16.04.2017, 12:54 Uhr

TV-Kritik zum ARD-Programm Tatort am Ostersonntag: Bärenstarke Wiederholung aus Stuttgart


Der Tatort heute Abend ist eine Wiederholung, aber eine, die es in sich hat: „Der Preis des Lebens“ aus Stuttgart ist fesselnd von Anfang bis Ende.

Das gibt es auch nicht so häufig: Es vergehen geschlagene acht Minuten, bis im 17. Stuttgarter Tatort zum ersten Mal einer der beiden Kommissare Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) zu sehen ist. Acht Minuten, die es in sich haben.

Vergewaltigt und ermordet

Drei Tage lang wurde die 16-jährige Mareike bestialisch vergewaltigt, missbraucht, gequält und am Ende ermordet. Nicht nur wer Kinder hat, wird nachvollziehen können, dass solch ein Grauen nicht nur das Leben des Opfers zerstört, sondern auch das seiner Eltern. Als Jörg Albrecht nach 15 Jahren aus der Haft entlassen wird, entführen Simone und Frank Wendt (stark: Michaela Caspar und Robert Hunger-Bühler) den Mann, der ihnen ihre einzige Tochter nahm, und bringen ihn um – nicht ohne zuvor aus ihm den Namen des Mittäters herausgepresst zu haben, der niemals zur Rechenschaft gezogen wurde.

Frühe Gewissheit

Für den Zuschauer ist das eine frühe Gewissheit, für die Kommissare Lannert und Bootz zunächst nur ein Verdacht. Doch schon bald kommt für einen der beiden eine verheerende private Dimension hinzu. Dieser Krimi fesselt von der ersten bis zur letzten Minute. Bei der Erstausstrahlung am 25. Oktober 2015 erhielt er in unserer Kritik die Höchstwertung von sechs Sternen.

Damals hieß es in der TV-Kritik: „Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt, der den Stuttgarter Tatort wohl besser kennt als jeder andere, und Star-Regisseur Roland Suso Richter ist ein ebenso schonungsloser wie aufwühlender Thriller um Leid, Schmerz und Rache gelungen, an dessen Ende die Kommissare auch in ihrem Verhältnis zueinander nicht mehr so sein werden wie zuvor. Da dürfen ein paar Abstriche in puncto Realitätsnähe erlaubt sein.“

Starke Darsteller

Doch nicht nur der Krimi als Ganzes wird den Zuschauern in Erinnerung bleiben, sondern auch zwei Schauspieler, die man sonst nicht so häufig im deutschen Fernsehen erblickt: Michaela Caspar und vor allem Robert Hunger-Bühler geben als vom Mord an der Tochter dauerhaft traumatisiertes und zu finsterster Rache entschlossenes Ehepaar eine großartige Vorstellung.

Tatort-Debüt 1979

Dass man Hunger-Bühler hierzulande so selten im TV sieht, liegt wohl weniger daran, dass er Schweizer ist als an der Tatsache, dass sich der Schauspieler vor allem der Bühne verschrieben hat. Ein Tatort-Neuling ist er allerdings nicht – ganz im Gegenteil: Schon vor 36 Jahren (1979!) gab der heute 62-Jährige in der Folge „Mord im Grandhotel“ sein Debüt in der damals noch recht jungen Krimireihe. Seinerzeit ermittelte der von Fritz Eckhardt dargestellte Oberinspektor Marek in Wien, Bühler kam nur eine Nebenrolle zu.

„Virtuose der Halbentschlossenheit“

13 Jahre später (1992) war er dann in „Marion“ zu sehen, einem längst vergessenen Schweizer „Tatort“ mit Andreas Zogg als Ermittler Reto Carlucci. Anschließend gingen sogar 21 Jahre ins Land, bis man Bühler 2013 in der Folge „Latzte Tage“ sah, der vielleicht schwächsten Folge des mittlerweile eingestellten Bodensee-Tatorts überhaupt. Der Stuttgarter Fall „Der Preis des Lebens“ ist also nicht nur der bislang nördlichste Tatort, sondern auch der mit Abstand stärkste Auftritt des Mannes, den die FAZ einmal als „Virtuosen der Halbentschlossenheit“ beschrieb. Ein Eindruck, der sich diesmal überhaupt nicht verfestigt.

Im Lindholm-Tatort

Auch seine Kollegin Michaela Caspar, im Krimi die verbitterte Mutter des ermordeten Mädchens, ist alles als eine Dauerbesetzung im Tatort. Zuletzt sah man sie vor vier Jahren in der Krimireihe, als sie in der Lindholm-Folge „Schwarze Tiger, weiße Löwen“ eine durchaus tragende Rolle spielte.

Morgen Abend gibt es dann wieder eine Tatort-Erstausstrahlung: Die Folge „Sturm“ aus Dortmund ist hervorragend, wirft aber einige Fragen auf. Die Kritik dazu gibt es morgen auf www.noz.de/tatort.

Tatort: Der Preis des Lebens - ARD, Ostersonntag, 16. April, 20.15 Uhr

Wertung: 6 von 6 Sternen

Tatort und Polizeiruf 110 – Sendetermine der nächsten Erstausstrahlungen:

  • Sonntag, 23.4.: Tatort: Wehrlos (Wien)
  • Sonntag, 30.4.: Tatort: Der Tod ist unser ganzes Leben (München)
  • Sonntag, 7.5.: Polizeiruf 110: Nachtdienst (München)
  • Sonntag, 14.5.: Polizeiruf 110: Muttertag (Brandenburg/Polen)
  • Sonntag, 21.5.: Tatort: Die Liebe, ein seltsames Spiel (München)

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