03.10.2015, 09:11 Uhr zuletzt aktualisiert vor

„DJs - Die neuen Superstars“ Robin Schulz und Co.: Vox zeigt Doku über DJs

DJs sind die neuen Rockstars: der Osnabrücker Robin Schulz legt auf der ganzen Welt auf. Foto: imago/Philippe RuizDJs sind die neuen Rockstars: der Osnabrücker Robin Schulz legt auf der ganzen Welt auf. Foto: imago/Philippe Ruiz

Osnabrück. Gerade für Menschen jenseits der 40 dürfte es schwer zu begreifen sein, aber wir müssen da jetzt gemeinsam durch: DJs sind die neuen Rockstars, viele sind millionenschwer und werden vergöttert. Vox widmet dem Phänomen am Samstag (20.15 Uhr) eine vierstündige Dokumentation. Mit dabei: der Osnabrücker DJ Robin Schulz.

Kleines Quiz zu Beginn: Wer hat in Deutschland zum ersten Mal und gegenüber einer großen Öffentlichkeit zahlreiche Discjockeys gewürdigt? Na? Richtig, es waren die Kirmestechno-Boys von Scooter mit ihrem ersten Hit „Hyper Hyper“.  1995 war das, und gegrüßt wurden damals die DJs der Mayday- und Loveparade-Generation wie Westbam, Sven Väth oder Hell – lauter Leute, die den meisten Hörern von „Hyper Hyper“ vollkommen unbekannt gewesen sein dürften.

20 Jahre später heißen die Star-DJs Avicii, David Guetta  und Robin Schulz , und die kennt jeder, der sich ein bisschen mit Musik beschäftigt. Das liegt vor allem daran, dass die Herren anders als die von Scooter gewürdigten Vorgänger keinen klassischen Techno machen, sondern das, was man heute „Electronic Dance Music“ oder abgekürzt EDM nennt. (Weiterlesen: So klingt Robin Schulz‘ zweites Album „Sugar“)

Techno vs. EDM

Zwar ist Techno offiziell ein Teil dieses Oberbegriffs, der irgendwie alles vereint, was mit Synthesizer und Drumcomputer produziert wird, aber die klassische Technoszene will damit natürlich nichts zu tun haben. Für sie ist EDM nichts anderes als elektronischer Schlager. 

Der Sender Vox widmet sich nun am Samstag vier Stunden lang den neuen Helden an den Plattentellern  – vier ganze Stunden, doch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird der Zuschauer darin nur wenig Erhellendes über das Verhältnis von EDM und Techno erfahren. Die meisten Musikdokumentationen sind nun einmal herrlich oberflächlich.

Die ersten Star-DJs wollten noch die Welt verändern

Gerne hätten wir Definitives verkündet, aber leider hat Vox den Film entgegen fester Zusagen bis Redaktionsschluss nicht fertiggestellt, so dass der Autor über die Mammut-Doku im Grunde nicht viel mehr weiß als der Leser.

Bekannt sind nur die diversen Pressemitteilungen, mit denen der Sender sein Werk angepriesen hat. Diesen Pressemitteilungen entnehmen wir, dass offenbar immerhin ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen vielen der DJs der ersten Generation und den neuen EDM-Stars aufgezeigt wird: Während Westbam oder Sven Väth zumindest ursprünglich den Wunsch hatten, mit ihrer Musik die Gesellschaft zu verändern, spielt das bei David Guetta und Co. nun wirklich keine Rolle mehr.

„Ihr seid eine geile Feiergemeinde!“ 

Doch hier sollte man den deutlichen Hinweis geben, dass die Plattenteller-Veteranen außer banalen Weltverschönerungsformeln auch nicht viel zu bieten hatten. Oder wie hieß noch mal das Motto der ersten Loveparade? Richtig: „Friede, Freude, Eierkuchen.“

Der schon erwähnte Sven Väth hat sich übrigens seinen letzten  - fragwürdigen - Ruhm in Olli Schulz‘ und Jan Böhmermanns Radiosendung „Sanft und Sorgfältig“  mit einigen Einspielern verdient, in denen er seinem Publikum so geistvolle Sachen zuruft wie: „Habt ihr Bock auf Ibiza?“ oder „Ihr seid eine geile Feiergemeinde!“

Robin Schulz und Felix Jaehn - die neuen deutschen Top-DJs

Dann doch lieber so angenehm normale und zurückhaltende DJs wie der Osnabrücker Robin Schulz, der in der Vierstundendoku natürlich nicht fehlen darf. Der 28-jährige Schulz ist schließlich die eine Hälfte der deutschen DJ-Wonderboys, die gerade nicht nur die Clubs, sondern auch die Charts dominieren.

Die andere Hälfte bildet der 21-jährige Hamburger Felix Jaehn, der es in diesem Jahr mit „Cheerleader“ auf Platz 1 in den USA schaffte. Er war damit der erste deutsche Act seit Milli Vanilli im Jahr 1989, wobei sich der deutsche Stolz auf diesen Erfolg aus dem Hause Farian ja sehr in Grenzen hält. 

Tomorrowland - das neue Mega-Festival

Wer übrigens in der Szene mitreden will, sollte unbedingt Festivals wie das „Tomorrowland“ wenigstens dem Namen nach kennen, unter den Electro-Freaks fällt man sonst sofort durch.

Wenn die Musik dort auch nicht mehr so monoton stampfend ist, wie sie es bei den früheren Techno-Großveranstaltungen oft war, hat sich aber eines nichts geändert: Es werden Drogen, vor allem aus der Stoffgruppe der Amphetamine, in einem Ausmaß konsumiert, dass es nur so kracht.

Drogen? Oh ja!

Wenn die Star-DJs auflegen, dann tun sie das also immer auch für eine große Zahl von Menschen, die in diesem Moment auch Polka tanzen würden, weil das Dopamin in ihrem Kopf unabhängig von der Musik eine substanzinduzierte Mega-Party feiert.

Ob die Vox-Dokumentation wohl auch dieses heikle Thema näher beleuchtet?


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