24.02.2015, 07:24 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Land hinkt etwas hinterher Niedersachsens Arbeitnehmer verdienen im Schnitt 43000 Euro

Seit Januar 2015 gilt in Deutschland der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Doch was verdient der durchschnittliche Arbeitnehmer in Niedersachsen? Foto: dpaSeit Januar 2015 gilt in Deutschland der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Doch was verdient der durchschnittliche Arbeitnehmer in Niedersachsen? Foto: dpa

Hannover. Gut 1400 Euro brutto im Monat - das ist die gängige Einkommenshöhe mit dem neuen Mindestlohn, der gesetzlichen Verdienstuntergrenze. Doch wenn das wenig ist, was ist viel? Und was Durchschnitt? Und wo liegt dabei Niedersachsen? Fragen und Antworten.

Wie viel verdienen Arbeitnehmer in Niedersachsen?

Die jüngsten Zahlen vom Statistischen Landesamt gelten für das Jahr 2013 und nennen rund 43000 Euro Bruttoeinkommen pro Jahr für Vollzeitarbeitnehmer. Das sind 3585 Euro brutto pro Monat. Darin sind Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld oder Prämien enthalten, nicht aber weitere private Einnahmequellen wie aus Vermietungen oder Vermögen. Auch die Einkommen der Selbstständigen sind nicht berücksichtigt.

Wie schneiden die Niedersachsen im Bundesvergleich ab?

Etwas schlechter als der Schnitt. Das Statistische Bundesamt aus Wiesbaden nennt als jüngste Angaben für das Jahr 2013 rund 45500 Bruttojahresverdienst - also etwa 2500 Euro brutto mehr als der durchschnittliche Vollzeitarbeitnehmer zwischen Harz und Küste.

Hinkt Niedersachsen da schon länger hinterher?

Ja, das ist so. Im Jahr 2010 zum Beispiel lag der Bruttojahresverdienst aller Arbeitnehmer in Niedersachsen bei rund 40100 Euro, während es im bundesweiten Schnitt 42800 Euro waren. (Weiterlesen: Prognose: Mindestlohn nützt der Schattenwirtschaft)

Stehen die Niedersachsen also schlechter da als der Schnitt?

Jein. Entscheidend ist schließlich auch, was man für das Geld bekommt. Ein Beispiel: 2013 mussten Käufer für ein gebrauchtes frei stehendes Haus in Hannover laut Bausparkasse LBS im Schnitt 250000 Euro bezahlen. Damit lag die Landeshauptstadt auf dem Niveau Berlins, wo ein Einfamilienhaus aus dem Bestand im Schnitt 255000 Euro kostete. In Süd- und Westdeutschland sind die Preise weit höher, teils doppelt so hoch. Bei den Mieten schaute es spiegelbildlich aus.

Das Immobilienbeispiel zeigt: In Niedersachsen ist das Leben meist günstiger als etwa in Bayern. Und: In Niedersachsen besitzen laut LBS schon 57 Prozent der Bürger Wohneigentum (bundesweit: 52 Prozent).

Wie setzt sich Niedersachsens Durchschnittseinkommen zusammen?

Die 43000 Euro Jahresbrutto oder knapp 3600 Euro pro Monat sind nur der Mittelwert über alle Branchen hinweg. Am besten stehen Arbeitnehmer in der Energieversorgung da: 5789 Euro im Monat. Das Gastgewerbe ist das Schlusslicht am anderen Ende mit 1984 Euro. Die Statistik unterscheidet generell zwischen Sektoren der Industrie und Dienstleistungen, wobei die Industrie mit 3886 Euro im Monat auf rund 500 Euro mehr kommt als der Durchschnitt des Dienstleistungsbereichs.

Wer gehört in unserer Gesellschaft zu den Spitzenverdienern?

Dazu gab es bundesweit zuletzt im Jahr 2010 Zahlen. Demnach lagen damals die Geschäftsführer und Bereichsleiter mit 97684 Euro Jahresbrutto an der Spitze. An zweiter Stelle: Angestellte Ärzte mit 91299 Euro, gefolgt von den Luftverkehrsberufen wie etwa die Piloten oder Fluglotsen mit 86770 Euro. Dicht dahinter rangierten Ingenieure aus Bergbau, Hütten- und Gießereiwesen mit 84223 Euro. Ganz am Ende: Friseure (17000 Euro) und Fischverarbeiter (20074 Euro).

Welchen Unterschied gibt es zwischen den Geschlechtern?

Nach wie vor ist die Verdienstlücke groß: 2013 verharrte der Unterschied in Niedersachsen auf dem Vorjahresniveau von 20 Prozent Vorteil für die Männer. Während die weiblichen Beschäftigten in der Industrie und im Dienstleistungsbereich einen Stundenlohn von durchschnittlich 14,63 Euro erhielten, verdienten Männer 18,34 Euro. Immerhin: Seit 2010 ist die Lücke um zwei Prozentpunkte geschrumpft. (Weiterlesen: Wie hält es die Kultur mit dem Mindestlohn?)

Sind „frauentypische“ Berufe generell schlechter bezahlt?

Ja, das ist aber nur eine Erklärung für die Lücke. Denn die sogenannte Gender-Pay-Gap ist bei Vollzeitbeschäftigten ausgerechnet in Jobs mit hohem Frauenanteil besonders groß, etwa im Einzelhandel, in der Verwaltung oder in der Pflege. Und auffällig ist auch: Gerade bei den Akademikern und Führungskräften ist die Lücke groß. Bildung und Karriere sind also keine Garantie für Geschlechtergerechtigkeit.

Verdient jetzt eigentlich niemand mehr unter 8,50 Euro?

Nein, da gibt es noch Ausnahmen - und zwar nicht nur im Bereich der selbstständigen Arbeit. Etwa in der Landwirtschaft und im Gartenbau: Dort haben die Tarifparteien noch vor Einführung des gesetzlichen Mindestlohns eine eigene Untergrenze festgelegt. Sie regelt, dass Saisonarbeiter wie Spargelstecher oder Apfelpflücker von diesem Jahr an in Westdeutschland mindestens 7,40 Euro pro Stunde erhalten, im Osten 20 Cent weniger. Erst ab 2017 gibt es mit 8,60 Euro mehr als es heute der gesetzliche Mindestlohn für Branchen vorsieht, die nicht schon eine eigene, freiwillige Regelung haben.

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