23.09.2016, 05:00 Uhr

Podcast-Reihe auf NDR Info Betrüger-Story: „Der talentierte Mr. Vossen“

Ein einnehmender Typ: Ehemalige Londoner Freunde berichten in den ersten Folgen der Podcast-Reihe vom Charme des Börsenspekulanten Felix Vossen. Foto: NDR/privatEin einnehmender Typ: Ehemalige Londoner Freunde berichten in den ersten Folgen der Podcast-Reihe vom Charme des Börsenspekulanten Felix Vossen. Foto: NDR/privat

Osnabrück. Im Februar dieses Jahres wurde der deutsche Börsenspekulant Felix Vossen geschnappt – er hatte zahlreiche Anleger um viele Millionen Euro betrogen. Der NDR-Hörfunk hat aus der Geschichte des gebürtigen Güterslohers eine interessante Podcast-Reihe gemacht.

Die Geschichte hat alle Zutaten für einen Thriller: Ein deutscher Aktienhändler mit Model-Freundin betrügt seine finanzkräftigen Londoner Freunde um viele Millionen Euro, er setzt sich ab, die Geprellten setzen ein Kopfgeld auf ihn aus, und am Ende fällt er der spanischen Polizei in die Hände. Die Geschichte ist die von Felix Vossen, Sohn der einstigen Gütersloher Handtuch-Dynastie „Vossen“, die 1997 in Konkurs ging und mittlerweile im Besitz eines österreichischen Unternehmens ist.

Aus der tatsächlich passierten Geschichte von Felix Vossen produzierte der NDR eine Hörfunk-Reihe in sieben Folgen unter dem Titel „Der talentierte Mr. Vossen“. Ein schöner Titel – natürlich spielt er an auf „Der talentierte Mr. Ripley“ von Patricia Highsmith; und wer sich in der deutschen Filmgeschichte auskennt, kommt nicht umhin, an den Klassiker „Peter Voss, der Millionendieb“ zu denken.

Man muss dem NDR-Hörfunk an dieser Stelle ohnehin mal ein Lob aussprechen: Zwar liegt die Qualität des Wortprogramms weiterhin deutlich hinter WDR, SWR und BR, wo man jeweils eine Handvoll großartiger Radiosendungen aufzählen könnte. Aber „Der talentierte Mr. Vossen“ ist nun schon die zweite True-Crime-Radioserie, die der Norddeutsche Rundfunk produziert. NDR 2 sendete im Herbst letzten Jahres die achtteilige Reihe „Täter unbekannt – Der Fall Inka Köntges“ über eine junge Frau, die im Jahr 2000 in Hannover spurlos verschwunden war. Nach den Recherchen von NDR 2 nahm die Polizei dann die Ermittlungen wieder auf.

„Der talentierte Mr. Vossen“ konzentriert sich nun auf einen Täter, und der wurde während der Recherchen von Autor Christoph Heinzle von der Polizei gestellt. Im Februar dieses Jahres wurde Vossen in Valencia geschnappt, die dortige Polizei fand seinen Blick verdächtig und durchsuchte ihn. Vossen zeigte einen französischen Pass, versuchte erfolglos zu fliehen, und beim Durchsuchen seiner Wohnung fanden die Beamten lauter gefälschte Pässe und eine Menge Bargeld in verschiedenen Währungen. Das Geld hatte Vossen vor allem von Freunden bekommen – doch die hatten es ihm eigentlich in der Annahme gegeben, er würde es vermehren und ihnen abzüglich seiner Provision zurückzahlen.

Wie das gehörig schiefging, erzählt Christoph Heinzle in seiner siebenteiligen Reihe. Es ist ein sehr ambitioniertes Projekt, der 48-jährige Heinzle ist Vossens Spuren durch ganz Europa gefolgt. Nachdem man die ersten beiden Folgen gehört hat, stellt man sich allerdings die Frage, ob die Gebührengelder hier richtig angelegt waren. Ziemlich ungeordnet erfährt der Hörer von lauter Londoner Freunden, was dieser Felix Vossen doch für ein einnehmender Typ gewesen sei und wie man am Ende auf ihn hereingefallen sei. Ein Bild des Millionenbetrügers entsteht dabei nicht.

Interessant wird es dann ab der dritten Folge. Da fährt der Autor nach Gütersloh, wo Vossen als Spross der gleichnamigen Handtuch-Dynastie aufwuchs. Sein Vater Norbert allerdings fuhr den Betrieb Ende der 90er-Jahre vor die Wand und verabschiedete sich dann mit all den geerbten Millionen nach Österreich.

Von dieser Kaltschnäuzigkeit scheint Sohn Felix einiges geerbt zu haben. Nach seiner Schulzeit in einem Schweizer Elite-Internat landet er irgendwann in der City of London. Dort betätigt er sich als Daytrader, er kauft also online von zu Hause aus Aktien und stößt sie sofort wieder ab. Mit seinem Charme begeistert er lauter reiche Freunde für sich, die ihm ihr Geld anvertrauen. Doch mit dem guten, alten Ponzi-Trick, bei dem die Verluste der schon länger investierenden Anlieger mit den Einlagen frischer Anlieger ausgeglichen werden, bringt Vossen Dutzende seiner „Freunde“ um ihr Geld.

Ab der dritten Folge zeichnet „Der talentierte Mr. Vossen“ die Geschichte des Gütersloher Millionen-Betrügers wirklich gut nach. Die geordnete, lineare Erzählweise tut der Podcast-Serie gut, und auch wenn Fälle wie der von Felix Vossen ja gar nicht so selten vorkommen: Es ist doch immer wieder interessant zu erfahren, wie erfolgreiche Geschäftsleute auf einen Blender hereinfallen, weil ihre Gier und sein Charme eine so unheilvolle Melange bilden.

Der talentierte Mr. Vossen: am 23. sowie vom 26. bis 30. September ab 9.08 Uhr und 16.08 Uhr, NDR Info. Alle Folgen in der Mediathek von NDR Info zum Download. Das Feature wird am 2. Oktober ab 11.05 gesendet.


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