23.11.2016, 17:28 Uhr

Unternehmen entschuldigt sich Nazi-Codes? Edeka wird wegen Weihnachts-Spot kritisiert

Ein Auto mit dem Kennzeichen „MU-SS 420“ fährt heran. Wird dadurch ein Nazi-Code transportiert? Screenshot: NOZ/Youtube.com/EdekaEin Auto mit dem Kennzeichen „MU-SS 420“ fährt heran. Wird dadurch ein Nazi-Code transportiert? Screenshot: NOZ/Youtube.com/Edeka

Osnabrück. Edeka sieht sich wegen seines neuen Werbespots Vorwürfen ausgesetzt, Nazi-Symbole zu verwenden. In einem TV-Spot kommen angeblich häufig Codes der rechtsextremen Szene vor. Der Lebensmittelhändler weist die Anschuldigungen von sich.

Im vergangenen Jahr gelang Edeka mit dem Weihnachtsclip #Heimkommen ein Werbecoup. Ganz Deutschland diskutierte über den Spot, in dem ein alter Mann zu Weihnachten seinen eigenen Tod vortäuscht, um Aufmerksamkeit von seiner Familie zu bekommen. In diesem Jahr wollte Edeka mit einem neuen Werbeclip an den Erfolg anknüpfen. Und wieder hat es das Unternehmen geschafft, mit einem Weihnachtsfilm in die Schlagzeilen zu geraten – in diesem Fall aber wohl eher zum Unwillen des Lebensmittelhändlers.

Wegen des Clips #Zeitschenken wird Edeka kritisiert. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, Codes zu verwenden, die in der rechtsextremen Szene häufig vorkommen.

Zwei auf den ersten Blick eher harmlos erscheinende Autokennzeichen sind der Grund dafür. Zu Beginn des Spots ist ein heranfahrendes Auto zu sehen, dass das Kennzeichen „MU-SS 420“ trägt.

Hinweis auf die SS im Dritten Reich?

Kritiker werfen den Unternehmen vor, dass die Abkürzung „SS“ auf die Schutzstaffel des Dritten Reiches verweist. In Deutschland ist es eigentlich verboten, diese Buchstabenfolge auf Nummernschildern zu verwenden. „Da das verboten ist, ist es nicht vertretbar, dass in einem Werbespot zu nutzen, auch wenn es sich um ein fiktives Kennzeichen handelt“, sagt die Extremismusexpertin Sabine Bamberger-Stemmann im Interview mit dem „Manager Magazin“.

Expertin glaubt nicht an Zufall

Auch an der Zahlenfolge des Kennzeichens wird Anstoß genommen. „Die 420 ist eine aus dem angelsächsischen Raum stammende, in rechten Kreisen auch hierzulande gängige Abkürzung für Hitlers Geburtstag am 20. April“, betont Bamberger-Stemmann weiter.

In dem Clip ist noch ein weiterer Wagen zu sehen, dessen Kennzeichen laut der Expertin ebenfalls als ein Nazi-Code verstanden werden könnte. Das Fahrzeug, bei dem in einer Garage die Winterreifen aufgezogen werden, trägt das Kennzeichen „SO-LL 3849“. „Die Zahl 84 steht für ,Heil Deutschland‘. Sie ist umrahmt von den Zahlen 3 und 9. Die 39 steht für ,Christliche Identität‘ oder ,Christian Identity‘. Dies bedeutet in rechten Kreisen im Umkehrschluss Antisemitismus“, so die Extremismusexpertin. An einen bloßen Zufall glaubt sie nicht. Die Vielzahl der Codes, die auch in rechtsextremen Kreisen verwendet würden, seien zu frappierend, so Bamberger-Stemmann.

Edeka entschuldigt sich

Edeka weist die Vorwürfe, Nazi-Codes zu verwenden, zurück. „Beide Autokennzeichen sind reine Fantasiekennzeichen und eine Verbildlichung der Worte ,Muss‘ und ,Soll‘“, heißt es auf Anfrage unserer Redaktion. Auch die Zahlenfolgen seien rein zufällig ausgewählt worden. Dennoch zeigt das Unternehmen Reue: „Wir bedauern sehr, wenn hier ein falscher Eindruck erweckt wurde. Dies lag keinesfalls in unserer Absicht“, so ein Sprecher des Unternehmens.

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