07.04.2015, 17:08 Uhr

Einsam und deswegen glücklich Jürgen Domian möchte weiter talken – Suche nach dem Besonderen

Die Zukunft fest im Blick: Jürgen Domian möchte auch weiterhin talken. Foto: dpaDie Zukunft fest im Blick: Jürgen Domian möchte auch weiterhin talken. Foto: dpa

Osnabrück. Allen Schlaflosen, die derzeit in Radio und Fernsehen vergeblich nach „Domian“ suchen, sei nach den Meldungen der vergangenen Wochen zur Beruhigung gesagt: Der Night-Talker hat seinen Job keineswegs schon jetzt an den Nagel gehängt. Was nach dem Aus seiner Sendung kommt – darüber hat er schon klare Vorstellungen.

Domian macht nur Pause bis zum kommenden Montag. Danach ist er wieder auf Sendung. Noch bis Ende kommenden Jahres. Dann soll nach knapp 22 Jahren Schluss sein. So hat Jürgen Domian es angekündigt. Weshalb der 57-jährige Interviewern endlich nicht mehr erklären muss, wie lange er diesen Job eigentlich noch machen will.

„Eigentlich“, so Domian im Gespräch mit unserer Redaktion, „hat man mich das schon ab dem zweiten Jahr der Sendung gefragt, und natürlich habe auch ich zwischendurch immer wieder überlegt, wie lange ich die Show moderieren will. Aber es lief und läuft halt so gut.“ Von einer Müdigkeit nach den ganzen Jahren ist bei Domian keine Spur: „Diese Sendung war und ist absolut mein Ding, und auch nach 20 Jahren gehe ich jeden Abend mit großer Freude und Neugier in den Sender.“

Am 3. April 1995 meldete sich der Journalist auf dem Radiosender 1Live und parallel im WDR Fernsehen zum ersten Mal zu Wort, um sich die Sorgen und Nöte der Anrufer anzuhören. Rund 20000 Live-Gespräche hat er seitdem geführt. Fast genau so viele Redebedürftige versuchen jede Nacht, zu ihm durchzudringen. Jedoch nur etwa 150 Anrufer schaffen es bis in die Redaktion, von denen dann maximal sieben durchgestellt werden. (Weiterlesen: Sex, Tod, Krankheit: 20 Jahre Anrufsendung „Domian“)

„An den Gerüchten nichts dran“

Rund 50000 Fans hören und sehen dem Journalisten Nacht für Nacht dabei zu. Entsprechend groß war die Resonanz, als er unlängst seinen Abschied Ende 2016 ankündigte. Schnell kamen Gerüchte auf, dass der Rückzug vielleicht nicht ganz so freiwillig sein könnte, wie es die Meldung des WDR erklärt hatte. Der Sender hatte auch beim angekündigten Aus von „Zimmer frei!“ von „beiderseitigem Einvernehmen“ gesprochen, bis Christine Westermann öffentlich erklärte, der WDR habe ihr aufgrund ihres Alters den Ausstieg nahegelegt.

Dass es bei Domian ähnlich gelaufen ist, bestreitet dieser entschieden: „An diesen Gerüchten ist absolut nichts dran. An mich ist niemand herangetreten, um mir meinen Abschied nahezulegen. Es ist mein eigener Entschluss. So gern ich diesen Job mache, möchte ich nach 22 Jahren endlich mal wieder einen ,normalen‘ Tagesablauf haben und am Vormittag die Sonne sehen.“

Was man verstehen kann. Zumal jeder Arbeitsmediziner bestätigen kann, dass regelmäßige Nachtschichten über solch einen langen Zeitraum unweigerlich ihre Spuren hinterlassen. Und Jürgen Domian ist nach eigenem Bekunden niemand, der kurz vor Sendebeginn lässig ins Studio schlurft und nach Erlöschen des Rotlichts auch schon wieder weg ist.

Seinen Tagesablauf beschreibt er so: „Nach der Sendung gibt es noch eine rund einstündige Besprechung mit meinem Team. Danach fahre ich nach Hause und versuche das Adrenalin abzubauen. Ich lese, surfe oder gucke TV. Erst gegen 5.30 Uhr gehe ich dann ins Bett. Früher geht einfach nicht. Nach dem Aufstehen am Nachmittag beginne ich um 18 Uhr mit den Vorbereitungen auf die nächtliche Sendung. Gegen 23 Uhr fahre ich dann in den Sender.“Auch die Vermutung, dass sich in zwanzig Jahren doch so etwas wie Routine eingestellt haben müsste, die ihn das Ganze etwas entspannter angehen lassen könnte, weist er zurück: „Ich pflege während der Sendewoche so gut wie keine privaten Kontakte. Theoretisch könnte ich mich ab und zu mal am frühen Abend verabreden oder ins Kino gehen, aber das funktioniert nicht. Ich hätte den Kopf dafür nicht frei.“ (Weiterlesen: Hackfleisch-Liebe – Highlights aus 20 Jahren „Domian“)

Lappland als Urlaubsort

Und wer meint, dass es so einen berufsbedingt Vereinsamten dann doch zumindest in den Ferien drängen müsste, mit Freunden auf große Tour zu gehen, liegt bei dem Night-Talker falsch. Ihn zieht es auch im Sommer immer wieder in die Einsamkeit. „Lappland“, so Domian, „habe ich vor zehn Jahren für mich entdeckt. Dort verbringe ich seitdem regelmäßig meine Sommerferien. Ich miete mir eine Hütte im Wald, lese und wandere viel und bin ganz für mich allein. Die Phasen der Einsamkeit genieße ich, denn obwohl ich unter der Woche kaum dazu komme, private Freundschaften zu pflegen, bin ich durch meinen Job doch mit vielen Menschen zusammen und rede sehr viel. Die Ruhe in Lappland tut mir einfach gut, und anschließend kehre ich immer total entspannt nach Köln zurück.“ Nur im vergangenen Sommer machte er eine Ausnahme und ließ sich von einem Filmteam in den hohen Norden begleiten. Die dabei entstandenen Aufnahmen sind Teil eines 90-minütigen dokumentarischen Porträts, das in diesem Jahr in die Kinos kommen soll.

Und wie stellt sich Jürgen Domian seine berufliche Zukunft vor? „Ich möchte weiter talken. Nach über 20000 geführten Interviews am Telefon würde ich meine Gesprächspartner aber dann auch gerne sehen. Mich würde es reizen, mit Menschen zu sprechen, die in der Öffentlichkeit zwar niemand kennt, die aber eine außergewöhnliche Biografie haben oder eine spannende Geschichte erzählen können.“ (Weiterlesen: Nachttalker Jürgen Domian hört Ende 2016 auf)


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