06.11.2016, 21:44 Uhr

Shootingstar Mala Emde Nach dem Tatort: Wer war das Schleier-Mädchen?


Osnabrück. Der Borowski-Tatort ist vorüber – aber er sorgt für Gesprächsstoff auch abseits von Anne Will. Vor allem Mala Emde als Darstellerin der jungen Julia hat bleibenden Eindruck hinterlassen.

Am Anfang war es ein Abschied – von der Mutter, den Klassenkameradinnen, vom alten Leben. Julia Heidhäuser fühlte sich hingezogen zum Islam und den Kämpfern des IS in Syrien. Am Ende war ein Kopfschuss, mit dem das „verlorene Mädchen“ sein Leben auslöschte. Wohl die schockierendste Szene dieses Borowski-Tatorts, dessen Auflösung dann aber die Nebenschauplätze suchte und vielleicht deshalb nicht in letzter Konsequenz überzeugen konnte.

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Für Mala Emde aber, die gerade mal 20-jährige Schauspielerin, war der Krimi auf jeden Fall ein weiterer Riesenschritt zu einer großen Karriere. Brillant spielte sie das Mädchen, das nach und nach ihren Halt und ihre Verwurzelung verliert und islamistischen Anwerbern auf den Leim geht (wobei die sich im Nachhinein dann als Agenten des deutschen Staatsschutzes erwiesen).

Schon Anne Frank gespielt

Es ist nicht das erste und ganz gewiss nicht das letzte Mal, dass Mala Emde die Aufmerksamkeit eines Publikums derartig auf sich zieht. Schon im vergangenen Jahr erwies sie sich als Titelfigur im TV-Dokudrama „Meine Tochter Anne Frank“ als absolute Idealbesetzung, erntete fantastische Kritiken von der „Zeit“ bis zur „FAZ“ und jede Menge Preise.

Regisseur war damals wie auch beim Kieler Tatort vom Sonntag Raymond Ley. Im Presseheft des NDR zum Tatort „Borowski und das verlorene Mädchen verriet er, wie er Mala Emde auf die Rolle der Julia vorbereitete: „Die ersten Bilder des Filmes hat unser Kameramann Philipp Kirsamer vor Drehbeginn gedreht. Wir haben mit unserer Hauptdarstellerin Mala Emde an einem Sonntag ausprobiert, wie es ist, mit einem Gesichtsschleier durch die Kieler Innenstadt zu gehen. Diese starken Bilder prägen nun Anfang und Ende des Filmes. In dieser ersten Improvisation ist auch das ,Vermächtnis‘ an die Mutter entstanden – „Liebe Mama, wenn Du das liest, bin ich nicht mehr da ...“

Beten gelernt

Auch Mala Emde gab hier einen Einblick in ihre akribische Vorbereitung: „Ich habe Bücher über den Islam gelesen und im Internet so viele salafistische Seiten geöffnet, dass ich nach einiger Zeit gedacht habe: Wahrscheinlich werde ich jetzt vom Verfassungsschutz überwacht. In Berlin-Neukölln, wo ich lebe, habe ich auf der Straße meine muslimische Nachbarschaft einmal genauer betrachtet, um ein Gespür dafür zu bekommen, welche Rolle der Glaube in ihrem Alltag spielt. Beim Drehen hat uns dann ein Islam-Experte beraten. Mit ihm habe ich Beten geübt.“

Jetzt zur Schauspielschule

Weil gute Vorbereitung offenbar alles für sie ist, hatte sie schon als 13-Jährige von 2009 bis 2012 das Studio Tanz, Theater, Musik Sybille Sohl in Frankfurt besucht. Und weil ihr erste Erfolge nicht die Einsicht in eine fundierte Ausbildung versperren, studiert sie seit Oktober an der renommierten Ernst-Busch-Schule in Berlin die Schauspielkunst. Von Mala Emde werden wir noch viel Gutes hören und vor allem sehen.


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