25.03.2015, 08:31 Uhr

Nervensägen und Logiklöcher Sechs Gründe, warum „The Walking Dead“ Mist ist


Osnabrück. Alle lieben die Zombie-Serie „The Walking Dead“. Wirklich alle? Nein. Hier nun sechs Gründe, warum die Serie Mist ist.

Seit 2010 torkeln die Untoten von „The Walking Dead“ über die Mattscheiben der Welt – und erfreuen sich großer Beliebtheit. Allerdings nicht bei jedem Zombie-Fan… Achtung: Spoiler:

Grund 1: Der Anfang ist geklaut

Rick wacht im Krankenhaus auf. Alles ist zerstört und verwaist. Er torkelt herum, hört Grummeln hinter einer Tür und sucht sich seinen Weg raus. Ja, der Anfang von „The Walking Dead“ ist sehr stimmungsvoll. Aber er ist geklaut, und das schon im seit 2003 erscheinenden Comic: 2002 lief in den Kinos der britische Endzeit-Horror-Thriller „28 Days Later“ (hier geht es zum Trailer) von Danny Boyle („Slumdog Millionär“), in der die Hauptperson ebenfalls nach langem Koma in einem völlig verlassenen und verwahrlosten Londoner Krankenhaus aufwacht, herumirrt und gar nicht weiß, was mit der Welt geschehen sein mag. Ein starker Anfang für einen großartigen Film. Kann man ja mal übernehmen, oder? (Weiterlesen: Der Zombiekult als Kultkino: Die Untoten auf der großen Leinwand)

Grund 2: Walker statt Zombies?

In der Serie geht es um Tote, die wieder zum Leben erweckt werden. Solche Gestalten nennt man Zombies. Überall. Aber: Niemand in „The Walking Dead“ spricht von Zombies, stattdessen ist man auf der Hut vor den untoten „Walkern“ oder „Beißern“. Warum? Wird nie erklärt. Wie sollte man diese sich von jeglichem popkulturellen Kontext abweichende Wortwahl auch logisch erklären? (Weiterlesen: Zombies auf Speise-und Weltkarten)

Grund 3: Reaktionäres Grundkonzept

Zombies waren im besten Fall immer schon mehr als infektiöse Untote, die hungrig auf die Lebenden sind. Im Romero-Klassiker „Tag der lebenden Toten“ standen sie für eine Nation voller Rassenhass, in „Dawn of the Dead/Zombies im Kaufhaus“ für eine von Konsum und Angepasstheit verblödete Masse Mensch. Zombies stellten die Werte der Gesellschaft infrage und warfen diese um: Schwarze durften überleben, Kinder wurden zu Monstern und Frauen griffen zu den Waffen und mussten nicht gerettet werden. Und bei „The Walking Dead“? Da kümmern sich die Frauen im Camp und Abwasch und Wäsche, während die Männer auf Jagd gehen. Das ist wie bei den „Fünf Freunden“ von Enid Blyton, nur dass es da wenigsten schon Tom-Boy Georg(ina) gab. Hier hingegen blieben die Strukturen in den ersten Staffeln beim alten und die Frauen keiften die schwitzenden und schweigenden Männer an. Gähn. Erst der Tod einer Hauptfigur (siehe Grund 5) in der dritten Staffel sorgte für die weibliche und sogar schwarze Heldin Michonne, die mit einem Samurai-Schwert gegen die Toten kämpft. Cool, wenn auch wieder etwas geklaut aus dem Buch „World war Z“ …

Grund 4: Frauen ohne Achselhaare

Wo wir schon bei den Frauen sind: Sie sind trotz Überlebenskampf gegen die Zombies, äh Walker so auf ihre saubere Weiblichkeit fixiert, dass ihnen nicht einmal Achselhaare wachsen - oder sie genug Rasierer gehortet haben, um sich diese schön glatt zu rasieren. Damit befinden sie sich leider in guter Gesellschaft, in der - aller Logik zum Trotz - die weiblichen Darstellerinnen in Endzeitfilmen oder -Serien zwar etwas abgefuckt, aber bitte nicht zu animalisch aussehen dürfen. Schön zusammengefasst haben das die Macher von Buzzfed in einer Aufzählung über „12 weibliche Charaktere, die sich trotz konstanter Gefahr rasieren.“

Grund 5: Nervensäge Lori

Alle hassen Lori Grimes, Ricks untreue, ewig meckernde Frau, die es immer wieder schafft, ihren Sohn zu verlieren und rumzunerven. Gut, mit einer Schreckschraube dieses Formates ist es schwierig, eine Lanze für den Feminismus nach der Apokalypse zu brechen. Und nicht einmal ihr Serientod verschont die Zuschauer vor Auftritten ihrer Geistererscheinung. Sie ist zwar nicht die einzige Nervensäge, aber da die anderen wie die Fliegen sterben und dann auch nicht „zurückkehren“ lohnt es sich gar nicht, über den Rest zu schreiben…

Grund 6: Logiklöcher

Psst versus Brumm: Man jagt mit Pfeil und Bogen, geht stillschweigend auf die Jagd – und braust dann doch mal eben lautstark mit gefundenen Autos durch die Zombiekalypse. Woher die Gruppe das Benzin für die fetten Benzinschleudern – SUVs und alte Kombis – hat, wird seit einigen Staffeln schon gar nicht mehr versucht, logisch zu erklären. Tja: Irgendwie muss das Product-Placement ja eingebaut werden in eine Welt, in der es nichts mehr gibt. Hauptsponsor ist – wie jeder sofort sieht – Hyundai. (Worum geht‘s in Robert Kirkmans neuem Horror-Comic „Outcast“? Und wann kommt die Serie? Weiterlesen.)

Gucktipp: Die US-amerikanischen Youtube-Nerds „Screen Junkies“ haben in ihren „ehrlichen Trailern“ eine schöne Zusammenfassung über die Kritikpunkte von „The Walking Dead“ gemacht.


Produktion von „The Walking Dead“

Die TV-Serie basiert auf den gleichnamigen Comics von Robert Kirkman und Tony Moore. Entwickelt hat die Fernsehserie Frank Darabont. Bisher wurden seit 2010 fünf Staffeln mit insgesamt 53 Folgen produziert. Bereits vor Ausstrahlung der fünften Staffel wurde im Oktober 2014 die sechste Staffel bestellt. Der produzierende Sender ist der US-Sender AMC, in Deutschland wird die Serie auf Fox ausgestrahlt. Die Musik stammt von Bear McCreary. (kan)

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