05.03.2015, 18:48 Uhr

Tier trottet auf Straße Hier gibt‘s den Wolf in Herzlake im Video

Am Donnerstagnachmittag ist ein Wolf zwischen Grafeld und Herzlake mehrfach fotografiert und auch gefilmt worden. Screenshot: NOZAm Donnerstagnachmittag ist ein Wolf zwischen Grafeld und Herzlake mehrfach fotografiert und auch gefilmt worden. Screenshot: NOZ

Grafeld/Herzlake. Am Donnerstagnachmittag ist ein Wolf zwischen Grafeld und Herzlake mehrfach fotografiert und auch gefilmt worden.

Helen Ramler wird diesen Donnerstag so schnell nicht vergessen: Die Grafelderin war gegen 15.15 Uhr mit ihrem Auto auf dem Weg zum Einkaufen, als ihr auf der Grafelder Straße in Richtung Herzlake, also an der Grenze zwischen den Landkreisen Emsland und Osnabrück, ein Wolf entgegenkam. Sie konnte ihn mehrere Minuten lang beobachten – er trabte langsam an und lief ohne Scheu an ihrem Auto vorbei. Keine zwei Meter war das Tier von Helen Ramler entfernt.

Wolf gut genährt

Dass ihr Handy griffbereit in ihrem Seat Ibiza lag, war Glück, sagt sie. So konnte sie ein Video von dem Tier drehen, das sie als gut genährt und entspannt empfand. Nach ihrer außergewöhnlichen Begegnung fuhr die Grafelderin weiter und hielt drei entgegenkommende Autos an. „Ich habe die Fahrer darauf aufmerksam gemacht, dass sie den Wolf nicht überfahren sollen“, sagt sie. Tatsächlich trottete das Tier gut 500 Meter auf der Straße weiter und bog erst dann in einen Wald ab.

Helen Ramler informierte ihren Nachbarn, einen Polizisten, der seinerseits die Jägerschaft benachrichtigte.

Gut eine Stunde später wurde der Wolf dann noch einmal gesehen, inzwischen hatte sich die Nachricht wie ein Lauffeuer in Grafeld herumgesprochen. (Weiterlesen: Wölfe in der Region: Wie sollen sich Menschen verhalten)

Genau das behagt Bersenbrücks Kreisjägermeister Martin Meyer Lührmann gar nicht. Er würde sich wünschen, dass das Tier zur Ruhe kommen kann. Denn möglicherweise handelt es sich um jenen Jungwolf, der in den vergangenen Tagen in den Kreisen Oldenburg und Cloppenburg durch ungewöhnlich zutrauliches Verhalten auffiel.

Tier bisher nicht aggressiv

Das Landesumweltministerium in Hannover hatte verfügt, dass dieser im Nordwesten gesichtete verhaltensauffällige Wolf mit Gummigeschossen verscheucht oder mit einem Betäubungsgewehr gestoppt werden kann.

Aggressiv wurde das Tier bisher aber nicht, und so hat es auch Augenzeugin Helen Ramler nicht empfunden. „Ich hatte zwar weiche Knie, aber die Seitenscheibe hatte ich heruntergefahren. Ich hatte nie das Gefühl, er könnte mir etwas tun. Das Erlebnis sei unterm Strich sehr schön gewesen, sagt sie. Viele Freunde hätten ihr gratuliert.“

Britta Habbe, Wolfsberaterin der Landesjägerschaft Niedersachsen, hat sich das Video angesehen und ist sicher, dass es sich um einen Wolf handelt. Sie weist aber ebenfalls darauf hin, sich dem Tier nicht zu nähern: „Man sollte auf Abstand bleiben, um den Wolf nicht an Menschen zu gewöhnen.“

Den Menschen die Angst nehmen

Der Vorsitzende des Nabu-Regionalverbandes Emsland/Grafschaft Bentheim, Erhard Nerger, versucht derweil, die Angst vor Übergriffen des Wolfes auf Menschen zu nehmen. „Wölfe sind nicht gefährlicher als viele andere Wildtiere wie Füchse oder Wildschweine auch. Sie betrachten uns nicht als Beute.“ Vielmehr gehe das Tier Menschen aus dem Weg, solange es nicht provoziert werde, seine Scheu verliere oder krank sei, sagt Nerger. „Begegnet man einem Wolf, sollte man diesen seltenen Moment genießen.

Wolfsnachweise in Niedersachsen: Klicken Sie auf die Symbole für mehr Informationen (E = Einzelnachweis; P = Wolfspaar; R = Rudel).


Karte: Google/Sanders


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