18.04.2017, 13:10 Uhr

Kammerspielartiger Film „Zwei“: Beziehungsdrama mit Hans Löw und Katharina Marie Schubert

Frisch verliebt: Martin (Hans Löw) und Fiona (Katharina Marie Schubert) im Sommerhaus an der Ostsee. Foto: WDR/Marion von der MehdenFrisch verliebt: Martin (Hans Löw) und Fiona (Katharina Marie Schubert) im Sommerhaus an der Ostsee. Foto: WDR/Marion von der Mehden

Osnabrück. Der Titel des Film ist passend gewählt: „Zwei“, denn es sind genau zwei Schauspieler, die die gesamten 90 Minuten tragen müssen. „Ein Experiment“, sagt Hans Löw, einer der beiden Hauptdarsteller.

Martin ( Hans Löw) ist um die 40 und ein typischer Geschäftsmann. In Anzug und Krawatte sitzt er spätabends in einer Hotelbar und erholt sich von den Besprechungen, die er für die Firma seines Vaters bestreiten musste. Fiona ( Katharina Marie Schubert) sitzt am anderen Ende der Theke, trägt löcherige Jeans und Bomberjacke und erholt sich von dem abendlichen Gig der Rockband, die sie seit Jahren managt. Ein Blick hinüber und die beiden erkennen sich wieder. Sie haben eine gemeinsame Geschichte, eine kurze Liebesgeschichte aus der Zeit vor zwanzig Jahren, als Fiona einen Sommer lang als Au-Pair bei Martins Eltern gearbeitet hat. Bis sie von einem Tag auf den anderen ohne Abschied verschwand.

 

Die beiden haben sich völlig anders entwickelt: Fiona blieb das „flippige Vögelchen“, wie Martin es nennt; er selbst hat sich von Teenagerträumen verabschiedet und arbeitet brav in der Firma seines übermächtigen Vaters. Verheiratet, zwei Kinder, bürgerliche Existenz. „Du wolltest doch Musik studieren, in Los Angeles. Und ich wollte mit. Das war der Plan“, erinnert sich Fiona. „Ach, das war doch Quatsch mit der Musik“, wiegelt Martin ab. „Das Spannende ist“, sagt Hauptdarsteller Hans Löw im Gespräch mit unserer Redaktion, „dass die beiden – ausgelöst durch ihr Wiedersehen – ihre ganze Existenz in Frage stellen.“ Zunächst Martin, der Sohn, der immer unter dem Pantoffel des Vaters stand, sich nie von ihm emanzipiert hat. „So gesehen ist er Film auch eine Befreiungsgeschichte“, sagt Löw. „Martin verabschiedet sich von der Fremdbestimmung, erlangt Selbstbewusstsein, das ist ein großer Schritt.“

 

Aber auch Fionas Leben ist nicht perfekt. Als „Kindermädchen“ für ihre Rockband muss sie alles organisieren und die Spur der Verwüstung bereinigen, die die Jungs in Hotelzimmern hinterlassen. Familie, Kinder, Liebe – Fehlanzeige in ihrem Leben. Vordergründig führt sie ein cooles Leben, aber eigentlich ist sie einsam und ziemlich ausgenutzt. Da ist es kein Wunder, dass die beiden wieder zusammenfinden. Ausgerechnet in dem Haus an der Ostsee, in dem vor zwanzig Jahren alles begann.

 

Doch wo andere Filme enden, fängt dieser erst an, das ist seine Stärke. Denn nun kommt ein filmischer Schnitt – und Episode zwei: Monate später, als Martin und Fiona in der Ostseevilla zusammenleben. „Sie müssen feststellen, dass alles nicht so einfach ist, dass sie eigentlich nur vom Regen in die Traufe kommen“, erzählt Hans Löw. Fiona kocht aus Langeweile gläserweise Marmelade; Martin fühlt sich vernachlässigt, wenn Fiona zu ihrer Band nach London pendelt. Die Stimmung wird eine andere. Statt Szenen ausgelassener Freude steht nun Streit und Rückzug ins Haus. „Wir hatten einen sehr engen Drehplan, da mussten wir uns schnell auf neue Stimmungen einstellen“, sagt Hans Löw. „Zum Glück kannte ich Katharina Schubert schon vorher und hatte großes Vertrauen und große Lust, das mit ihr zu spielen.“ Als gelernter Theaterschauspieler ist ihm das Tempo, in dem Filme gedreht werden, manchmal zu hoch. „Beim Filmen gibt es Momente, da geht man einfach zu schnell über etwas hinweg; umgekehrt arbeitet man am Theater manchmal lange an Szenen und kommt doch nicht wirklich weiter.“

 

Die zweite Episode, die nur von zwei Tagen erzählt, endet mit einem Eklat. Und an dem ist der Schuld, der als unsichtbarer Dritter ständig um die „Zwei“ herum ist: Martins Über-Vater, witzigerweise gespielt von Hans Löws eigenem Vater, dem Schweizer Schauspieler Jürg Löw. „Eigentlich sollte jemand anderes den Vater spielen, der aber kurzfristig ausfiel“, sagt Hans Löw. „Da wurde ich gefragt, ob man sich den Gag erlauben könne, meinen Vater zu fragen.“ Hans Löw fragte und Jürg Löw sagte den Kurzauftritt zu. „Wir haben in dem Film ‚ Toni Erdmann ‚ schon mal kurz zusammen vor der Kamera gestanden, wir fanden das lustig.“ Sich wie Martin an seinem Vater abarbeiten musste Hans Löw nie. „Aber abgrenzen muss man sich natürlich schon, zumal, wenn man in demselben Beruf arbeitet.“

 

Ein Jahr überspringt der Film, bevor die dritte Episode beginnt, wieder in dem Haus an der Ostsee. Und wieder tragen nur Hans Löw und Katharina Schubert die gesamte Zeit. Kammerspielartig und eine große Herausforderung für beide. Ob es gelingt, zu zweit 90 Minuten lang die Spannung zu halten, obwohl im Prinzip nicht viel „passiert“ – außer auf der Beziehungsebene? Das kommt darauf an, ob man sich als Zuschauer von dieser Beziehung einfangen lassen möchte. Die Schauspieler tun alles dafür.


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