25.04.2016, 11:27 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Kritik von „Die Rote Frau“ Game of Thrones Staffel 6: Was passiert in Folge 1?


Osnabrück. „Game of Thrones“ ist zurück! Was in der ersten Folge von Staffel 6 „Die Rote Frau“ passiert, lesen Sie in unserer Kritik. Achtung, im Text folgen Spoiler!

Vorweg das Wichtigste: Jon Schnee (Kit Harington) ist tot. So richtig wirklich tot. Obwohl das Fanherz beim Vorspann von „Game of Thrones“ hüpft, da der Name Kit Harington noch genannt wird, ist gleich zu Beginn der ersten Folge von Staffel 6, „Die Rote Frau“ (The Red Woman), deutlich zu sehen: Der Lordkommandant der Nachtwache ist tot.

Und damit hatten alle Schauspieler recht, die vorab Interviews gegeben haben: Harington verbringt die Episode aufgebahrt als Leiche. Doch es gibt Hoffnung in Gestalt von Zauberin Melisandre (Carice van Houten), die mehr als nur ein Geheimnis verbirgt. (Weiterlesen: Game of Thrones Staffel 6 live im TV und im Stream)

Die erste Folge der sechsten Staffel von „Game of Thrones“ ist bereits auf Sky On Demand, Sky Go und Sky Online abrufbar, wahlweise auf Deutsch oder Englisch. Heute Abend wird die Episode ab 21 Uhr auf Sky Atlantic HD ausgestrahlt.

Offene Fragen aus Staffel 5

Die Auftaktfolge kümmert sich um die offenen Fragen nach dem Finale von Staffel 5: Was ist mit Jon Schnee? Was ist mit Cersei (Lena Headey)? Wie verkraftet sie den Tod ihrer Tochter Myrcella? Was passiert in Dorne? Wie geht es mit der erblindeten Arya Stark (Maisie Williams) weiter? Können Sansa Stark und Theon Graufreud (Alfie Allen) den Schergen von Ramsey Bolton entkommen? Ist Stannis Baratheon wirklich tot? Beginnen wir an der Mauer mit den Männern der Nachtwache. (Lesen Sie dazu auch unsere ausführliche Kritik von Staffel 5, Folge 10: „A Mother’s Mercy“.)

Was passiert mit Jon Schnee?

Ser Davos (Liam Cunningham) entdeckt Jons Leiche im Schnee. Mithilfe von Jons letzten treuen Männern bringen sie ihn in eine Kammer, auch sein Schattenwolf Geist bewacht ihn. Währenddessen erklärt Ser Allister Thorne, warum Jon sterben musste: Er wollte die Nachtwache zugrunde richten, hat sich mit den Wildlingen verbündet und damit die Werte der Bruderschaft verraten. Um ihn aufzuhalten, mussten Thorne und seine Männer zu Verrätern werden.  (Weiterlesen: das könnten die Eltern von Jon Snow sein)

Nicht jedem Mitglied der Nachtwache gefällt die Ermordung von Schnee, doch Thornes Männer sind in der Überzahl. Das bringt auch Ser Davos und die Handvoll loyaler Getreuen in Bedrängnis. Sie sind unterlegen, wollen Hilfe von den Wildlingen einfordern und auch Zauberin Melisandre soll helfen. Doch worin liegen ihre Kräfte, was kann sie ausrichten? Beim Anblick des toten Jon Schnee ist sie schockiert – wird ihre Prophezeiung, die sie im Feuer ihres Lichtgottes gesehen hat, doch nicht mehr wahr? (Weiterlesen: Die fünf schockierendsten Momente bei „Game of Thrones“)

Wie geht es in Königsmund und Dorne weiter?

Cersei Lannister sitzt in Königsmund und leckt noch ihre Wunden, die ihr der Hohe Spatz und seine Priester zugefügt haben, da erreicht ein Schiff aus Dorne die Gestade der Stadt mit dem Eisernen Thron. Voller Freude auf ein Wiedersehen mit ihrem Bruder und Geliebten Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und ihrer Tochter Myrcella eilt sie dorthin, doch sie sieht nur einen gramgebeugten Jaime und einen goldenen Sarg. Ihre einzige Tochter ist tot, vergiftet von Ellaria Sand als Rache für den Tod von Oberyn Martell.

