04.10.2015, 09:00 Uhr

Neue Folgen im ZDF Comeback für „Kommissar Beck“

Ermittelt wieder: Martin Beck, gespielt von Peter Haber. Foto: ZDF/Baldur BragasonErmittelt wieder: Martin Beck, gespielt von Peter Haber. Foto: ZDF/Baldur Bragason

Osnabrück. Raum und Zeit sind relativ, das belegte Einstein 1916. Und auch Kommissar Beck scheinen sie nichts auszumachen: Zwischen 1965 und 1975 schrieben Maj Sjöwall und Per Wahlöö ihre Romane mit der Figur. Verfilmt wurden die Vorlagen aber erst von 1993 bis 2008. Nach sieben Jahren Pause ermittelt der Schwede nun wieder im Fernsehen – und das mit ganz aktuellen Bezügen, die über Landesgrenzen hinweg tragen.

Auch in den neuen Folgen ist es mit der Zeit so eine Sache. Denn einerseits scheint das Tempo, in denen die vier Fälle entwickelt werden, langsam zu sein. Zugleich aber erzählen die Folgen viel, wenn auch nicht viel geredet wird. Die Figuren sind alles andere als holzschnittartig angelegt und haben ein Privatleben, das sich über die Jahre entwickelt hat – und auch in den neuen Folgen mehr als nur eine Randerscheinung für die persönliche Note ist. Dazu zählt das Verhältnis von Beck zu seiner Tochter Inger (Rebecka Hemse) sowie seine Gespräche mit dem Nachbarn (Ingvar Hirdwall), der wie gewohnt mit Halskrause und rotgetönter Brille Weisheiten von sich gibt.

Außerdem gilt immer noch: Bei Beck gibt es keinen allein ermittelnden Superhelden, der sich am Ende siegreich auf die Brust trommelt. Es ist das Team, das die Fakten zusammenträgt und aufschlüsselt, bis der Täter am Ende erkannt wird.

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Langsam erzählt – ja. Langweilig erzählt – nein. Das liegt sicherlich auch daran, dass hier nichts schwarz oder weiß ist. Das betrifft auch die Täter und ihre Motive, die zu Mord oder Totschlag führen. Allein die Bilder sind düster. Was in einer Szene gipfelt, in denen drei Ermittler mit dunkelgrauen T-Shirts vor den dunkelgrauen Fliesen einer Toilette stehen.

Im ersten Fall – „Zimmer 302“ – liegt die 18-jährige Denise erwürgt in einem Stockholmer Hotelzimmer. Die Kreditkarte, mit der das Zimmer 302 bezahlt wurde, gehört einem wohlhabenden Geschäftsmann. Eben dieser Peter Ahre (Niklas Hjulström) wird am Mordabend überfallen und beraubt. Die Spuren führen Martin Beck (Peter Haber), Gunvald Larsson (Mikael Persbrandt) und das restliche Ermittler-Team zum Ex-Freund der Toten, zu Peter Ahres Sohn und weiteren Verdächtigen, bis alles in einem anderen Licht erscheint.

Es war der Anspruch von Maj Sjöwall und Per Wahlöö mit den Fällen auf Missstände in der schwedischen Gesellschaft hinzuweisen. Und auch wenn die Filme ab 1998 nur noch auf Motiven aus ihren Büchern beruhen, so sind es auch solche Bezüge, die die Verfilmungen besonders interessant machen. „Es ist ein äußerst wandelbares Format. Durch den aktuellen Bezug lassen sich die Fälle gut weitererzählen“, meint Frank Seyberth. Der ZDF-Redakteur für internationale Krimis betreut die Entwicklung und Umsetzung der Reihe um Kommissar Beck. „Die Buchentwicklungsphase ist besonders intensiv. Wir sind sehr nah dran an den Autoren“, erzählt Seyberth über die Arbeit der Redaktion, die Vorschläge einbringt und ein Mitspracherecht hat.

Migrationsprobleme und Gefahren des Cyber-Space

Seyberth bescheinigt den schwedischen Drehbuch-Autoren ein gutes Gespür für Themen, die nicht nur in Skandinavien aktuell sind. Er nennt es „Zeitkolorit“ wenn in den Folgen Migrationsprobleme und Gefahren des Cyber Space eine Rolle spielen. Nicht immer sind diese Bezüge sofort zu erkennen, sondern entwickeln sich zum Teil erst im Lauf der Episode oder erscheinen nur am Rande, wie die Eskalation während einer Verhaftung, die Züge annimmt, wie die Ausschreitungen in den Pariser Vororten der vergangenen Jahre.

Warum es sieben Jahre dauerte, bis Kommissar Beck sein Comeback feiern darf, habe einen ganz einfachen Grund, sagt Frank Seyberth: „Peter Haber und Mikael Persbrandt gemeinsam für die Drehzeit zu bekommen, ist nicht einfach. Immerhin sind die beiden international nicht unbekannt.“ Zugleich musste ein neues Autorenteam für die Drehbücher gefunden werden, das aus den Roman-Motiven von Sjöwall und Wahlöö neue Folgen entwickelt. Auch die die Frage der Finanzierung zu klären, habe eine Weile gedauert. Geklärt wurde sie nicht nur für die vier Folgen, die diesen Herbst zu sehen sind. Gedreht wurden bereits vier weitere Episoden, die derzeit im Schneideraum sind. Geplanter Sendetermin: 2016. Für Becksche Verhältnisse ist das ganz schön fix.


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