18.09.2015, 19:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Das steckt hinter dem Erfolg ARD-Serie „Sturm der Liebe“ wird 10 Jahre alt


München. Die ARD-Serie „Sturm der Liebe“ ist die erfolgreichste Telenovela Europas. Am Samstag, 26. September, jährt sich die Ausstrahlung der ersten Folge zum zehnten Mal – und das, obwohl die Serie ursprünglich nur auf 100 Folgen angelegt war.

Das Nachmittagsprogramm im deutschen TV ist ein Sorgenkind. Die ARD schafft es dennoch zuverlässig, zwischen 15.10 Uhr und kurz vor 16 Uhr dem Quotenverfall zu trotzen. Die heimatromantisch anmutende Serie „Sturm der Liebe“ verzeichnet nicht nur einen Marktanteil von konstant über 20 Prozent, jede Folge wird auch zwischen 120000 und 150000 Mal in der Mediathek des Senders abgerufen.

Paare, die ein Jahr brauchen, sich zu finden

Schauplatz der Serie ist das oberbayerische Fünf-Sterne-Hotel „Fürstenhof“. Es liegt im fiktiven Dorf Bichlheim, dies wiederum soll sich unweit von Bad Tölz befinden. Die Handlung dreht sich um die Mitglieder der Familie Saalfeld, Inhaber des Hotels, und deren Angestellte. Im Mittelpunkt jeder Staffel steht jeweils ein Paar, das ungefähr ein Jahr benötigt, um zusammenzufinden.

Telenovela mit ihren eigenen Regeln

Die Telenovela hat hier ihre ganz eigenen Regeln: Wer eine der beiden Hauptrollen ergattert, muss am Ende der Staffel seinen Hut nehmen. Das Traumpaar verlässt den Fürstenhof traditionell direkt nach der Hochzeit. Kanada, Frankreich, Tansania, Italien , Österreich, Belgien, Italien, Tschechien und Portugal sind beliebte Auswandererziele. Nur das Traumpaar aus Staffel sieben, Theresa Burger und Moritz van Norden, musste mit Porta Westfalica vorliebnehmen. Aber da soll es ja auch ganz nett sein.

Modernes Märchen

Die Sturm-Autoren inszenieren ihre Geschichten als modernes Märchen: Da ist das hässliche Entlein, dass sich bis zum Staffelende zum schönen Schwan entwickelt. Oder die böse Stiefmutter, die das Glück ihrer Tochter zu boykottieren versucht. Dem Zuschauer wird aber schon im Vorspann vermittelt, dass die Geschichte zu einem Happy End führt. Dazu werden zwischen den Szenen immer wieder traumhafte Alpenlandschaften gezeigt – fertig ist das Märchen fürs Nachmittagsprogramm, das die Zuschauer zwischen zwei Tagesschau-Ausgaben in eine heile Welt entführt.

Bucklige Lisa findet ihren Traummann

„Wenn ich eine Hauptfigur habe, um die sich niemand sorgt, weil sie dasteht wie ein Baum, macht es einem die Geschichte natürlich nicht leichter“, sagt Peter Süß, Chefautor der Serie, zu seiner Erzählform. Einfacher lässt sich da eine Geschichte wie die der aktuellen Staffel skizzieren: Die bucklige Luisa findet ihren Traummann, wird durch eine Erbschaft unerwartet reich und misstraut fortan den guten Absichten der Männer. „Das hilft uns für die Geschichte, dass sie es mit einem gewissen Misstrauen aufnimmt, wenn Männer um sie werben“, so Süß.

„Dem Zuschauer ist unbewusst klar, dass eine Frau mit einem sehr stark ausgeprägten körperlichen Makel es nicht so leicht gehabt haben wird.“ Heiraten wird Luisa ihren Traummann natürlich wohl ohne Buckel: „Man kann damit rechnen, dass es am Ende der Staffel ein bisschen anders um ihren Makel bestellt ist“, sagt Süß. Der Fürstenhof-Arzt Dr. Niederbühl wird sicher auf eine revolutionäre Operationsform stoßen.

Intrigen und Missverständnisse

Neben den Irrungen, Intrigen und Missverständnissen, die es für die beiden Protagonisten zu überwinden gilt, spielen sich im Luxushotel zahlreiche weitere Geschichten ab, die von einer breiten Stammbesetzung getragen werden. Seit der ersten Folge dabei sind Dirk Galuba als Hotelmiteigentümer Werner Saalfeld, Mona Seefried als seine Exfrau Charlotte, Sepp Schauer als Chefportier Alfons Sonnbichler und Antje Hagen als dessen Frau Hildegard.