„Myrcella war so gütig. Wenn ich so etwas Gutes erschaffen kann, bin ich doch vielleicht kein Monster“, sagt sie zu Jaime und trauert aufrichtig. Wie in Staffel 5 gezeigt, hat ihr eine alte Hexe im Wald prophezeit, dass ihre drei Kinder sterben werden, doch Jaime glaubt nicht an Bestimmung. „Scheiß drauf“, antwortet er, „wir nehmen uns alles“. (Weiterlesen: Trailer zeigt Vorschau auf Folge 2 von Staffel 6, „Home“)

Keine guten Nachrichten für Dorne – können sie dem großen Heer der Lannisters etwas entgegensetzen? Fürst Doran (Alexander Siddig) will weiterhin Frieden, da erreicht ihn die Nachricht von Myrcellas Tod. Bevor er begreift, was passiert, tötet Ellaria (Indira Varna) ihn, ihre Töchter, die „Sand Snakes“, seinen Sohn Trystane und seine Wachen. (Lesen Sie dazu auch unsere ausführliche Kritik zu Folge 6 von Staffel 5: „Unbowed, Unbent, Unbroken“.)

Rebellion in Dorne! Wie Ellaria sagt: „Schwache Männer werden nie wieder in Dorne herrschen!“ Zwei überraschende Tode; hatte man doch eher damit gerechnet, dass das schwache Kapitel in Dorne aus Staffel 5 mit Myrcellas Tod abgehakt ist. Nun formiert sich auch dort Widerstand gegen die Lannisters, genau wie im Norden. (Weiterlesen: Sieben erstaunliche Fakten zu „Game of Thrones“)  

Was hat Ramsey Bolton vor?

Nach der Schlacht mit Stannis Baratheon, die den König durch die Hand von Brienne das Leben gekostet hat, sind die Boltons auf der Suche nach Sansa Stark (Sophie Turner) und Theon Graufreud (Alfie Allen). Beide kämpfen sich durch den Norden, der vom Winter im eisigen Griff gehalten wird. Doch Ramseys (Iwan Rheon) Hunde spüren sie auf, Theons Versuch, Sansa zu schützen, schlägt fehlt.

In dieser ausweglosen Situation kommt Hilfe von unerwarteter Seite: Brienne von Tarth (Gwendoline Christie) und Knappe Podrick retten die beiden, Brienne bietet Sansa erneut ihre Dienste an. Dieses Mal stimmt die Stark-Tochter zu, ihre Flucht geht weiter. (Lesen Sie dazu unsere Kritik zu Folge 3 von Staffel 5: „Sansas neuer Psycho-Verlobter“.)

Ramsey muss seine Machtposition im Norden mit einem Erben stärken, die Angst vor dem Zorn der Lannisters ist groß. Ist Sansa also bereits von ihm schwanger? Während der Diskussion mit seinem Vater über seine Zukunft wird auch klar: Stannis Baratheon ist wirklich tot, auch wenn das nicht so explizit zu sehen war. Melisandres Plan mit Stannis ist also nicht aufgegangen, sie haben die große Schlacht verloren. Konzentriert sie sich nun auf Jon Schnees Schicksal?

Wer ist die rote Frau?

Die Episode steht – wie der Titel verrät – ganz im Zeichen der roten Frau, der geheimnisvollen Zauberin Melisandre. Sie zog die Fäden bei Stannis Baratheon, nun sitzt sie mit Ser Davos an der Mauer im Norden fest. Kann (und will) sie Jon retten? Der Gott des Lichts hatte ihrer Ansicht nach noch mehr mit ihm vor, doch wie kann das gelingen?

