14.10.2015, 10:27 Uhr zuletzt aktualisiert vor

ZDF feiert heute 500. Sendung „Aktenzeichen XY“: Sabine Zimmermann im Gespräch


Osnabrück. 14 Jahre lang moderierte Sabine Zimmermann „Aktenzeichen XY … ungelöst“ gemeinsam mit Eduard Zimmermann, doppelt so lange arbeitete sie in der Redaktion. Zur 500. Ausgabe haben wir mit der Tochter von „Ganoven Ede“ über einen der großen Klassiker der deutschen Fernsehgeschichte gesprochen.

Kokett durfte sie vor der Kamera nie sein, das passte nicht zur Sendung und hätte ihr Ärger mit ihrem Vater eingebracht. Umso überraschter ist man, als Sabine Zimmermann  mit trällernder Stimme und einem Lachen sagt: „Ich bin blond und über 60, an vieles kann ich mich gar nicht mehr erinnern.“ (Kuriosa und Skandale: Spektakuläre Geschichten aus 500 Folgen „Aktenzeichen XY“)

Das stimmt natürlich nicht – wobei: Fragt man Sabine Zimmermann, welche Fälle sie noch in besonderer Erinnerung hat, tut sie sich tatsächlich schwer. „Da kann ich kaum einen herausgreifen. Mir ist auch jeder Fall an die Nieren gegangen.“

Nach kurzem Nachdenken nennt sie dann allerdings doch ein Beispiel. „Da ist ein Freigänger in ein Haus eingedrungen und hat vom Kind bis zur Großmutter alle vergewaltigt.“ Niemand sei in diesem Fall gestorben, aber dass eine ganze Familie miterlebte, wie jedes Mitglied leiden musste, habe ihr enorm zugesetzt.

Verbrecherjagd seit dem 16. Lebensjahr

Verbrechen und die Suche nach dem Täter haben das Leben von Sabine Zimmermann bestimmt, und das schon, seitdem sie 16 ist. Damals, im Jahr 1967, lief die erste Sendung von „Aktenzeichen XY … ungelöst“.  Weil Eduard Zimmermann „ein Tausendprozentiger war“, konnte sich niemand in der Familie der Sendung entziehen.

„Es war für ihn wirklich eine Lebensaufgabe. Er hat nie einen Roman gelesen, sondern immer nur Fachliteratur.“ Wenn die Familie mal einen Krimi im Fernsehen geguckt habe, sei ihr Vater damit völlig überfordert gewesen. „Er hat sogar Täter und Opfer verwechselt, das war richtig lustig.“

Sieben Jahren beim Erkennungsdienst der Polizei

Nach einer Ausbildung als Fotografin und sieben Jahren beim Erkennungsdienst der Münchener Polizei ging Sabine Zimmermann 1983 in die Firma ihres Vaters, die „Aktenzeichen XY … ungelöst“ produzierte. Die Zusammenarbeit sei nicht immer stressfrei gewesen. „Die Kollegen gucken natürlich genau, was die Tochter macht, und auch von meinem Vater bin ich besonders beobachtet worden. Wenn ich mal einen Fehler gemacht habe, bekam ich auch mehr Ärger als die anderen.“

Für „EZ“, so sei ihr Vater von allen in der Redaktion genannt worden, sei es immer existenziell wichtig gewesen, sich nicht dem Verdacht unseriöser Arbeit auszusetzen. Er habe ihr und der Redaktion eingetrichtert, so sachlich wie möglich an Verbrechen heranzugehen und immer ganz eng mit der Polizei zusammenzuarbeiten.

Beeinflusst wurde Zimmermann dabei sicher auch durch die Vorwürfe, die die Sendung in den ersten Jahren begleiteten. Teile der Öffentlichkeit unterstellten „Aktenzeichen XY … ungelöst“, das Denunziantentum zu fördern, Minderheiten zu diskriminieren und Ängste zu schüren.

Grundbedürfnis zu helfen

„Ich bin mir sicher, die Sendung hätte sich nie so lange gehalten, wenn an diesen Vorwürfen tatsächlich etwas dran gewesen wäre“, sagt Sabine Zimmermann. „Menschen haben ein Grundbedürfnis, zu helfen. Aus meiner Sicht wurde das bedient, und nicht etwa das Verlangen einiger Leute danach, andere zu verpfeifen.“

Dass die Sendung mit ihrem Anliegen erfolgreich war, verraten die nackten Zahlen: Knapp 40 Prozent der bei „Aktenzeichen XY … ungelöst“ vorgestellten Fälle konnten aufgeklärt werden.

Da stellt sich natürlich die Frage, ob die Redaktion auch mal gefeiert hat, wenn ein besonders schweres Verbrechen aufgeklärt wurde. „Man hatte dann ein gutes Gefühl, aber gefeiert wurde nicht. Es hängt schließlich immer eine Tragödie an so einem Fall, und auch der Täter hat ja eine Familie.“

Auftritt beim 50. Geburtstag im Jahr 2017

An der Jubiläumssendung wird Sabine Zimmermann, die sich vor ein paar Jahren freiwillig aus der Redaktion verabschiedet hat, nicht mitwirken. Für 2017 aber, wenn die Sendung 50 Jahre auf dem Bildschirm ist, sei schon fest eingeplant, dass sie noch mal für die Sendung im Einsatz ist. „Wie genau, das müssen wir uns noch überlegen.“

Bis dahin genießt Sabine Zimmermann ihren Ruhestand in München und auf Mallorca, wo sie eine kleine Wohnung hat. Und natürlich sieht sie weiterhin jede Ausgabe von „Aktenzeichen XY … ungelöst“.  „Ich finde, dass Rudi Cerne das supergut macht!“

„Aktenzeichen XY… ungelöst“, Mittwoch, 14. Oktober, 20.15 Uhr, ZDF


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