Team von 40 Autoren

„Am 1. Mai 2005 haben wir mit der Entwicklung angefangen, Ende September waren wir auf dem Bildschirm“, sagt Süß. Der Chefautor hat die Serie gemeinsam mit Produzentin Bea Schmidt entwickelt. Er ist der Kopf eines Teams von 40 weiteren Autoren, die die Geschichten rund um den Fürstenhof erfinden. „Teamwork ist das Zauberwort. Irgendjemand hat immer eine Idee – dann kann man es verwerfen, ändern oder weiterspinnen. Das ist eine sehr gute Art und Weise, Geschichten zu entwickeln.“

Sturm der Liebe unter Top 10 der werbewirksamsten Staffeln

2303 Folgen wurden bisher ausgestrahlt, und „Sturm der Liebe“ ist heute unter den Top 10 der 100 werbewirksamsten Serientitel Europas, hinter Exportschlagern wie „CSI: Miami“ oder „ How I met your Mother “. Die Serie wurde in mehr als 20 Länder verkauft und läuft derzeit erfolgreich unter anderem in Polen, Finnland und Belgien. In Mexiko wurde die Serie nachproduziert,, in vielen Ländern wird sie synchronisiert. in Skandinavien zeigt man sie mit Untertiteln. Auch die Italiener lieben die seichten Geschichten aus der oberbayerischen Provinz – dort Italien stürmt es zur besten Sendezeit im Abendprogramm.

Elfte Staffel gestartet

Seit einigen Wochen läuft die elfte Staffel, und ein Abflauen des Sturms ist nicht abzusehen: „Hauptgeschichten mit starken Hindernissen zu entwickeln, die ein Jahr lang tragen, wird mit der Zeit nicht leichter“, räumt Süß ein. „Das ist immer wieder eine Herausforderung. Im Oktober werden wir ihr das nächste Mal begegnen müssen, dann entwickeln wir nämlich die zwölfte Staffel.“ „Future“ nennen die Autoren dieses Projekt, in dem sie einen groben Handlungsablauf für die im Sommer 2016 beginnende nächste Staffel festlegen. „Das heißt aber nicht, dass die Geschichte bereits in allen Einzelheiten feststünde. Wir entwickeln ja hier im Team jede Woche einen Block, das sind 5 Folgen, und da weichen wir auch mal von Dingen ab, die wir zuvor bei den Futuretagen aufgeschrieben haben“.

Geschichten-Verschlingmaschine

Rund 45 Minuten dauert jede Folge (hinzu kommen die eingestreuten Landschaftsaufnahmen), Süß bezeichnet die Serie dementsprechend als „Geschichten-Verschlingmaschine“. „Jeden Tag müssen neue Geschichten her, muss ein möglichst starker Cliffhanger gefunden werden. Deshalb haben wir zweimal im Jahr diese Konferenzen, wo wir eine Woche lang mit unseren besten Autoren grob die Geschichten festlegen. So haben wir quasi ein Geländer, an das wir uns zwar nicht klammern müssen, das uns aber doch eine Richtung vorgibt.“

Große Explosion in Folge 1382

Seit dem 5. Oktober 2011 wird „Sturm der Liebe“ in HD-Qualität gesendet. Dafür wechselte das Produktionsteam das Studio auf dem Bavariafilmgelände. Fortan wurde in dem alten Studio der Serie Marienhof gedreht, die eingestellt worden war . Da für den Umstieg auf HD entsprechend neue Kulissen hermussten, dachten sich die Autoren eine spektakuläre Geschichte aus. In Folge 1382 gab es eine große Explosion im Fürstenhof, bei der weite Teile der Inneneinrichtung zerstört wurden. Ein Zeitsprung in der Anschlussfolge schloss den Kreis: Die Fürstenhofler hatten ihr Hotel in mühevoller monatelanger Arbeit wiederaufgebaut, und es erstrahlte in neuem Glanz. Und eben zudem noch in HD. So macht man das beim Fernsehen. Mindestens acht Regisseure begleiten die Produktion, täglich arbeiten zwei von ihnen bei Dreharbeiten parallel, einer im Studio, einer beim Außendreh. Nur so ist das Pensum zu bewältigen, täglich werden 48.30 Minuten produziert.

Kein Ende für Sturm der Liebe in Sicht

Ein Ende des Sturms ist nicht in Sicht: „Ich höre nicht, dass irgendjemand müde sei“, sagt Süß im Hinblick auf schon etwas ältere Darsteller wie Antje Hagen (77) oder Dirk Galuba (75). In Interviews betonen viele Darsteller die familiäre Situation am Set. „Ich glaube, es gibt mittlerweile ein Dutzend ,Sturm-der-Liebe-Kinder‘ von Paaren, die sich hier in der Produktion kennengelernt und Familien gegründet haben“, verrät Süß. Zuletzt haben Samuel Koch und seine Verlobte Sarah Elena Timpe am Set zueinandergefunden. „Ich frage mich ja auch immer, inspiriert die Soap das Leben oder das Leben die Soap? Man weiß es nicht.“ (Serienjunkies finden hier noch mehr Informationen)


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