23.09.2015, 08:09 Uhr

Kein Alkohol im Zug Trinkverbote im Nordwesten zeigen Wirkung

Zahlreiche Städte und Verkehrsbetriebe haben Alkohol seit einigen Jahren strikt verboten. Die Maßnahme zeigt Wirkung. Foto: dpaZahlreiche Städte und Verkehrsbetriebe haben Alkohol seit einigen Jahren strikt verboten. Die Maßnahme zeigt Wirkung. Foto: dpa

Hannover. Kein Alkohol im Zug, keine ausgelassenen Partys in öffentlichen Parks: Zahlreiche Städte und Verkehrsbetriebe haben Alkohol seit einigen Jahren strikt verboten. Die Maßnahme zeigt Wirkung.

Bässe dröhnen, Flaschen klirren und Angetrunkene grölen. Die übrigen Fahrgäste im vollbesetzten Großraumwagen verdrehen genervt die Augen. Feuchtfröhliche Gelage verderben so manchem Zugreisenden die Laune. Und Spaziergängern, die im Park die Ruhe genießen wollen, geht es manchmal nicht nicht viel besser. Doch Kommunen und Bahngesellschaften zeigen den Promillefreunden zunehmend die Rote Karte. Sie verhängen Alkoholkonsumverbote - mit Erfolg. (Weiterlesen: Alkoholverbot am Osnabrücker Salzmarkt)

Einige Bahnunternehmen im Nordwesten haben Alkohol aus ihren Zügen verbannt. Vorreiter war 2009 die Metronom Eisenbahngesellschaft, 2011 zogen Erixx und die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (EVB) nach. Die Züge seien seit Einführung des Alkoholkonsumverbots deutlich sauberer und sicherer, insbesondere an den Wochenenden, heißt es bei Metronom. Bei Einzelreisenden sei das Verbot meist leicht durchsetzbar, sagt Erixx-Sprecher Harald Lukaschewsky. In der Regel reiche die freundliche Ansprache und das eigentlich fällige Bußgeld von 40 Euro müsse gar nicht verhängt werden. „Wir haben aber immer mal wieder Probleme mit Fußballfans, insbesondere wenn sie in Gruppen auftreten.“

Ganz promillefrei geht es noch nicht

Ganz promillefrei geht es in den Regionalbahnen aber noch nicht zu. „Bei uns darf man Alkohol trinken“, sagt Stephanie Nölke von der Nordwestbahn (NWB). „Wir machen regelmäßig Kundenzufriedenheitsbefragungen, die Fahrgäste fühlen sich objektiv sicher.“

Dennoch werde es ab Dezember 2016 eine Ausnahme geben. Dann übernimmt die NWB das Weser-Ems-Netz und führt auf der Strecke auf Wunsch der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) ein Alkoholkonsumverbot ein. „Die LNVG hat bei anderen Verkehrsunternehmen gute Erfahrungen damit gemacht, auch was Vandalismus angeht.“ Zudem steige bei den Fahrgästen das subjektive Sicherheitsgefühl. Die Deutsche Bahn plant laut Unternehmenssprecher Egbert Meyer-Lovis keine Verbote.

Ausufernde Trinkfreude macht auch einem der bedeutendsten Landschaftsgärten Deutschlands, dem Bremer Bürgerpark, zu schaffen. Zum 1. Oktober tritt dort ein Alkoholkonsumverbot in Kraft. Vor allem während der Kohlfahrtsaison häuften sich laut Parkdirektor Tim Großmann Beschwerden über stark alkoholisierte Gruppen, blockierte Wege, Scherben, Erbrochenes oder in die Tiergehege geworfene Feuerwerkskörper.

Auch die Kosten für die Müllentsorgung seien gestiegen. „Das Verbot dient dazu, die Auswüchse zu begrenzen“, sagt Großmann. „Der Bürgerpark ist ein Ort der ruhigen Erholung, Gegröle und Gesaufe steht dem entgegen.“ Durchgesetzt werden soll die Regelung vor allem durch die freundliche Ansprache von Alkoholsündern durch die parkeigenen Wächter.

2009 kein Alkohol mehr in Lüneburg

Im Lüneburger Kurpark darf bereits seit 2009 kein Alkohol mehr getrunken werden. „Die Einhaltung ist nicht dauerhaft zu überwachen, Ordnungskräfte kontrollieren nach Verfügbarkeit und gehen zusammen mit der Polizei Verfehlungen nach“, sagt Suzanne Moenck von der Stadt Lüneburg. An der Uferpromenade in Leer gilt das Trinkverbot seit 2011. „In den letzten Jahren hat sich die Situation entspannt“, sagt Grit Fokken von der Stadt Leer.

Seit Mitte 2015 ist im Osnabrücker Quartier Salzmarkt/Johannisstraße Alkohol verboten. „Seit Inkrafttreten der Verordnung und vor allem auch durch die verstärkten Kontrollen des Ordnungsaußendienstes hat sich die Situation am Salzmarkt deutlich entspannt“, sagt Stadtsprecher Sven Jürgensen. „Die Geschäftsleute und Anwohner äußern sich durchweg positiv zu der verbesserten Situation in diesem Bereich.“


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