26.01.2016, 19:00 Uhr

Alles auf Autopilot Kandidat bei ARD-Quiz „Gefragt – Gejagt“: Ein Erfahrungsbericht


Osnabrück. NOZ-Mitarbeiter Tom Heise berichtet von seinen Erfahrungen als Kandidat bei der Quizshow „Gefragt – Gejagt“ mit Alexander Bommes in der ARD. Die Sendung wurde am Dienstagabend, 26. Januar 2016, um 18 Uhr ausgestrahlt.

September 2015. Ich sitze in einem schmucklosen Raum in einem schmucklosen 70er-Jahre-Bau in einer schmucklosen Wohnstraße unweit des Rheins in Köln. Ich warte. Warte mit ein paar anderen Menschen darauf, gecastet zu werden. Nach meinem letzten Fernsehauftritt in der NDR-Sendung „Wer hat ́s gesehen“ im Sommer 2008 (bei der ich im Halbfinale ehrenwert mit 0:19 Punkten scheiterte) habe ich mich bei „Gefragt – Gejagt“ beworben, dem schnellen Ratespiel mit Moderator Alexander Bommes und vier allwissenden Antwortgöttern.

Mit Bommes und dem „Quizgott“ Sebastian Jacoby hatte ich für Artikel jeweils Telefoninterviews geführt. Diese Arbeit animierte mich, es einmal selbst zu versuchen. Jetzt stehe ich vor einer kleinen Videokamera in einem stickigen Zimmer in Köln und formuliere eine Kampfansage an den Jäger. Wochen später kommt eine Mail, in der ich als Kandidat in die Sendung eingeladen werde.

1. Dezember 2015. Der Tag der Aufzeichnung. Ich hatte mittlerweile mehrmals Kontakt mit der Produktionsfirma „ITV Studios Germany GmbH“ . Sie ist der deutsche Ableger der englischen Company, die auf der Insel das Quizoriginal „The Chase“ produziert. ITV kümmert sich um alles. So sitze ich entspannt auf einem reservierten Platz im ICE nach Hamburg und denke darüber nach, was ich mit einem möglichen Gewinn anstellen könnte. Ein neuer Rasen wäre schön. Oder doch lieber ein Urlaub mit dem Rad? Meine Töchter haben auch schon Ansprüche angemeldet, aber angesichts der Gewinnchancen angemerkt, ich hätte mich besser bei „Wer wird Millionär“ beworben.

Angst vor dem Kopfkino

Aber mir geht es ja gar nicht um das Geld. Mir geht es um den Spaß. Und die Lust am Spiel. Ich mag das Format. Ich mag den Moderator. Und ich freue mich auf das Duell mit dem Jäger. Am Hauptbahnhof werde ich von einem freundlichen Mitarbeiter im schwarzen Van zum „Studio Hamburg“ kutschiert. Geht doch schon mal gut los.

Die gesamte Crew von „Gefragt – Gejagt“ ist überaus freundlich und zuvorkommend. Ich bekomme eine eigene Garderobe mit meinem Namen an der Tür. Nicht schlecht. Schnittchen, Käsewürfel und Kaffee gibt es auch. Ich lerne meine Mitspieler kennen. Alois aus Landshut, Frederik aus Siegen und Sabrina aus Saarlouis. Wir beschnuppern uns. Alle nett. Alle nervös.

Als Outfit habe ich mich für das entschieden, was ich immer trage. Jeans, T-Shirt, Sweatjacke. Völlig unspektakulär. Sabrina hingegen hat ein Leopardenshirt an. Gut, auf meinem Shirt steht ein Spruch: „Motze ist mein Yoga!“. Hatte ich mal gesagt, worauf mir dies Kleidungsstück von Kollegen geschenkt wurde. Der Redakteur hat keine Einwände. Nur das „M“ solle nicht von der Sweatjacke verdeckt werden. Könnte Kopfkino beim Zuschauer auslösen.

Unsere Aufzeichnung hat Verzug, da vor uns das wöchentliche Promispecial dran ist. Schauspieler und „Tech-Nick“ Antoine Monot, Jr. bedient sich während einer Drehpause an den Käsewürfeln, Moderatorin Dunja Hayali kümmert sich in ihrer Garderobe um ihren Hund. Ich will rauchen. Geht aber nur, wenn ein Crewmitglied auf dem Weg nach draußen vorangeht und um die Ecken schaut, ob da nicht der Jäger ist. Den sollen wir auf gar keinen Fall vorher sehen. Überraschung!

Alles weg

Nach Maske und Mikrofonprobe wird mit uns im Studio die jeweilige Kampfansage an den Jäger aufgezeichnet. Zur Sicherheit. Falls man sich später verhaspelt. Den Text bekommen wir von der Redaktion vorgegeben. Meiner ist blöd. Auch meinen Namen im Display kann das Team nicht mehr von Thomas in Tom ändern. Egal. Obwohl Thomas nur noch meine Mutter sagt, wenn es ernst wird.

Bommes schaut rein, begrüßt uns, wünscht Glück. Alle sind locker, alle duzen sich. Mit den drei anderen Mitspielern bespreche ich die Taktik. Alle haben Schiss vor der ersten Runde, in der jeder eine Minute lang alleine Fragen gestellt bekommt. Hier ist die Fallhöhe besonders hoch. Könnte peinlich werden. Wer wenig Geld einspielt, will danach zocken. Wir werden auf unsere Plätze geführt. Mittelbequem, vor uns Buzzer und ein Wasserglas. Ich werde als dritter an die Reihe kommen. Die Show beginnt.

Alois schlägt sich gut, holt viel in der ersten Runde. Das Duell gegen den Jäger (es ist „der Gigant“ Holger Waldenberger , der mehrere Jahre für die Deutsche Quiznationalmannschaft spielte) gewinnt er, kommt ins Finale. Frederik, der demnächst heiraten möchte, scheitert am Jäger. Mein Auftritt.

Alles auf Autopilot

Ich habe die Sendung bis zum Schreiben dieses Textes noch nicht sehen können. Ich erinnere mich, wie viel Geld ich in der ersten Runde erspielt habe. Welche Fragen dort gestellt wurden? Keine Ahnung! Alles auf Autopilot. Waldenberger bietet mir an der Rateleiter als Alternative zu meinen 4500 Euro lächerliche 45 nach unten und 45000 Euro nach oben an. Ich bleibe. Bin nervös und blicke gespannt auf die Fragen von Bommes, die ich auf einem großen, für den Fernsehzuschauer unsichtbaren Flachbildschirm lesen kann.

Finale zu Dritt. Sabrina hat es auch geschafft. Geht alles schnell. Wird fast „live on tape“ produziert. Es gibt nur minimale Umbaupausen. Wir spielen um 12500 Euro. Der Aufnahmeleiter gibt uns Tipps: „Hände weg vom Buzzer, wenn man die Antwort nicht weiß. Einer sagt dann weiter.“ Gutes System. Die Crew ist für uns, das kleine, vielleicht 50 Personen umfassende Studiopublikum auch. Keine Ahnung mehr, was gefragt wurde. Alles weg. Autopilot.

Hamburger Hauptbahnhof. Ich warte auf den Zug. Rufe zu Hause an und sage, dass ich gerade viel Geld „verloren“ habe. 14 Punkte im Finale haben nicht gereicht. „Der Gigant“ war besser. War klar. Enttäuscht bin ich nicht. Nur verwundert darüber, dass ich mich an kaum eine Frage mehr erinnern kann. Im Frühling sollte ich den Rasen vertikutieren.


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