergänzen wir diese hier.


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