13.04.2015, 17:17 Uhr

AMC-Serie ein Quotenhit Warum ist „The Walking Dead“ so erfolgreich?

Kampf ums Überleben: Hauptfigur Rick Grimes (Andrew Lincoln, l.) und Daryl Dixon (Norman Reedus) wehren sich in „The Walking Dead“ gegen Zombies. Foto: Frank Ockenfels 3/AMCKampf ums Überleben: Hauptfigur Rick Grimes (Andrew Lincoln, l.) und Daryl Dixon (Norman Reedus) wehren sich in „The Walking Dead“ gegen Zombies. Foto: Frank Ockenfels 3/AMC

Osnabrück. Kaum jemand hätte vor fünf Jahren geahnt, dass eine Serie über Zombies die erfolgreichste Serie aller Zeiten im Kabelfernsehen sein wird. „The Walking Dead“ sprengt mit jeder Staffel neue Zuschauerrekorde, doch was ist so faszinierend an der dystopischen Serie des US-Senders AMC? Die Zombies sind es jedenfalls nicht. Oder nur geringfügig.

17,3 Millionen Zuschauer holte die Auftaktfolge der fünften Staffel von „The Walking Dead“ in den USA vor die Bildschirme. Elf Millionen Zuschauer in der werberelevanten Zielgruppe der 18- bis 49-Jährigen sahen die Episode „Keine Zuflucht“ im Herbst 2014. „The Walking Dead“ hat ohne Zweifel den Quotenthron bestiegen. Auch in Deutschland war die fünfte Staffel, die am 30. März 2015 endete, auf dem Pay-TV-Sender Fox Deutschland so erfolgreich wie keine Serie zuvor. Das Staffelfinale holte bei Fox eine Quote von 0,34 Millionen Zuschauer.

Dabei scheinen Zombies nicht wirklich in den Mainstream-Geschmack der Zuschauer zu passen, immerhin war die vorher erfolgreichste Serie aller Zeiten eine Krimi-Serie, Navy CIS. Krimis gehen immer, auch Comedy wie „The Big Bang Theory“ begeistert die Massen. Aber doch keine Zombies.

Zombies spielen nur eine gruselige Nebenrolle

Und um die Zombies geht es dann auch nicht wirklich. Gut, eine mysteriöse Krankheit verwandelt alle Toten in Untote, die menschliche Gesellschaft taumelt also dem Abgrund entgegen. Und ja, es werden zahlreiche Zombies gemetzelt und ekelig vom Maskenbildner Greg Nicotero in Szene gesetzt, er wurde für seine Arbeit in zahlreichen Hollywood-Filmen mehrfach ausgezeichnet und haucht auch den Untoten in „The Walking Dead“ einen prägnanten Stil ein. Dennoch spielen die Zombies nur eine Nebenrolle. Menschliche Konflikte stehen im Mittelpunkt.

Das bestätigt auch Christian Junklewitz. Der Redakteur beim Experten-Portal serienjunkies.de ist zwar kein fanatischer Fan der Zombie-Action, zollt „The Walking Dead“ aber Respekt. „Zombiefilme gibt es viele, in Serienform wurde dieses Thema aber noch nie so behandelt“, erklärt er im Interview mit unserer Redaktion. Die Serie ins Leben zu rufen 2010 war vielleicht kein großes Risiko, weil die Comicvorlage von Autor Robert Kirkman bereits eine große Fangemeinde verbuchen kann. Eine gewisse Zuschauerschaft sei also von vornherein vorhanden gewesen, so Junklewitz. (Worum geht‘s in Robert Kirkmans neuem Horror-Comic „Outcast“? Und wann kommt die Serie?)

Hoher Produktionsaufwand für „The Walking Dead“

Doch der ganz große Erfolg rühre daher, dass die Serie „wahnsinnig ungewöhnlich“ sei und mit unglaublichem Aufwand produziert wird. Die Produzentin Gale Anne Hurd hat Junklewitz in einem Interview das Erfolgsgeheimnis der Drama-Serie erklärt: Bei all den Schrecken, die es in der Welt gibt, ist das Schauen einer Zombieapokalypse die Art, wie der Zuschauer die Realität verarbeiten kann. Hurd hat Erfahrung mit dystopischen Filmen: Sie war als Produzentin zusammen mit ihrem Ex-Mann James Cameron zuständig für den Erfolg von „Terminator“ mit Arnold Schwarzenegger. (Weiterlesen: Sechs Gründe, warum „The Walking Dead“ Mist ist)

Das Eintauchen in andere Welten, um die Schrecken der Realität zu verarbeiten und für einen Moment zu vergessen, ist ein plausibler Grund, warum „The Walking Dead“, wie auch die Fantasy-Serie „Game of Thrones“ , so unglaublich beliebt zurzeit ist. Die Frage, wie sich Menschen verhalten angesichts des täglichen Überlebenskampfes, und wie sie eine neue Form der Gesellschaft bilden, sind zentrale Aspekte. Doch es steht und fällt auch mit den Schauspielern. In „The Walking Dead“ halten sich die Verantwortlichen grundlegend an die Comicvorlage, schaffen aber auch neue Figuren, die Kult werden.

