22.04.2016, 00:22 Uhr

Gauland und Spahn im Fokus Maybrit Illner: Zwei machen Wahlkampf – und die anderen?

„Kann Deutschland Integration?“, wollte Moderatorin Maybrit Illner von ihren Gästen wissen. Foto: imago/Metodi Popow„Kann Deutschland Integration?“, wollte Moderatorin Maybrit Illner von ihren Gästen wissen. Foto: imago/Metodi Popow

Osnabrück. „Kann Deutschland Integration?“, wollte Moderatorin Maybrit Illner am Donnerstagabend von ihren Gästen wissen. Die nächste Stunde nutzten zwei Politiker vor allem für Wahlkampf. Die anderen Gäste kamen selten über Statistenrollen hinaus.

Auf der Webseite der ZDF-Talkshow hieß es vorab zum Thema der Sendung: Hunderttausende anerkannte Flüchtlinge bräuchten eine Wohnung und viele von ihnen würden in „sozialen Brennpunkten“ landen. Die Folgen könnten für manche Armut und Kriminalität sein. Wie könne Integration gelingen?

Die Sendung entwickelte sich dann aber nach und nach zu etwas, das auch „Gauland und Spahn – das TV-Duell“ hätte heiße können. Denn größtenteils standen die beiden Politiker im Fokus – mal stellten sie sich selbst hinein, mal wurden sie gezogen.

Den stellvertretenen AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland trieben die anderen Gäste – und hier insbesondere Politikwissenschaftler Claus Leggewie – immer wieder in die Enge. Das deckte zwar einerseits Schwachpunkte seiner politischen Ansichten auf, gab Gauland andererseits aber ebenso Gelgenheit, Eckpunkte der AfD-Politik herunterzubeten. Den CDU-Politiker Jens Spahn versuchte insbesondere Illner aus der Reserve zu locken. Bei seinen Antworten verhielt es sich ähnlich – nur eben mit CDU-Politik.

„Sie regieren, nicht wir“

Und wenn Spahn mal selbst die Diskussionsrichtung vorgeben konnte, dann ging halt er Gauland an. Integrationsprobleme in Deutschland könnten Politiker nicht immer nur kritisieren (und schaut dabei den AfD-Vize an), sondern müssten auch Lösungen anbieten (So wie es die Große Koaliton mit dem Integrationsgesetz getan habe.). Von Illner aufgefordert, die Unterschiede zwischen CDU- und AfD-Standpunkten zu verdeutlichen, pflückt er anschließend die Konkurrenzpartei auseinander. Illner hatte zuvor Parallelen wie die Forderung nach Deutsch sprechenden Imamen festgestellt. Gauland erwiderte später bei einem neuerlichen Vorwurf Spahns, die AfD kritisiere nur und schlage keine Lösungen vor: „Sie regieren, nicht wir.“

Sicherlich, so lautete ein Fazit Spahns, dürfe die Migration nicht pauschal beschönigt, aber ebenfalls nicht pauschal verunglimpft werden – wieder ein Blick zu Gauland. Daraufhin ergriff Politikwissenschaftler Leggewie das Wort: „Ich bin kein Beschöniger und möchte sagen….“ Gauland murmelte dazwischen „… und ich kein Verunglimpfer.“

Leggewie: AfD schürt Ängste

Zumindest so jemand sei er, so sagt Leggewie später zu Gauland, der mit der AfD einer Partei angehöre, die bei den Menschen Angst vor Migranten schüre. Leggewie bestätigte damit das eingangs beschriebene Schema. Er kritisierte den AfD-Vize einerseits, der andererseits widersprechen („Wir geben den Sorgen von Menschen Ausdruck.“) und weitere Partei-Ansichten herunterbeten konnte.

„Aber was tun Sie gegen Rechtsextremismus?“, will Autorin Sineb El Masrar wissen. Gauland: „Der Rechtsextremismus ist da, wo er gewalttätig wird, natürlich Kriminalität.“ El Masrar hakt nach: Was konkret unternommen werde? Daraufhin verwies Gauland auf das Parteiprogramm.

Inhaltlich starke Passagen der Ausgabe drehten sich insbesondere auch um die in Kaiserslautern sozial engagierte Katharina Dittrich-Welsh (Vereinsvorsitzende von „asternweg e.V.“) und die Bochumer Polizistin Tania Kambouri. „Man möchte mit mir nicht sprechen, weil ich eine Frau bin“, sagte die Polizeibeamtin über ihre Arbeit und beschrieb die Respektlosigkeiten, die ihr im Dienst nahezu täglich von männlichen Muslimen entgegenschlagen. Beide, Dittrich-Welsh und Kambouri, waren letztlich aber genauso wie Leggewie und El Masrar selten mehr als Statisten.

Gäste bei Maybrit Illner

Die Gäste:

  • Jens Spahn (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium
  • Alexander Gauland (AfD), stellvertretender Parteivorsitzender
  • Tania Kambouri, Polizeibeamtin, Autorin „Deutschland im Blaulicht - Notruf einer Polizistin“
  • Claus Leggewie, Politikwissenschaftler, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen
  • Sineb El Masrar, Autorin

Gast-Rednerin:

  • Katharina Dittrich-Welsh, Vorsitzende „asternweg e.V.“ in Kaiserslautern.

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