21.04.2017, 13:26 Uhr

Hinnerk Schönemann über seine Rolle 20. Fall für Marie Brand und Jürgen Simmel im ZDF


Osnabrück. Zum zwanzigsten Mal ermitteln Marie Brand und Jürgen Simmel gemeinsam im ZDF. Die Filme mit dem ungleichen Duo – die eine agiert logisch, analytisch und rational, der andere handelt eher aus dem Bauch heraus – unterhalten vor allem durch das Zusammenspiel der Kommissare, weniger durch die zu lösenden Fälle. Dem Hauptdarsteller Hinnerk Schönemann, „Meister der zeitverzögerten Reaktion“, ist dies aber ziemlich egal.

Kriminalhauptkommissar Jürgen Simmel (Hinnerk Schönemann) spurtet mal wieder Verdächtigen nach. Dabei ist es egal, ob diese zu Fuß oder mobil flüchtig sind. Bevor Simmel startet, dreht er sich noch kurz zu Marie Brand (Mariele Millowitsch) um, die ihm gelassen das Jackett abnimmt. Dann sprintet er los. Es ist der Running Gag der „Marie Brand“-Krimireihe, die mit der neuen Folge auf stolze 20 Filme kommt.

Im Gespräch mit unserer Redaktion verrät Hauptdarsteller Hinnerk Schönemann, der in Mecklenburg auf eigenem Bauernhof wohnt, wie er sich fit hält, um die obligatorischen Verfolgungsjagden per pedes durchzuhalten: „Ja, es sieht immer nur so schnell aus“, erklärt der Schauspieler und  lacht. „Ich bin aber früher tatsächlich leistungsmäßig gelaufen. Sprint. Aber jetzt, mit 40 Jahren, fliegt einem doch schon ganz schön die Lunge, wenn man den halben Vormittag laufen soll. Ich versuche natürlich, ein bisschen Sport zu treiben und die Arbeit auf dem Hof hält auch fit. Insofern hoffe ich, die Verfolgungsjagden noch ein paar Jahre machen zu können, damit es wenigstens so aussieht, als ob es ganz schnell wäre. Nee – es ist natürlich wahnsinnig schnell, keine Frage…“.

Understatement

Schönemann spielt in der Reihe das Pendant zur kopfgesteuerten Kollegin: den ein wenig machohaften, dennoch charmanten und durchaus gewitzten, aber letztlich etwas schlichten Typen mit viel Herz und Bauchgefühl. Figuren dieses Kalibers verkörperte er auch in der vierteiligen Finn Zehender-Reihe, in „Nord by Nordwest“ oder erst kürzlich im Lars Becker-Film „Der mit dem Schlag“. Die Ähnlichkeit der Rollen könnte bei manchen Zuschauer für Verwirrung sorgen, für den gebürtigen Berliner ist es kein Problem. „Da komme ich überhaupt nicht durcheinander. Das ist wie „Klick – an. Klick – aus“. Ich versuche nur, jeder Rolle eine neue Farbe zu geben. Aber ich spiele diese Typen sehr gerne. Vielleicht spiele ich gerne Understatement, weil ich so die Rolle näher an mich ran holen kann.“

Die Jubiläumsfolge taucht in die Welt der Online-Partnervermittlungen ein. Bei „Amore Grande“ wird Teilhaberin Jennifer Winkler tot aufgefunden. Eine Ausgangssituation, die es Drehbuchautor Timo Berndt erlaubt, seinen Akteuren genügend Futter für amüsante Dialoge in den Mund zu schreiben. Marie Brandt, gerade von ihrem Freund („notgeiler Primat“) betrogen und deshalb wieder solo, legt sich während der Ermittlungen mit Simmels Hilfe selbst ein „Flirt-Profil“ zu – natürlich nur, um den Täter zu fassen. Gelegenheit, das Verhältnis der sich immer noch siezenden Kollegen auszuloten.

„Die Fälle sind mir egal“

Das Thema „Online-Dating“ und Beziehung wird auf allen Ebenen abgearbeitet. Hatte Hinnerk Schönemann, der als Simmel immer auf der Suche nach einer Partnerin ist und selbstverständlich auch ein Online-Profil pflegt, selbst schon mal Erfahrungen mit derartigen Portalen? „Nee, noch nie. Ich weiß, dass man sich alle 11 Minuten da reinverlieben muss. Aber es ist natürlich eine Alternative. Wenn die Leute nicht mehr wissen, wie sie sich kennen lernen sollen, ist es so unter Umständen einfacher.“

Auch der neue Film des ungleichen Duos, der wieder zwischen Krimi und Komödie changiert, überzeugt mit seinem Witz, eher weniger mit dem Aufbau einer spannenden Handlung. Für Hinnerk Schönemann kein Problem. „Ich finde die Fälle weniger wichtig, sondern das Verhältnis Marie und Simmel. Da müssen wir Zunder geben können“, bekennt Schönemann und ergänzt: „Die Fälle sind mir egal, denn seien wir ehrlich: den Mörder kriegen wir doch.“

Folge 21 abgedreht

Dennoch wünscht man sich zuweilen Geschichten, die einen mehr packen. So ist es in erster Linie das Zusammenspiel von Mariele Millowitsch und Hinnerk Schönemann, das die Krimikomödien sehenswert machen. Die Schauspieler harmonieren gerade in ihrer Gegensätzlichkeit trefflich,  „da wir so verschieden sind. Privat wie im Spielerischen“, erläutert Schönemann. „Wir ergänzen uns sehr, da wir uns nicht als Konkurrenten im Weg stehen.“

Die Figur des Jürgen Simmel kommt Hinnerk Schönemann im Übrigen sehr entgegen. Auch weil Simmel ein kleiner Autofetischist ist – so wie Schönemann. „Ja, absolut. Ich glaube auch, deswegen habe ich die Rolle genommen. Da mir Autofahren selber gefällt, bastele ich die Rollen so, dass es ihnen auch gefällt.“ Nr. 21 der „Marie-Brand“-Reihe ist schon abgedreht und wird vom ZDF noch dieses Jahr ausgestrahlt. Da darf Schönemann als Simmel bestimmt wieder Gas geben. Das macht dem Schauspieler sichtlich Spaß, denn „ich wüsste nicht, mit wem ich tauschen möchte. Ich freue mich wirklich über meine Arbeitsweise.“


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