15.12.2016, 06:30 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Midseasonfinale schneidet schlecht ab The Walking Dead: Staffel 7 mit schlechtesten Quoten seit Jahren


Osnabrück. Die erste Episode der siebten Staffel von „The Walking Dead“ war erfolgreich, danach sanken die Einschaltquoten im US-Fernsehen auf die schlechtesten Werte seit Jahren. Hat die Zombie-Serie ihren Zenit überschritten?

Die Auflösung des Cliffhangers aus Staffel 6 ließ die Einschaltquoten der Serie „The Walking Dead“ in der ersten Folge von Staffel 7 in die Höhe schießen: Über 17 Millionen Menschen sahen in den USA, wen Bösewicht Negan (Jeffrey Dean Morgan) aus der Gruppe von Rick Grimes (Andrew Lincoln) tötet. Danach ging es aber so steil bergab wie lange nicht: Nur noch elf Millionen Zuschauer wollten die fünfte Episode auf dem US-Sender AMC sehen, berichtet das US-Magazin Entertainment Weekly. Auch Folge 6 stellte einen neuen Negativ-Rekord auf: Die Einschaltquoten für AMC lagen nur noch bei 10,4 Millionen Zuschauern. (Rückblick: Warum Folge 6 überflüssig und langatmig ist)

Folge 7 konnte nur wenig mehr Zuschauer am Sonntagabend in den USA begeistern: 10,48 Millionen Fans wollten „The Walking Dead“ auf AMC sehen. Auch das Midseasonfinale enttäuschte bei den Quoten: Nicht einmal 11 Millionen Zuschauer wollten Folge 8 in den USA am Sonntagabend sehen, 10,58 Millionen schalteten ein. Damit ist „Unsere Herzen schlagen noch“ das Midseasonfinale, das seit Staffel 3 die schwächsten Quoten eingefahren hat. (Lesen Sie dazu auch unsere Kritik von Folge 8.)

Diesen Wert erzielten zuletzt mehrere Folgen aus Staffel 3, wie eine Statistik auf Wikipedia zeigt. Zwar gab es in den Staffeln 4, 5 und 6 ebenfalls für einzelne Episoden solche Werte, doch für Staffel 7 geht es bislang kontinuierlich den Quotenberg hinab: Folge 2 sahen sich noch 12,5 Millionen Zuschauer an, Folge drei fiel bereits auf 11,7 Millionen, Folge 4 dann auf 11,4 Millionen Zuschauer. Das Interesse ist seit Episode 1 kontinuierlich gesunken, woran liegt das? (Lesen Sie dazu auch unsere Kritik von Folge 1 „Der Tag wird kommen“.)

Trotz Quotenverlusten weiter erfolgreich

Zum einen muss erwähnt werden, dass „The Walking Dead“ trotz Quoteneinbruchs immer noch extrem erfolgreich im amerikanischen Fernsehen ist. Von elf Millionen Zuschauern träumen die meisten Serienproduzenten. Und: Viele Fans schauen die Episoden nicht direkt am Tag der Ausstrahlung, sondern streamen sie anschließend – legal, aber auch illegal. Daher dürften die Einschaltquoten insgesamt höher sein. (Weiterlesen: Vorschau auf neue Folgen von Staffel 7 von „The Walking Dead“)

Dennoch macht der Quotenverlust nachdenklich: Bereits Staffel 6 konnte nicht an die Quoten von Staffel 5 anknüpfen, die in ihrer Gesamtheit bislang am erfolgreichsten war. Zwar waren die ersten Episoden der Staffeln sowie die neunten Folgen (nach der Halbzeitpause) und die finalen Folgen immer die quotenträchtigsten bei „The Walking Dead“. Doch früher gab es auch in den Episoden dazwischen mehr Cliffhanger. (Lesen Sie dazu auch unsere Zusammenfassung von Staffel 6: Was war gut, was war schlecht?)  

Handlungsstränge wiederholen sich

Es könnte also am Inhalt liegen: Die Serie orientiert sich seit der sechsten Staffel viel stärker an der Comicvorlage von Autor Robert Kirkman. Die Comics finden zwar sehr viele Leser, doch einige Handlungsstränge wiederholen sich. Es gibt mehrere Bösewichte, die alle versuchen, die Gruppe um Rick Grimes auf brutalste Art zu unterwerfen, beziehungsweise zu töten. Am Ende gibt es einen Befreiungsschlag, dann kommt die nächste Bedrohung. So auch in der TV-Serie. (Weiterlesen: Warum Folge 10 von Staffel 6 ein Desaster ist)  

Zu viele Gemeinschaften?