Die Episode endet, wie sie begann: an der Mauer. Dort steht Melisandre vor dem Spiegel, zieht ihre Kleidung aus und legt schließlich auch ihre Kette mit dem mysteriös funkelnden Stein ab. Danach zeigt sie ihr wahres Gesicht: Sie ist eine sehr alte Frau, die sich schließlich erschöpft ins Bett legt. Wie bereits in anderen Episoden zu sehen, steckt in dem Stein eine ungeheure Macht. Dennoch wirkt die undurchschaubare Zauberin erschöpft und es sieht fast so aus, als würde sie resignieren.

Welche Kräfte Melisandre noch hat, außer dunkle Schatten zu gebären, dürfte in den nächsten Folgen von „Game of Thrones“ Thema werden.

Was ist mit Daenerys, Arya und Königin Margaery?

Den drei Frauen ergeht es in Folge 1 nicht wirklich gut: Margaery (Natalie Dormer) schmort weiter im Gefängnis, ohne Geständnis kommt sie dort nicht heraus.

Arya (Maisie Williams) ist eine blinde Bettlerin, doch sie wird von einer Frau aus dem Haus von Schwarz und Weiß gefunden. Wie der blinde Matt Murdock in der Comicverfilmung „Daredevil“ soll Arya nun kämpfen lernen und versagt natürlich. Noch, denn am nächsten Tag soll es weitergehen mit dem Training.

Daenerys (Emilia Clarke) hingegen bekommt keine Chance zum Kampf, wird aber von den Dothraki verschont, als sie offenbart, dass sie die Witwe von Khal Drogo ist. Ihr neues Schicksal lautet nun: Mit den anderen Witwen der Dothraki den Rest ihres Leben im Tempel des Pferdegottes verbringen. (Lesen Sie dazu unsere Kritik von Folge 2 der fünften Staffel, „Das Haus von Schwarz und Weiß“.)

Da bleibt nur zu hoffen, dass Ser Jorah (Iain Glenn) und ihr Geliebter Daario Naharis sie schnell wiederfinden. Denn in Mereen bricht alles aus Angst vor den Söhnen der Harpyie zusammen, das können auch Tyrion Lannister (Peter Dinklage) und Varys (Conleth Hill) nicht aufhalten. (Lesen Sie dazu unsere ausführliche Kritik von Folge 9 der fünften Staffel: „A Dance of Dragons“.)

Erfüllt die erste Folge alle Erwartungen?

Ja und nein. Zum einen werden die Cliffhanger aus Staffel 5 fortgeführt beziehungsweise aufgelöst. Niemand dürfte wohl wirklich daran geglaubt haben, dass Jon Schnee bereits in der ersten Episode als Untoter wieder aufersteht. Dennoch ist die Entwicklung bei der Nachtwache spannend, endlich gibt es mal eine interessante Entwicklung bei Melisandre.

Auch die anderen Handlungen wissen zu fesseln, doch die Folge bleibt etwas hinter meinen Erwartungen zurück. Überraschend ist der Tod von Fürst Doran in Dorne, unklar ist allerdings, ob dieses Kapitel nun endlich mehr überzeugen wird. Stringent werden die offenen Fragen aus Staffel 5 beantwortet oder weiter erzählt, der Spannungsbogen wird gehalten, doch es fehlt ein zündender Funke.

Wie im Finale von Staffel 5: „Alles musste irgendwie abgehakt werden“. Dieses Gefühl hält sich auch beim Ansehen von „Die Rote Frau“: abhaken, weitermachen. Auf geniale Dialoge zwischen Tyrion und Varys wird verzichtet, alles andere wird nur kurz angerissen. Und wer sich Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Bran Stark und Drache Drogon gemacht hat, wird zumindest in dieser Folge noch enttäuscht. Alles in allem ein solider Auftakt, der Grundlagen legt für neue Handlungen.


Die erste Folge, „Die Rote Frau“, der sechsten Staffel von „Game of Thrones“ ist bereits auf Sky On Demand, Sky Go und Sky Online abrufbar, wahlweise auf Deutsch oder Englisch. Heute Abend wird die Episode ab 21 Uhr auf Sky Atlantic HD ausgestrahlt. Premiere feierte die Auftaktepisode am Sonntag, 24. April 2016, auf dem US-Sender HBO.

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