05.08.2014, 17:00 Uhr

Moslem im Schützenverein Schützenbund Osnabrück: Satzung für König öffnen


Osnabrück. Eine Posse zieht Kreise: Im westfälischen Werl ist der Muslim Mithat Gedik in seinem Schützenverein König geworden. Weil laut Satzung nur Christen im Verein zugelassen sind, haben die St. Georg-Schützenbrüder nun seit einigen Tagen Ärger mit ihrem Dachverband, den Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BDHS). Beim Schützenbund Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim ist der Vorstand allerdings der Auffassung, die Schützenvereine sollten sich öffnen.

„Man muss mit der Zeit gehen. Jeder Verein lebt von seinen Mitgliedern. Das ist nichts anderes als im Fußball“, sagt Andreas Grewe vom Vorstand des Schützenbundes. In ihrer Satzung sei unter §5 von jeher zu lesen: „Der Schützenbund ist politisch, weltanschaulich und konfessionell neutral.“ Heißt für Andreas Grewe: „Wenn jemand Muslim ist, ist er Muslim. Und wenn er dann den König schießt, ist das eben so.“ Er sei selbst auf vielen Schützenfesten in der Region unterwegs und habe noch nicht erlebt, dass ein König wegen seiner Konfession zurücktreten müsse. Ein Großteil der angeschlossenen Vereine habe die Neutralität ebenfalls in ihrer Satzung verankert.

Das sagt die Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Der Schützenbund Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim ist der übergeordnete Verband für 220 Vereine mit insgesamt 17500 Mitgliedern von Bersenbrück bis Aschendorf und Wittlage. Auf Bundesebene gehört die Vereinigung dem Deutschen Schützenbund an. Parallel existieren mehrere Bundesvereinigungen nebeneinander, alle mit unterschiedlicher Ausrichtung und Schwerpunkten. Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BDHS) beispielsweise schreibt auf seiner Internetseite, dass die Begriffe „Glaube, Sitte, Heimat“ seit frühester Zeit als Schlagwörter für die Bruderschaft gelten. In der Satzung heißt es, dass der BDHS eine Vereinigung von christlichen Menschen sei. Und eine solche kann wohl keinen König muslimischen Glaubens an ihrer Spitze haben.

So groß die Spannweite der Vereinssatzungen, so breit auch die Meinungsvielfalt: Mithat Gedik soll als Schützenkönig zurücktreten fordert ein Sprecher des BHDS verschiedenen Medienberichten zufolge. Andere fordern, den St. Georg-Verein aus Werl-Sönnern aus dem Dachverband zu werden. „Es wird Zeit, anders zu denken“, beschwichtigt hingegen Andreas Grewe. Und er empfiehlt dem BDHS eine Anpassung der Satzung. Zum Stichwort Neutralität führt Grewe auch an, dass viele Vereine in der Region Osnabrück und Emsland mittlerweile dazu übergegangen seien, Frauen beim Königsschießen zuzulassen. Früher war dieser Titel nur Männern vorbehalten. Aber: „Die Mitglieder laufen einem ja nicht zu.“

Unterdessen hat der Dachverband BDHS für Mittwoch eine Sondersitzung zur Beratung der Situation angekündigt.


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