Daryl Dixon ist Kult – in den Comics existiert er nicht

Wie der Außenseiter Daryl Dixon, der vor der Apokalypse ein Niemand war, Drogen nahm und auf die kriminelle Schiene zu rutschen drohte. In Staffel 1 noch als Nebendarsteller deklariert, erarbeitete sich Schauspieler und Ex-Model Norman Reedus schnell eine Fangemeinde, die einen Aufstand angedroht hat, lassen die Autoren den schmutzigen, grundehrlichen und loyalen Motorradfan sterben.

Andrew Lincoln überzeugt als Rick Grimes

Dreh- und Angelpunkt der Serie ist aber die Hauptfigur Rick Grimes, ein Polizist, der aus dem Koma aufwacht und sich in einer Welt voller Untoter wiederfindet. Auf der Suche nach seiner Familie findet er Menschlichkeit und Verrat, bleibt aber nicht nur am Leben, sondern führt eine Gruppe an, um in dieser fremden Welt irgendwann einmal nach Hause zu kommen. Rick Grimes wird vom britischen Schauspieler Andrew Lincoln verkörpert, den zumindest kaum ein US-amerikanischer Fan vor ein paar Jahren kannte.

Bekannt wurde Lincoln mit dem romantischen Episodenfilm „Tatsächlich... Liebe“. Kurz vor „The Walking Dead“ trat er in der Mini-Serie „Strike Back“ als zwiespältiger Agent des britischen Geheimdienstes MI6 auf und als Gegenspieler von Richard Armitage, bekannt aus der „Hobbit“-Trilogie. Dort sammelte er erste Action-Erfahrungen, dennoch schien der Sprung zu einer Zombie-Serie recht weit.

Mit seiner Darstellung des spießigen Polizisten, der verzweifelt an seiner Menschlichkeit festhalten will, obwohl seine raue Umwelt ihn dazu zwingt, grausame Entscheidungen zugunsten seiner Familie zu treffen, eroberte er nicht nur die Herzen der Comic-Fans. Auch seiner glaubwürdigen Darstellung ist es zu verdanken, dass „The Walking Dead“ ein Erfolg wurde.

„The Walking Dead“ machte Lincoln berühmt

Auch wenn es zurzeit ein Trend ist, wie Serienjunkie Christian Junklewitz sagt, prominente Schauspieler für Serien zu engagieren wie Kevin Spacey für „House of Cards“ oder Kevin Bacon für die Thriller-Serie „The Following“, der AMC-Serie stehen die vormals unbekannten Schauspieler gut zu Gesicht. Denn mit ihnen assoziiert der Zuschauer keine bestimmte Rolle, sondern kann sich ganz auf die Entwicklung der Charaktere einlassen.

In diesem Fall hat die Serie also neue Stars hervorgebracht, die zumindest für eine sechste Staffel wieder vor der Kamera stehen werden. Und bei den Serien-Lieblingen wie Rick Grimes und Daryl Dixon ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie demnächst das Zeitliche segnen. Auch wenn überraschende Tode zum Konzept von „The Walking Dead“ gehören, die Hauptfiguren binden das Publikum.

Tausende Fans bei Facebook

Dramatische Cliffhanger wird es aber weiterhin geben, das ist auch ein Teil des Erfolgs. In Zeiten, in denen die Zuschauer oft viele Folgen am Stück gucken, das sogenannte Binge Watching betreiben, sind Cliffhanger essenziell, um am Ball zu bleiben und gleich die nächste Episode anzuschalten. Das führt auch oftmals zu Diskussionen, wie es denn nun weitergeht. In vielen Fanforen und Facebook-Gruppen wird leidenschaftlich während der Ausstrahlung einer Staffel diskutiert, wie es weitergehen könnte, und ist eine Staffel zu Ende, gehen gleich die Spekulationen über die nächste Staffel los. Wie groß der Bedarf am Austausch ist, zeigen zwei deutsche Facebook-Seiten, die jeweils knapp 600.000 Fans haben: The Walking Dead German Webfanside und The Walking Dead Germany. Dazu gehören noch zwei geschlossene Gruppen, in denen munter über Spoiler gesprochen wird. Außerdem gibt es Fan-Treffen, sogenannte Conventions, auf denen man sich mit den Schauspielern trifft und als Zombie schminken lassen kann.

Um weiter auf der Erfolgsspur in Sachen Zombies zu bleiben, hat der US-Sender AMC jetzt ein sogenanntes Spin-off, also eine zusätzliche Serie, zu „The Walking Dead“ in Auftrag gegeben. Zombies sind also längst nicht mehr ein Thema nur für Nerds.


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