18.11.2016, 16:41 Uhr

Große Namen, schlechter Film „Zielfahnder – Flucht in die Karpaten“ überzeugt nicht

Den Falschen erwischt: Zielfahnderin Hanna Landauer (Ulrike C. Tscharre) mit dem Bruder des Gesuchten (Virgil Aioanei).

            
Foto: ARD Degeto/WDR/Wiedemann & Berg/Thomas KostDen Falschen erwischt: Zielfahnderin Hanna Landauer (Ulrike C. Tscharre) mit dem Bruder des Gesuchten (Virgil Aioanei). Foto: ARD Degeto/WDR/Wiedemann & Berg/Thomas Kost

Osnabrück. Der hoch dekorierte Regisseur Dominik Graf hat mit „Zielfahnder - Flucht in die Karpaten“ mal wieder ein Drehbuch des oft gemeinsam mit ihm ausgezeichneten Rolf Basedow verfilmt. Auch wenn die Besetzung viel verspricht, ist der Film sehr mäßig.

Die Geschichte dieses Films ist schnell erzählt: Zwei Zielfahnder des Düsseldorfer LKA jagen einen rumänischen Verbrecher, der gerade aus einem deutschen Knast ausgebrochen ist. In Deutschland ist es eine High-Tech-Jagd, doch nachdem sich der Entflohene in die rumänischen Karpaten abgesetzt hat, erleben die beiden deutschen Polizisten dort auf eine fast archaische Weise Land, Leute und Verbrecherjagd.

Der Gegensatz, den Rolf Basedow in seinem Drehbuch konstruiert hat, klingt reizvoll. Und dass Dominik Graf mal wieder einen Stoff von Basedow verfilmt hat, macht das Ganze dem Anschein nach noch reizvoller. Zuletzt haben die beiden für „Im Angesicht des Verbrechens“ praktisch alle Preise abgeräumt, die es in Deutschland zu vergeben gibt.

Genug Gründe also, um „Zielfahnder“ gut zu finden, und so gab es beispielsweise auf Spiegel Online eine fast hymnische Rezension, nachdem der Streifen auf dem Filmfest München gezeigt wurde. Allerdings ist „Zielfahnder“ kein guter Film. Thema, Regisseur, Autor und Besetzung (Ronald Zehrfeld und Ulrike C. Tscharre in den Hauptrollen) lassen anderes vermuten, aber trotzdem bleibt der Film langweilig.

Warum keine Spannung aufkommt? Zunächst, weil der rumänische Ausbrecher vollkommen gesichtslos bleibt, ein austauschbarer Verbrecher, den man nicht erst nach dem Film, sondern schon währenddessen wieder vergessen hat.

Zwar hat Zielfahnderin Hanna Landauer eine persönliche Rechnung mit dem Rumänen offen, weil er beim letzten Zugriff ihren beruflichen und persönlichen Partner lebensgefährlich verletzt hat und die Polizistin das nicht verhindern konnte; doch spielt Ulrike C. Tscharre die private Vendetta leidenschaftslos.

Auch Sven Schröder alias Ronald Zehrfeld hat einen privaten Konflikt. Schröder und seine Frau sind getrennt, und als er seine kleine Tochter bei der Mutter abliefert, entdeckt er Spuren, die auf einen neuen Mann im Haus hindeuten. Wer der Mann ist? Natürlich ein Kollege von Schröder. Und der hat nun der Tochter ein Smartphone versprochen, ihr aber zunächst einmal einen Teddy geschenkt, weshalb die vom Vater geweckte Tochter in einer Szene nach diesem Kuscheltier greift, aber „Smartphone“ sagt.

Nach einem kurzen Wortgefecht zwischen Schröder und seinem Nachfolger spielt das persönliche Problem im Rest des Films keine Rolle mehr. Drehbuchautor Basedow hätte es auch einfach weglassen können.

Misslungen ist „Zielfahnder“ auch stilistisch. Seit 30 Jahren blendet Dominik Graf in seinen Polizeifilmen immer wieder völlig unmotiviert den Polizeifunk ein, auch 2016 hat er sich davon noch nicht gelöst.

Noch schlimmer sind die ständigen Zooms: In Spannungsmomenten lässt Graf das Bild ganz schnell an einen Akteur heranfahren, was eigentlich nur B-Movie-Regisseure machen – oder solche, die B-Movies zitieren, wie Quentin Tarantino. Dominik Graf, der darüber jammert, dass in Deutschland keine Genre-Filme gedreht werden und sich niemand traut, rohe und schmutzige Bilder zu zeigen, möchte auch ein bisschen Tarantino sein, macht sich dabei aber lächerlich. Denn als Zitat funktionieren die Zooms in einem in seiner Sprache und Figurengestaltung viel zu konventionellen und damit typisch deutschen Fernsehfilm überhaupt nicht.

Der einzige Lichtblick in diesem ambitionierten aber mal wieder viel zu heterogenen Dominik-Graf-Film ist Ronald Zehrfeld. Den hat Graf entdeckt, genauso wie einst den großartigen Marek Harloff, und beide Entdeckungen muss man dem Regisseur wirklich hoch anrechnen.

Beide haben nämlich das in Deutschland seltene Talent, ihre Figuren so anzulegen, dass der Zuschauer den Eindruck bekommt, diese Figuren könnte es tatsächlich geben. Ronald Zehrfeld spricht seine Texte als Sven Schröder so gekonnt beiläufig, so normal im besten Sinne, dass es eine Freude ist.

„Zielfahnder – Flucht in die Karpaten“ soll übrigens der Auftakt für eine Filmreihe sein, weitere Teile des Duos Zehrfeld und Tscharre sollen folgen.


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