03.05.2015, 14:33 Uhr

Faber deutlich entspannter „Tatort“ heute aus Dortmund: 5 Sterne für „Schwerelos“


Osnabrück. Der „Tatort“ kommt heute aus Dortmund: In der Folge „Schwerelos“ erleben wir einen spürbar entspannteren Kommissar Faber als bisher. Die Probleme haben seine Kollegen. In der Wertung gibt‘s fünf Sterne.

Nein, dieser „Tatort“ aus Dortmund ist kein Thriller, dessen knisternde Spannung die Zuschauer vor dem Bildschirm fesselt. Kein Shootout, bei dem die Leichenzähler nicht mehr mitkommen. Und ganz bestimmt kein Schmunzelkrimi, der die Schenkelklopferfraktion im Publikum in Ekstase versetzt. Großartig ist er dennoch, und zwar, weil er etwas hat, was vielen anderen Filmen auf diesem Sendeplatz abgeht – Gefühl abseits jeglicher Gefühligkeit.

Da ist die Kommissarin Martina Boenisch ( Anna Schudt ), die von der Sorge um ihren vermissten 15-jährigen Sohn ins Krankenhaus getrieben wird und dort miterleben muss, wie dort ein schwerstverletzter junger Mann von Unbekannten vor der Pforte abgeladen wird. Da drischt ihr vom Schicksal gestrafter Chef Peter Faber (Jörg Hartmann) zum Spannungsabbau neuerdings auf Tennisbälle statt auf Autowracks ein und entwickelt sogar echtes Mitgefühl für den Sohn des Schwerstverletzten. Und da gibt es die jungen Kollegen Nora Dalay (Aylin Tezel) und Daniel Kossik (Stefan Konarske), deren Beziehung spätestens durch die Abtreibung des gemeinsamen Kindes zum Trümmerfeld geworden ist. Zusammenarbeiten müssen sie dennoch. In diesem Team ist Faber zwar der Chef, spielt diesmal aber nicht die erste Geige. Dafür wirkt er entspannter als in den bisherigen Folgen .

Drehbuchautor Ben Braeunlich beschreibt diese Entwicklung gegenüber unserer Redaktion aus seiner Sicht: „Die Idee war, besonders Faber in eine neue Richtung zu schicken, ihn weicher und von einer menschlicheren Seite zu zeigen – und gleichberechtigter zu den anderen drei Kommissaren zu erzählen. Außerdem war - meiner Meinung nach - Fabers persönliches Drama nach dem vierten Fall recht auserzählt. Die Frage nach den wirklichen Wünschen, den Perspektiven der Figur fand ich einfach interessanter – und seinen Blick nicht nach hinten, sondern einmal nach vorn zu richten. Und ihn ruhiger zu machen.“

Alle zusammen müssen nicht nur ihre privaten Probleme meistern, sondern auch einen sonderbaren Fall lösen: Der junge Mann ist offenbar aus großer Höhe auf dem Boden aufgeschlagen, er wird es nicht mehr ins Leben zurück schaffen, sondern Frau und Sohn hinterlassen. Aber wer hat ihn ins Krankenhaus geschafft? Ins Visier der Ermittler gerät vor allem seine Fallschirmspringer-Clique, die gern mal als Base-Jumper von hohen Häusern statt aus Flugzeugen springt, um sich den ultimativen Kick zu holen. Dem Tod ins Auge zu sehen ist für sie vor allem ein großer Spaß.

Vier Kommissare, die alle ein privates Päckchen zu tragen haben - das mag dem einen oder anderen Zuschauer zu viel des Mühsamen und Beladenen sein. „Tatort“-Neuling Ben Braeunlich (Drehbuch) und Regisseur Züli Aladag („Wut“) gelingt es jedoch, aus ihren vielen Fäden einen dicken, starken Strang zu formen. Und einen Krimi zu zeigen, der trotz aller privaten Bodenwelllen nie seinen eigentlichen Fall aus den Augen verliert. So ganz nebenbei haben Aladag und sein Kameramann Yoshi Heimrath auch noch etliche ästhetisch faszinierende Bilder einer alten Industrieruine eingefangen, die ihrem Film einen intensiven, aber nie aufdringlichen Ruhrgebiets-Appeal verpassen.

Für Drehbuchautor Braeunlich hingegen war sein erster „Tatort“ nicht nur eine reizvolle, sondern auch eine nicht ganz leichte Aufgabe: „Grundsätzlich halte ich den Dortmunder ,Tatort‘ eigentlich für ein eigenes Format innerhalb der Marke - handelt es sich hier doch eher um ein Workplace Drama als um einen klassischen Krimi. Die Kommissare nehmen so unglaublich viel Platz ein, dass die eigentliche Fallhandlung ziemlich kurz kommt - was bei der Bearbeitung des Buches zu großen Problemen führt, die man erst einmal lösen muss.“

Lust auf mehr verspürt er dennoch: „Natürlich würde ich perspektivisch in der Marke gerne weiterarbeiten. Ob das nun Dortmund wird, muss man sehen…“ Der „Tatort“, so das Urteil nach dieser Folge, könnte davon nur profitieren.


Tatort: Schwerelos - ARD, Sonntag, 3. Mai, 20.15 Uhr

Wertung: 5 von 6 Sternen


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