23.06.2015, 13:41 Uhr zuletzt aktualisiert vor

LK Emsland und Osnabrück betroffen Studie: Niedersachsens Grundwasser mit Pestiziden belastet


Osnabrück. Das Grundwasser in weiten Teilen Niedersachsens ist mit Pflanzenschutzmitteln belastet – insbesondere in landwirtschaftlich geprägten Regionen. Das geht aus einer bislang unveröffentlichten Studie des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hervor.

Demnach wurden im Betrachtungszeitraum 2008 bis 2013 an 45 Prozent der 1180 Messstellen im Land Pestizidrückstände nachgewiesen. Die Nachweise beschränken sich auf 135 Messstellen (11 Prozent aller Stellen). An zehn dieser Messstellen wurden Grenzwerte mit 0,5 µg/l deutlich überschritten – darunter zwei Stellen im Emsland nahe Lünne und Sögel sowie eine im Landkreis Osnabrück bei Bramsche. Weitere 64 Messstellen im Land überschritten den Wirkstoffgrenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter (µg/l). Im Emsland wurden an insgesamt 15 Stellen Pestizide im Grundwasser nachgewiesen. Im Landkreis Osnabrück waren es sechs Punkte.

Verbindung zur Landwirtschaft

70 Prozent der Messstellen mit Nachweisen liegen in der Nähe von primär landwirtschaftlich genutzten Flächen, auf denen etwa Rüben, Mais und Raps angebaut werden. „Durch die Verteilung der untersuchten Messstellen im ländlichen Raum und durch den bedeutenden Einsatz von Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen in der konventionellen Landwirtschaft ist hier ein plausibler Zusammenhang zwischen Bewirtschaftung und Befundlage erkennbar“, heißt es in dem 76-seitigen Bericht.

„Im Grundwasser nichts zu suchen“

Zu den am meisten nachgewiesenen Wirkstoffen zählen Bentazon, Isoproturon und Mecoprop mit herbizider Wirkung sowie das Fungizid Metalaxyl. Diese sind zwar zugelassen. „Aber sie sind so gefährlich, dass sie im Grundwasser nichts zu suchen haben“, sagte Herma Heyken, Sprecherin des NLWKN, unserer Redaktion. Schließlich sei eine klare Trennung von Grund- und Trinkwasser nie garantierbar. Die bislang hohe Qualität des Trinkwassers, das aus geschützten Gewässern und Talsperren im Oberharz kommt, könne in Gefahr geraten, wenn es keinen Kurswechsel beim Einsatz von Pestiziden gibt.

Auch verbotene Mittelrückstände gefunden

Zudem wurden stellenweise geringe Spuren längst verbotener Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen. Nun müssten die Ursachen für die Befunde geklärt werden, um Gegenmaßnahmen einleiten zu können. „Entweder werden verbotene Mittel noch genutzt, oder es dauert viele Jahre, bis sie im Boden abgebaut sind“, erklärte Heyken die Nachweise.

Keine Gefahr für Verbraucher

Für Verbraucher bestehe dem NLWKN zufolge keine Gefahr. Die kommunalen Wasserversorger sorgten dafür, dass Grenzwerte von derartigen Wirkstoffen nicht überschritten würden. „Dennoch: Pflanzenschutzmittel gehören nicht ins Grundwasser – auch nicht in Spuren“, sagte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel am Dienstag und sprach von einem „akuten Handlungsbedarf“. Er setze sich für eine Einschränkung der Anwendung dieser Mittel ein. Ferner solle die Zulassungspraxis durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit überprüft werden.

„Wir haben dieses Problem auch – wie alle Wasserversorger“, sagte Marco Hörmeyer, Sprecher der Stadtwerke Osnabrück. Jedes Wasserwerk habe mit Pestizidrückständen zu kämpfen, insbesondere die in ländlichen Regionen mit intensiver Landwirtschaft. Im Osnabrücker Wasserwerk Düstrup installierten die Stadtwerke 2005 die seinerzeit bundesweit größte Membranfiltrationsanlage zur Wasseraufbereitung. „Grundsätzlich konnten wir feststellen, dass wir den befürchteten Nitratanstieg aufhalten konnten und geben in diesem Zuge sogar nitratarmes Wasser an einige Nachbarversorger ab“, sagte Hörmeyer. Aber auch in Osnabrück seien Pflanzenschutzmittelrückstände in geringen Mengen vorhanden. Diese lägen weit unterhalb der Grenzwerte der Trinkwasserverordnung und seien lediglich in Spuren nachweisbar, so der Stadtwerke-Sprecher.

Mittelabsatz stark gestiegen

Der Absatz von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland habe in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen, berichtet das NDR Politikmagazin „Panorama 3“ (Dienstag, 21.15 Uhr) unter Berufung auf Angaben des Bundesamtes. Demnach lag der Pestizidabsatz 1993 noch bei 28.930 Tonnen. 20 Jahre später wurden 43.765 Tonnen hierzulande verkauft. Das entspricht einem Zuwachs von 51 Prozent.

Bauern wollen sauberes Grundwasser

Wie der Landesbauernverband erklärte, sei auch den Landwirten an sauberem Grundwasser gelegen. Wenn Rückstände gefunden würden, die die Grenzwerte überschreiten, müssten Maßnahmen ergriffen werden. Denkbar sei ein Umstieg auf ein anderes Schutzmittel. Manche moderne Pestizide bauten sich zwar gut ab, bildeten dabei aber wasserlösliche Zwischenstoffe, die im Grundwasser nachgewiesen werden könnten. Der Bauernverband werden sich die NLWKN-Ergebnisse genau anschauen, um den Landwirten Empfehlungen geben zu können.

(Mit dpa)


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