Achtung, jetzt folgen Spoiler für Staffel 7!

Dazu kommen zahlreiche neue Gruppen: Nach dem Governor in Woodbury folgten die Kannibalen in Terminus, die Gemeinschaft Alexandria, seit Staffel 6 die Gemeinschaft Hilltop, die Saviors um Negan und seit Staffel 7 das Königreich um Ezekiel.

Gerüchten zufolge taucht in einer der nächsten Folgen eine weitere Gemeinschaft an einem Strand auf sowie die geheimnisvollen Whisperer. Ganz schön viel auf einmal. Und alles spielt sich rund um Atlanta ab, die Gruppen haben sich also kaum durch die USA bewegt auf der Suche nach weiteren Überlebenden. (Weiterlesen: Vorschau auf Folge 6 von Staffel 7 von „The Walking Dead“)

Schlechte Cliffhanger

Viele neue Personen, die kurz eingeführt werden, werden dann gleich wieder getötet. Die Episoden sind immer mehr aufgeteilt, Cliffhanger werden erst spät aufgelöst. Dennoch gibt es davon mittlerweile zu wenige. Einige Cliffhanger sind zu durchschaubar oder geschehen zum falschen Zeitpunkt. War der Reiz wie bei anderen Serien bislang, nach einer Folge auf die nächste hin zu fiebern, weiß der Zuschauer bereits, dass nach einer Episode das Thema in der nächsten Folge nicht wieder aufgegriffen wird.

Mehrere Episoden dauerte es, bis der vermeintliche Tod von Glenn Rhee (Steven Yeun) in Staffel 6 aufgeklärt wurde. Das zerstörte die Spannung, genau wie der Cliffhanger der letzten Folge von Staffel 6. Über ein halbes Jahr durften die Fans spekulieren, wen Negan tötet, und das wurde dann auch noch in der Episode selbst so zäh wie Kaugummi erzählt. (Weiterlesen: Neue Serienrolle: Stirbt Sasha aus „The Walking Dead“?)

Wer die Comics kennt, weiß mehr

Viele Fans sind von den zahlreichen Charakteren und unterschiedlichen Handlungsorten gelangweilt, mit ihren Lieblingscharakteren geht es schleppend voran und neue Figuren werden kaum thematisiert, ihre Motivationen bleiben im Hintergrund. „The Walking Dead“ setzt auf den Hype der Comicfans, sie freuen sich auf einen König Ezekiel, während die TV-Fans sich fragen: Was macht der computeranimierte Tiger da? Wer die TV-Serie schaut, kommt langsam nicht mehr um die Comicvorlage herum. Umgekehrt genauso, denn die Serie hat bald die Comics inhaltlich überholt. (Rückblick: Was passiert in Folge 5 von Staffel 7 von The Walking Dead?)

Kritik an der Gewaltdarstellung

Wurde in den ersten Staffeln noch das konservative Frauenbild in „The Walking Dead“ kritisiert, hat die Serie mit der Angleichung an die Comics jetzt die Grenze der erträglichen Gewaltdarstellung überschritten. Viele Fans wandten sich nach der ersten Folge von Staffel 7 angewidert ab, zu heftig wurde der Tod von Abraham und Glenn durch Negans Baseballschläger in Szene gesetzt. Ein Wunder, dass diese Szenen im Fernsehen ungeschnitten gezeigt wurden, wo doch Negan das Schimpfwort „Fuck“ nicht einmal sagen darf. Wer die Zombieserie schaut, ist mit blutigen Szenen vertraut, doch „Der Tag wird kommen“ war selbst für treue Fans zu viel des Guten. (Weiterlesen: Wo und wann wird „The Walking Dead“ ausgestrahlt?)

Hat die Serie „The Walking Dead“ also langsam ihren Zenit überschritten? Obwohl die Quoten immer noch gut sind, sollte der Einbruch den Machern zu denken geben. Staffel 8 ist bestellt, geht es nach Robert Kirkman und den Produzenten, könnte es ewig weitergehen. Aber vielleicht sollten sie sich an dem geplanten Ende von „Game of Thrones“ orientieren und aufhören, solange die Serie noch kein TV-Zombie ist. (Weiterlesen: HBO kündigt Ende von „Game of Thrones“ an)


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