11.08.2014, 17:09 Uhr

Verdreifachung geplant Niedersachsen will Windenergie stark ausbauen

Die rot-grüne Landesregierung beabsichtigt einen massiven Ausbau der Windenergie in Niedersachsen. Ein „Windenergieerlass“ umfasst verbindliche Flächenvorgaben. Foto: dpaDie rot-grüne Landesregierung beabsichtigt einen massiven Ausbau der Windenergie in Niedersachsen. Ein „Windenergieerlass“ umfasst verbindliche Flächenvorgaben. Foto: dpa

Osnabrück. Die rot-grüne Landesregierung beabsichtigt einen massiven Ausbau der Windenergie in Niedersachsen. Der in Planung befindliche „Windenergieerlass“, der unserer Zeitung vorliegt, umfasst etwa verbindliche Flächenvorgaben, die alle Landkreise und kreisfreien Städte für Windkraft zur Verfügung stellen müssen.

Ziel ist dem Entwurf zufolge ein Ausbau der Windkraftleistung auf 20 Gigawatt im Jahr 2050. Aktuell ist davon etwas mehr als ein Drittel, nämlich 7,6 Gigawatt, erreicht. Zum Vergleich: Das Atomkraftwerk Emsland leistet 1,4 Gigawatt.

Auf Widerstand in der Bevölkerung dürften dabei Regeln zum Mindestabstand zu Wohnhäusern stoßen. Laut Entwurf soll die kürzeste Entfernung in Niedersachsen das Zwei- bis Dreifache der Höhe des jeweiligen Windrads betragen. Im Emsland könnte so der Mindestabstand beim Bau eines 150 Meter hohen Windrads von meist 1000 auf rund 300 Meter schrumpfen. Länder wie Bayern setzen andere Maßstäbe an und wollen den Mindestabstand auf das Zehnfache der Windrad-Höhe festlegen. Unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern ermöglicht eine sogenannte Länderöffnungsklausel. Zudem sollen beim Abstand zu Straßen und Autobahnen die gesetzlichen Mindestabstände ausgeschöpft werden.

Nach den Plänen von Rot-Grün müssen die Kommunen künftig acht Prozent der Flächen, die für Windkraft infrage kommen, dafür reservieren. Der Landkreis Osnabrück hätte das Ziel von 1000 Hektar bereits übererfüllt, das Emsland müsste zusätzliche Flächen von 400 Hektar ausweisen, um die Vorgabe von 3600 Hektar zu erreichen. Die Stadt Osnabrück käme auf 2,9 Hektar – bislang stehen im Stadtgebiet sieben Windräder, nach weiteren Einzelstandorten wird gesucht.

Abstand nimmt die Landesregierung hingegen vom Windpark-Bau in Wäldern. Bis auf „vorbelastete Flächen“, wie Munitionsdepots oder Industriebrachen, komme der Wald laut dem Papier wegen seiner „klima-ökologischen Bedeutung“ grundsätzlich nicht infrage.

Um das Ausbauziel von 20 Gigawatt zu erreichen, geht Rot-Grün von einem Bedarf an 4000 Windrädern der 5-Megawatt-Klasse aus. Üblich sind solche Anlagen nicht – die Durchschnittsleistung liegt aktuell bei der Hälfte. Die größten Windräder im Landkreis Osnabrück stehen in Bad Essen – deren Gesamthöhe beträgt 207 Meter, die Leistung liegt bei drei Megawatt.

Bereits 2012 hatte die damalige schwarz-gelbe Landesregierung eine Höhenbegrenzung für Windräder ausdrücklich verworfen. Bestehende Anlagen sind im Schnitt 150 Meter hoch.

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Niedersachsen ist bei der Nutzung von Windkraft bundesweit Spitzenreiter. Mit fast 8000 Megawatt installierter Windenergie stellte die Fläche zwischen Harz und Küste 2013 fast ein Viertel (23 Prozent) der deutschlandweiten Leistung. Die rund 5500 dazugehörigen Windräder in Niedersachsen kamen ebenfalls auf ein knappes Viertel (23 Prozent) Anteil der bundesweiten Anlagenzahl.

Private Stromkunden unterstützen das Geschäftsmodell Windenergie, indem sie es über ihre Stromrechnung per EEG-Umlage subventionieren (EEG = Erneuerbare-Energien-Gesetz). Ein typischer Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden zahlt jüngsten Angaben zufolge etwa 218 Euro EEG-Umlage im Jahr netto - plus Mehrwertsteuer.

Vor der Küste Niedersachsens läuft außerdem der Windkraftausbau auf See - das sind die Offshore-Anlagen. Der Weg der Stromtrassen, die den Nordseewindstrom einmal gen Süden bringen sollen, steht noch nicht im Detail fest.

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